Input/Output

Input/Output from Terri Timely on Vimeo.

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , | Kommentieren

Lieber Clever als Smart: Civic Tech fuer Menschen

Drei (plus x) Lese- und Ansehempfehlungen, die mir gestern nach und nach in den Twitterfeed gepurzelt sind und ebenfalls zur Frage passen, wie Civic Tech weitergesponnen werden kann.

Erstens das Boston Smart City Playbook, das schon gleich mit einem Kracher anfaengt:

The age of the “Smart City” is upon us!

It’s just that, we don’t really know what that means. Or, at least, not yet.

So far, every “Smart City” pilot project that we’ve undertaken here in Boston has ended with a glossy presentation, and a collective shrug. Nobody’s really known what to do next, or how the technology and data might lead to new or improved services.

Es folgt ein Rant ueber Vertriebsdrohnen von „Smart City“-Verkaufsbueros, eine Rueckbesinnung auf die Menschen, um die’s gehen soll, dass es nicht noch eine Plattform braucht (!!! zefix!!!), und dass im Zweifel eine „Clevere“ Stadt besser ist als eine „Smarte“: Mit einem Prototypen, einer intelligenten Strassenlaterne. Kleinen Spielplaetzen, die spaeter vielleicht hochskaliert werden, wenn sie sich bewaehren. Anstelle von Alles-oder-nichts-Megaprojekten.

Zweitens The Engine Room’s Advent Calendar mit einem Lesetipp fuer jeden Tag. Beispielsweise, dass „Startup-Kultur“ eine denkbar depperte Denkweise und Rahmenbedingung fuer gesellschaftsveraendernde Projekte ist. Dass „Innovation“ vollkommen ueberbewertet ist und „Wartung und Unterhalt“ eigentlich die wichtigeren Buzzwords sein sollten. Oder dass im Westen nach wie vor nicht-wohlhabende nicht-weisse Nicht-Akademikerinnen (hier: spezifisches Femininum) vergleichsweise wenig von Civic Tech haben.

Um Ausschluesse geht es – drittens – auch in Programming is Forgetting: Towards a New Hacker Ethic. Der etwas mehr als 20minuetige Vortrag (siehe oben) ist hier komplett transkribiert und lohnt sich zu lesen, gerne auch haeppchenweise. Am Beispiel einer Anekdote um die juengst mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichneten Margaret Hamilton zerlegt Allison Parrish Stueck fuer Stueck die „Hackerethik“, wie sie Steven Levy 1984 in seinem Buch “Hackers” dargestellt hatte. Nach einem Exkurs ueber soziale Kontexte stellt sie den urspruenglichen Lemmas jeweils eine Frage gegenueber. Und ich finde sie grossartig:

allison-parrish-programming-forgetting-26

(danke @lorz und @mjays fuer die Links. Ich weiss leider nicht mehr, von wem ich den Vortrag retweeted bekam.)

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , , , , , , | Kommentieren

Von Hackathons und Communityfoerderung

Foto: Sebastián Laraia für Deutsche Bahn / CCBY4.0

Foto: Sebastián Laraia für Deutsche Bahn / CCBY4.0

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Hackathons eine ganz gute Moeglichkeit sind, die eigene Stadt, Behoerde oder Konzern zu oeffnen und sich frischen Wind in die verstaubten Hallen zu holen. Das BMVI lud derletzt zum zweiten Mal zum Data Run, und die Deutsche Bahn hatte gestern den fuenften Hackathon binnen 20 Monaten ueber die Buehne gebracht. Nicht schlecht, koennte man sagen.

Was mir aber schon bei unseren OpenCityCamps auffiel: Nach einer Weile scheint sich das etwas totzulaufen. Die ausrichtende Einrichtung darf von Mal zu Mal neue Datenquellen freischaufeln, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, es bewege sich nichts mehr. Ob diese – muehsam irgendeiner grantelnden Fachabteilung abgetrotzten – Daten dann helfen, tatsaechliche Probleme echter Menschen zu beheben, weiss vorher kein Mensch. Und irgendwann ist auch der Punkt erreicht, an dem die naechsten grossen zu beackernden Baustellen einfach gar nicht mehr an einem 24-Stunden-Hackathon bearbeitet werden koennen.

