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#jhasien Tag 5: Von Null auf Firebase

Hatte ich gestern erwaehnt, dass es ja frueh ins Bett gehen kann? Nun. Irgendwie wurde es dann doch spaeter *raeusper*

Das machte aber nicht so furchtbar viel, denn fuer den Samstag war erst 0930 Uhr Treffpunkt an der Ubahn-Station geplant – sehr entspannt und deutlich angenehmer als die sonst bei Jugend hackt ueblichen Anfangszeiten.

Abends zuvor hatte sich herauskristallisiert, dass ich wohl die gleichermassen liebenswerte wie chaotische asiatische Gruppe mentorieren werden wuerde, die einen Freundefinder fuer Kulturaustausch entwickeln wollte. Die sechs Kids hatten zuvor noch absolut nichts in Sachen Programmierung unternommen, waren aber teilweise so voller Energie und Tatendrang, dass ihr Prototyp ihrer Meinung nach gleich die absolute Ueberloesung werden musste. Au weia, was für eine Herausforderung 😀

Ich hatte zum Glueck Unterstuetzung von Jimmy King, einem der Mentoren von vor Ort, der praktischerweise sowohl Japanisch als auch Chinesisch spricht – das vereinfachte die Kommunikation nochmal ganz ordentlich. Generell war klasse, dass vor Ort auch Mentoren von Code for Japan waren, dem Gegenstueck zu den CfA-Brigades oder den OK Labs in Deutschland (mit so einem schoenen reduzierten Logo!).

Am Vormittag gehoerte zu den Lightning Talks auch ein kurzer Vortrag von Hal Seki ueber die Civic-Tech-Aktivitaeten in Ostasien, und es ist jedes Mal wieder inspirierend zu sehen, wie diese weltweite Bewegung einfach abgeht – und wie das mit den vernetzten Welten auch wirklich live von den Communities gelebt wird 🙂

Zum Mittagessen gab es im 11. Stock des SAP-Turms allerlei Sorten Pizza, die hier umgerechnet fast 20 EUR das Stueck kostet und in unserem Fall teilweise mit eher ausfallenden Belagkreationen aufwartete 😀

Natuerlich musste die Kombi aus witziger Pizza und Ausblick auch entsprechend festgehalten werden…

https://www.instagram.com/p/BaNsWzJHLfM/

Aber zurueck zu „meiner“ Gruppe. Ich war etwas ratlos, wie wir das denn technisch machen sollten. Sie hatten sich ausgedacht, ausnahmsweise mal keinen „Wie Tinder, nur fuer…“-Klon, sondern einen „Wie OKCupid, nur fuer…“-Klon zu bauen. Und eigentlich finde ich die Idee ganz charmant: Man hakt Fragen zu eigenen Interessen und Ueberzeugungen an, gibt zudem an, welche Antworten man selber bei einem Gegenueber gut faende, und am Ende kann jemand aus einer fremden Kultur matchen, um Menschen zum Austausch zu finden*.
Dazu kommt dann noch, dass die Fragen und Antwortmoeglichkeiten bei uns auf Deutsch, Englisch, Japanisch und Chinesisch vorliegen sollten, so dass das ganze Ding am Ende vollkommen sprachagnostisch sein wuerde. Bis auf den angedachten Chat nach dem Matching, aber das ist ja im Prototypen egal 😉

(* bei einem reellen Produkt muesste man vermutlich spaetestens in Woche zwei der Beta umfangreiche Filter-, Block- und Moderationsfunktionen gegen aufdringliche Creeps, Spammer und sonstige Arschloecher einfuehren, falls man das nicht eh schon direkt mitgedacht hat. Looking at you, Twitter. Aber bei einem Jugendhackathon darf ja Glaube an die Menschheit erstmal ueberwiegen)

Die Frage war nun: Wie setzt man das mit dem Team um? Erster Schritt war mal, die Kids via Codeacademy ganz rudimentaer mit HTML und CSS vertraut zu machen, waehrend ich mir armerudernd Support bei Co-Mentor und Web-Entwickler Martin einholte: Wie zum Teufel bekommen wir hier leichtgewichtig irgendeinen Datenspeicher rein, ohne Megafrustration zu erzeugen?