Vor diesem Hintergrund deswegen mal ein paar halbgare Einwuerfe, was mir die letzten eineinhalb Jahre so durch den Kopf gegangen ist:

  1. Mit das wichtigste Ergebnis einer Open-Data-Veranstaltung ist, dass sich die Teilnehmer*innen live treffen und austauschen. Egal ob Freiwillige mit Ministeriumsleuten, Ministeriumsleute mit Konzernbeschaeftigten oder sonstwas: Diese Aufeinandertreffen motivieren, inspirieren und sorgen fuer die notwendige regelmaessige Hirnbelueftung mit frischen Ideen. Fuer diesen Austausch muss genuegend Zeit und Raum vorhanden sein. Das haben wir als blutjunge Fachschaftler*innen bei der Konferenzorga zwar gelernt, bei Behoerden darf man von dem Wissen aber nicht unbedingt ausgehen 😉
    Hierzu gehoert auch: Wenn ein Ministerium, eine Landeseinrichtung, ein Staedtetag oder sonstwer eine schicke Austauschveranstaltung macht, dann sollte sie unbedingt auch die Freiwilligen aus der Community mit einladen. Die OPEN! hat das nach der Kritik von 2015 dieses Jahr gemacht, das VDV-Verkehrscamp ebenso. Weiter so!
  2. Irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht, an dem das klassische Hackathon-Wettbewerbs-Format nicht mehr traegt. Erstens, weil beim Coden immer die Frage im Raum steht, mit welchem Projekt man denn Preise gewinnen kann. Anstelle der Frage, was nuetzlich, wichtig und sinnvoll waere. Zweitens, weil es das Potenzial verschenkt, gemeinsam mit den vielen tollen, kompetenten Leuten mal ein Wochenende lang strategisch wichtige Dinge auszuarbeiten. Mal dieses Werkzeug uebersetzen. Oder dieses Tool schreiben, das es noch nicht gibt und das bisher jedes Mal irgendwie fehlte. Gruppenuebergreifende Metaprojekte, bei denen jede Gruppe einen kleinen Teil fuer das Gesamtprojekt entwickelt
  3. Aus 1) und 2) folgend: Der konsequente naechste Schritt waere, genau solche Zusammenkuenfte zu foerdern. Bei denen nicht kompetitiv Prototypen gebastelt, sondern gemeinsam die Dinge beackert werden, die fuer die Weiterentwicklung von Open Data in Deutschland wichtig sind.
  4. Die Teilnahme an den Aktionen in 3) darf nicht mehr nur auf den Schultern von Leuten mit viel Zeit oder ausreichend Geld oder beidem ruhen. Die Freiwilligen, die sich ein Wochenende um die Ohren schlagen, duerfen nicht auch noch aus eigener Tasche Anreise und Unterkunft bezahlen muessen, oder per Anhalter anreisen und dann irgendwo auf WG-Sofas pennen. Wer quer durch Deutschland zu so einer Aktion reist, gibt fuer solch ein Wochenende je nach Zeit-Geld-Tradeoff irgendwas zwischen 30 und 300 EUR aus. Das kann sich nur eine ueberschaubare Gruppe privilegierter Leute leisten.

An jeder Ecke wird derzeit haufenweise Kohle auf Big Data, Blockchain 4.0 in der Cloud as a Service und andere Ideen mit ueberschaubarer Halbwertzeit geworfen, die aus irgendeinem Berater-Powerpoint gefallen sind. Foerderfunds werden ins Leben gerufen, auf die sich aufgrund der Rahmenbedingungen letztlich eh nur die ueblichen Verdaechtigen bewerben und die Kohle in bekannter Manier zum Fenster rauswerfen.

Ich wage zu behaupten: Die Foerderung von Veranstaltungen wie in 3) beschrieben und die Vergabe von Reisestipendien fuer Open-Data-Aktivist*innen haette ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhaeltnis. Da wuerde auch wirklich ein Bruchteil der 100 Millionen des BMVI reichen.

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , , , , , | 3 Antworten

Bitte immer alles gleich richtig machen, Verwaltungsinformatikversion

Grossartiger Text von Dan Sheldon, seines Zeichens Digitalstrategiechef im britischen Gesundheitsministerium: Wie mache ich mich als Regierung oder Verwaltung mit IT-Projekten selbst kaputt?. Genuesslich zerlegt er den offenbar in der Verwaltung eingebauten Drang zu immer neuen Portalen, Pseudoclouds, mangelnde Exitstrategien und die kuriose Zuneigung zu allem, worauf „Enterprise“ steht. Leseempfehlung.