Die Antwort war mir bis dato voellig unbekannt: Google Firebase bietet eine recht unkomplizierte Moeglichkeit, Daten in einem JSON-Baum abzulegen. Ja, leider ein Google-Dienst, aber wie so oft ist das Angebot an F/LOSS-Loesungen, die schnell fuer einen Hackathon aufsetzbar sind, recht ueberschaubar. Dieses Tutorial hat uns geholfen, recht schnell auch mal Daten abzugreifen und damit zu spielen.

A propos Spielen: Zusammen mit dem Deutschen Computerspielpreis konnten wir einen coolen Workshop anbieten, um VR mal live zu erleben – auch mit selbstgebauten Wolverine-Handdingsis, um das Gefuehl noch echter werden zu lassen 😀

Spieltrieb-Stefan war dann auch gefragt, um eher unerwartete Probleme zu loesen. Da hast du Teilnehmis mit einem auf Chinesisch eingestellten Mac und hast weder Ahnung von Mac noch von Chinesisch, und dann finde mal raus, wie die Kids dort einen passenden Editor finden, um unformatierten Text fuer die HTML- und CSS-Sachen speichern zu koennen. Bis wir ueberall Atom installiert hatten, war das auch mal Nano in der Konsole. Belastend.

Zum Abendessen gab es leckeres Essen dessen Namen ich leider vergessen habe, und ich habe mich gezielt an den Tisch mit lauter japanischen Menschen gesetzt, um ueber Essen, Civic Tech und die alltaeglichen Unterschiede zu quatschen. Ich liess meiner Begeisterung ueber den Quatsch, den wir erlebt und gemacht hatten, freien Lauf – stellte sich aber raus, dass wir fuer Japaner*innen wohl eher unuebliche Touribeschaeftigungen herausgesucht hatten 😉

Zum Abschluss liessen wir uns von Hal noch in eine Bar/ein Restaurant namens hOnda in Laufweite unserer Unterkunft fuehren, wo wir a) Sake, b) Pflaumenwein und c) unerwartete Speisen probieren konnten.

Ich sag mal so: Dass ich mal Haifisch essen wuerde, haette ich nicht gedacht. Und natuerlich mussten wir erst essen und bekamen dann erst verraten, was es ist. Aber nun ist auch Seegurke von der Bucket List abgehakt, obwohl ich vorher noch nicht mal wusste, dass die da drauf waere.

edit: Frank machte mich darauf aufmerksam, dass Haifisch essen enorm ungut ist. Wir bekamen das Zeug vorgesetzt und erst hinterher gesagt, was es ist – fuer die Zukunft weiss ich jetzt, worauf ich achten muss.

Keine Seegurke. Aber lecker.

Danach waere es Zeit fuers Bett gewesen. Stattdessen gab es fuer die Mentor*innen Zeitkulturschocks. Wir werden alt.

Ich habe diesen Beitrag erst nach meiner Rueckkehr veroeffentlicht, aber ihn zeitlich „passend“ auf Samstag nacht eingestellt.

#jhasien Tag 4: Losgehackt!

Los geht’s!

Heute startete der eigentliche Hackathonpart bei Jugend hackt – Vernetzte Welten. Im Gegensatz zum normalen Zeitplan hatten wir Aufwaermen und Kennenlernphase ja schon gestern am Donnerstag abend erledigt – heute ging es also schon verdammt frueh (0700 Uhr Fruehstueck?! Srsly?!?!) in der sehr ungewohnt-untypischen und weitgehend koffeinfreien Atmosphaere des SAP-Gebaeudes mit der Brainstormingphase los.

Was.

Durch die Durchmischung Deutschland/Japan/Taiwan/Hongkong bzw. China/Mongolei ergibt sich ein witziger Sprachmix, bei dem tatsaechlich oft Deutsch der kleinste gemeinsame Nenner ist – ergaenzt durch Englisch, das aber auch wieder nicht alle sprechen. Ich hatte den Eindruck, dass das sehr freie Jugend-hackt-Format nicht immer kompatibel zur jeweiligen kulturellen Praegung der TeilnehmerInnen ist, aber am Ende waren dann doch einige Ideen geboren 🙂