Achja, eigentlich wollte ich das schon ewig mal hier lang und breit erklaeren, aber seit 15. Juni bin ich nun auch Teil dieser Verwaltung. Bei der Stadt Ulm. Und es ist ein wenig erschreckend, wie leicht mittlerweile die Erklaerung von der Zunge rollt, warum Kommunen offenbar haeufig kein Devops haben. Dafuer habe ich aufgrund des verlinkten Artikels einen wunderbaren Digitalstrategiegenerator gefunden. Grossartig.

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , | Kommentieren

Gute Nachrichten aus den USA

Was auch immer da gestern Nacht passierte: Es gibt immer noch gute Nachrichten aus den USA. Zum Beispiel der Code for America Summit, den Eileen Wagner von der OKFDE in einem Blogpost zusammenfasst.

Mit einer inspirierenden Geschichte, wie sich moderne IT-Methoden auch in einer Verwaltung durchsetzen lassen:

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , | Kommentieren

Installing the Brother QL-700 under GNU/Linux

Today, I tried to use this label printer on my machine, and I got kind of stuck.

This thread walked me through the necessary steps to install the drivers, but, alas – I could not get the printer to move. Recognizing the printer through system-config-printer didn’t quite work, and sending the data through CUPS wasn’t helping, either.

In the end, it’s apparently only two little steps that made all of it come together: Manually configuring the address to usb://Brother/QL-700. And, more importantly, and I nearly missed the tiny tidbit described here: Switching off the Editor Lite feature. Which means, pressing and holding the corresponding button until the light goes off.

Of course, if you were to read that information first instead of fiddling around and not getting your machine to auto-recognize the printer, you might even be able to see it right off the bat 😉

Addendum: gLabels had a few issues when changing to 62mm continuous labels. I found out I had to manually set the page size by issuing lpadmin -pBrother-QL-700 -o PageSize=62x100. Make sure to use the option -p{Whatever your printer is called on YOUR system}. Also, to convert DHL shipping labels with labelweb, I had to manually add another format longer than the standard 62×100 according to this helpful guide: brpapertoollpr_ql700 -P Brother-QL-700 -n 62x148-dhl-label -w 62 -h 148. Again, make sure to use the correct printer name for your system.

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , , | Kommentieren

Mal grafisch aufbereitet: Der Status Quo zu Open Data im OPNV

Dreieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass die kleinen SWU den bundesweit zweiten GTFS-Fahrplandatensatz veroeffentlichten. Und was sind wir in der Zwischenzeit alles rumgeturnt durch Deutschland, um Bruecken zu schlagen zwischen Civic-Tech-Szene und Verkehrsunternehmen: Auf der rp15, beim Verkehrscamp des VDV in Essen, und im letzten Jahr auch immer wieder bei der Bahn.

Hinter den Kulissen bewegt sich in der Tat sehr viel, was mich dieses Jahr auf der re:publica auch verhalten optimistisch gestimmt hat. Vorne ist davon aber nur maessig viel zu sehen. Ein aktueller Realitaetscheck: Die Verbundkarte, die ich auf dem letzten DB-Hackathon angefangen hatte, aber nun deutlich besser von Alexey umgesetzt wurde:

Ich wuerde sagen: Da geht noch was.

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , , | Kommentieren

Disruptive Kasperei

Vermutlich kann man damit ganz schnell ganz viel VC einsammeln, aber jedenfalls kommt heute gefuehlt keine Unterhaltung ueber Geschaeftsmodelle mehr ohne das Buzzword „Disruption“ aus, sobald irgendetwas darin „digital“ ist.

Bildschirmfoto vom 2016-08-15 19:59:25

Jetzt ist es halt so, dass Worte eine gewisse Bedeutung haben, und da ist Disruption beziehungsweise Disruptive Technologie keine Ausnahme. Und damit man das anschaulich lernen kann, ohne die Originaldefinition von Christensen lesen zu muessen, hat die kommunikonautin vor einigen Tagen eine wunderschoene Animations-Geschichte von hardbound auf Twitter geteilt, um das Prinzip zu verdeutlichen.