Aus eher sterilen Bueroraeumen was machen? Ja, das schaffen wir 😉

„Vernetzte Welten“ passte auch hervorragend zu unserer Liveschalte am spaeteren Nachmittag, um die jeweiligen Projektideen aus Tokio, Taipeh und Hongkong zusammenzubringen. Schoen und witzig, wie unkompliziert so etwas heute geht, einfach mal rund 2900 bzw. 2100 km ueber den Browser zusammenzubringen. Und extrem cool ist halt auch, in Tokio zu sitzen und zu sehen, wie unsere Ulmer TeilnehmerInnen Liam in Taipeh und Zoe in Hongkong ihre Ideen vorstellen <3

Wir konnten mit diesem Tag natuerlich auch sowohl den Cooles-Essen- als auch den Witzige-Automaten-Counter jeweils hochschrauben:

Der Automat in der SAP-Kantine gibt naemlich kostenlose Heiss- und Kaltgetraenke (mit Eis! Also nur die Kaltgetraenke) aus, mit einem Countdown, wann sie zu entnehmen sind, und es gibt alles von nach Schwimmbad schmeckendem Dry Ginger Ale ueber Maissuppe bis zu extrem dubiosem aber ultra leckerem „Vitamindrink“

Die Sache mit den absurden Getraenken endete aber auch nach dem Hack-Tag noch nicht. Auf dem Heimweg fiel mir die Empfehlung von -1 wieder ein, der Lotte auf Tomatensaft-Bier von Asahi hinwies. Das mussten Daniel und ich natuerlich gleich kaufen :3

Die Verkostung ist zum Glueck umfangreich dokumentiert. Kann man echt trinken. Muss aber nicht 😀

So frueh bei Jugend hackt mit dem Tagesprogramm durch sein ist wirklich ganz angenehm – so liess ich mich dann doch noch noetigen, den Tag hier zu verbloggen und komme trotzdem weit vor Mitternacht ins Bett. Und weil wir Tagesanfang und Fruehstuecksregularien ganz Deutschland-untypisch deutlich aufgeweicht haben, bleibt nun auch eine Chance auf mehr erholsamen Schlaf 😉

#jhAsien Tag 3: Schlafmangel und Auftaktworkshop

Ohne Titel.

Diese Tageszusammenfassung wird eine kurze. Wir haben halb zwoelf abends und ich habe gerade selbst fuer meine Verhaeltnisse etwas argen Schlafentzug – so mit konzentrieren muessen, um die Treppe hochzukommen und beim Sitzen erstmal wegnicken ^^

Wenigstens geht es mir nicht alleine so:

Starbug fuehrte uns nach Harajuku, wo 1 zum Beispiel Enten lagern kann oder sowas in der Art.

Zweites Fruehstueck

Zweites Fruehstueck

Ausserdem kann 1 sich dort Crepes mit absurden Belaegen machen lassen, zum Beispiel Kaesekuchen mit Sahne und Karamell und Knusperzeugs, oder auch beliebige andere Dinger, die dich dazu bringen zu sagen „oha das hatte ich mir groesser vorgestellt naja mal sehen ob ich davon satt werde OH GOTT BITTE ROLLT MICH IN MEIN GRAB“

Zweites Fruehstueck

Das trifft sich gut, denn direkt in der Naehe ist ein Schrein, der sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass er das hoechste derartige Eingangstor der Welt hat. In Ermangelung von Kirchtuermen muss sowas offenbar sein und ich kann das nachvollziehen, aus Kirchturmperspektive heraus (ohne dabei auf einem Kirchturm stehen zu muessen).

Das groesste Tor dieser Art der WELT!

Witzig ist auch, dass ein Auflauf japanischer Maenner in Fischerhueten und beigefarbenen Uebergangs-Fotomultifunktionsjacken einen noch groesseren Menschenauflauf am Rande dieser Anlage provozieren kann, wenn sie sich klemmbrettbewaffnet ueber den Graben beugen und auf Dinge zeigen und diese fotografieren, und dann kommen Menschen aus dem nicht-bebeigeten Auflauf dazu und fotografieren das auch, und die Traube an Menschen haelt sich noch eine kurze Zeit auch nach Verschwinden des beigen Blocks. Anscheinend ging es um einen extrem seltenen Wurm, der aber eventuell auch nur ein verschrumpeltes gelbes Blatt war, so ganz genau liess sich das nach Begutachtung der Szene nicht abschliessend beurteilen.