*

Ueberhaupt, dieser Kapitalismus und die Innovation – geht das ueberhaupt Hand in Hand? Martin Spindler teilte heute “The Capitalist’s Dilemma” aus dem Harvard Business Review, wo die Quintessenz ist: Meh. Firmen schwimmen aktuell in disponiblem Kapital, und trotzdem machen sie nichts daraus. Aber warum?

Die Autoren (unter anderem der von vorhin schon bekannte Christensen) teilen Innovationen mal abgesehen von disruptive und sustaining in drei Kategorien ein:

  • Performance-improving: Alte Produkte werden durch neue, bessere ersetzt.
  • Efficiency innovations: Firmen koennen dem gleich gebliebenen Publikum marktreife Produkte zu geringeren Preisen anbieten
  • Und zuletzt: Market-creating innovations – die Art von Veraenderung, die auf einmal vollkommen neue Maerkte erschliesst.

Die grossen Veraenderungen, argumentieren Christensen und van Bever, kommen aus der dritten Kategorie: Aus dem Paradigmenwechsel vom Mainframe vom PC, oder vom PC zum ubiquitaeren Tablet Computer, beispielsweise. In die klassischen BWL-Werkzeuge zur Quantifizierung wirtschaftlichen Erfolgs passen solche grossmasstaeblichen Veraenderungen jedoch nicht – sie dauern schlichtweg zu lange, als dass sie in den naechsten Quartalszahlen als Erfolg verbuchbar waeren. Ganz gleich, dass sie eigentlich der richtige Weg waeren:

This, then, is the capitalist’s dilemma: Doing the right thing for long-term prosperity is the wrong thing for most investors, according to the tools used to guide investments. In our attempts to maximize returns to capital, we reduce returns to capital. Capitalists seem uninterested in capitalism—in supporting the development of market-creating innovations. Left unaddressed, the capitalist’s dilemma might usher in an era of “post-capitalism.” Adam Smith’s “invisible hand” is meant to work behind the scenes, efficiently allocating capital and labor to sectors in which prices and returns are rising, and taking resources away from those in which they’re falling. But if the cost of capital is insignificant, it emits only the faintest of signals to the invisible hand about where and when capital should flow.

 

Ich grueble seither. Ueber Unterhaltungen der letzten Wochen, mit Menschen aus Unternehmen, die jetzt ganze Intrapreneur-Abteilungen aufziehen. Und die immer wieder hmmm-ten, wenn ich begeistert von Testfeldern sprach, auf denen man doch beispielsweise die Civic-Tech-Community einfach mal machen lassen koennte. Oder noch besser: Auf denen man mit dieser Community den Markt auf den Kopf stellen koennte, mit einem Bekenntnis zu F/OSS-Implementierungen. Auf dass das der Game Changer werde, als Grundlage fuer ganz neue Dinge.

Aber so einfach ist das wohl nicht. Denn zu jeder Idee gehoert wohl ein Business Case, der sich kurzfristig umsetzen laesst.

Grad schad drum.

*

Nachtrag: Eine ungenannte Quelle besteht darauf, dass ich unbedingt dazuschreiben soll, dass disruptiv eh sooo 2015 sei. Na gut. Darum geht’s mir aber eigentlich hier gar nicht.

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , | Kommentieren

Paper des Tages: “Those edibles hit hard”

Sowas schlaegt mir Google Scholar in den persoenlichen Empfehlungen vor: “Those edibles hit hard”: Exploration of Twitter data on cannabis edibles in the U.S – Drug & Alcohol Dependence

Inhaltlich ist das zwar eher fad, aber vielleicht kann ich damit endlich auch Teil des uulm-hilarious-paper-review-club werden

 

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt , , | Kommentieren

Der Unterschied zwischen Gleichbehandlung und Gleichstellung

How one little graphic became shared and adapted by millions

Die Geschichte hinter einem Bild, das hervorragend systematische Ungleichstellung und ihre Behebung illustriert – und zigfach geteilt, adaptiert, remixt und erweitert wurde: The Evolution of an Accidental Meme — Medium

(via)

In Allgemein veröffentlicht | Getaggt | Kommentieren