Im Uebrigen legt man in Japan Wert auf ressourcensparendes Handeln. Z.B. sind Rolltreppen zur Emissionsvermeidung teilweise abgeschaltet, oder man kann auch die Praxis erwaehnen, dass zur Erfuellung von Wuenschen nicht mehr Pferde geopfert werden muessen, sondern ein Holzbrettl mit dem jeweiligen Wunsch bepinselt an einen besonderen Ort gehaengt wird. Solcherlei war auch in diesem Schrein um einen Baum herum anzutreffen, gegen eine Schutzgebuehr kann man naemlich ein Brettl im Corporate Prayer Design des oertlichen Schreins kaufen und hinhaengen. Den Absurditaetspreis gewann das Ersatzpferd mit der sinngemaessen deutschen Beschriftung „Religionen abschaffen“.

Um die Ecke gab es in dieser so unglaublich sauberen und organisierten Stadt auch den ersten auffallenden Fall von Vandalismus zu bewundern, was uns etwas aufatmen liess.

Danach fuehrte uns erneut Starbug nach Akihabara, wo quasi fuer jede Nische ein Spezialitaetenladen mit mehreren Stockwerken zu finden ist. Egal welchen Elektronikshitladen ihr jemals gesehen hattet, das ist kein Vergleich zu hier.

Danach teilten wir uns auf – Lotte zog mit Crew nochmal Harajuku, und ich ging mit Daniel und dem Rest Biohacker besuchen. Natuerlich nicht ohne einen Umweg ueber den Bahnhof Ebisu, denn die Jugend-hackt-Styleguide-Schriftart heisst ebenso 😀

Wir sind keinesfalls Styleguideopfer!

(Ich fand gerade erst heraus, dass Ebisu (えびす) eine Shinto-Gottheit ist, der Bahnhof aber wurde fuer den Transport des Bieres einer ehemals nahegelegenen Brauerei gebaut, die nach diesem Gott benannt war. Okay.)

Biohackers

Nach noch so einem langen Tag war die koerperliche Energie zwar langsam aufgebraucht, aber jetzt fing ja das eigentliche Jugend hackt erst an:

Motiviert und ausgeschlafen, auf jeden Fall

Koffeinpulle aus dem 7/11 rein und durch: Um die Teilnehmer*innen aus Deutschland, Japan, China und der Mongolei zusammenzubringen, bauten wir Grusskarten-Voodoopuppen a la Codeweek:

und zwar nicht nur bei uns in Tokio, sondern auch bei den angeschlossenen Rundfunkanstalte^wEvents in Hongkong und Taipeh:

Die Einstiegs-Bastelaktion sollte die Huerde fuer die verschiedenen Deutsch-Sprachlevels der Teilnehmenden aus den verschiedenen Laendern deutlich gesenkt haben. Ich bin sehr gespannt auf morgen. Und muss jetzt ins Bett. Egal was die jetzt hier machen.

#jhAsien: Soo viel an einem Tag!

Tag zwei der Jugend-hackt-Asien-Reise, und weil mir mein Zimmerkollege, der sogenannte Starbug, Melatonin vercheckt hat, war ich um 0030 eingeschlafen und um 0630 hellwach. Ausgezeichnet.

Ich schreibe diesen Post am Ende dieses zweiten Tages, und bin im Rueckblick etwas ueberrascht, wie viel Zeug das heute wieder war. Los ging es schon kurz nach 0700 mit dem Fruehstueck als erstem „richtig“ traditionell japanischen Essen. Mit Sojabohnen und Fisch nicht aller Anwesenden Sache, aber zumindest probieren gehoert ja schon dazu. Und ich bin ganz angenehm ueberrascht, als Bewegungs- und Koordinationsherausgeforderter langsam die Sache mit den Staebchen so hinzubekommen, dass ich nicht verhungern muss.

Reis. Fisch. Sojabohnen. Und die Namen vom Rest hab ich vergessen.

Danach folgte auch was klassisches: Eine klassische Bus-Touri-Rundfahrt, um alle klassischen Photospots abzuklappern. Vom Tokyo Tower:

Menschen, die Menschen fotografieren, die Menschen fotografieren, die einen Glitzer-Modell-Tokio-Tower fotografieren

Wie oben, nur mit Jukalpaka vor Nebel 😉

Ueber den Photo Spot vor dem Wachhaeusel vor dem Kaiserpalast:

Ein beliebter Fotopunkt, wie unsere Reisefuehrerin betonte. Ja gut.

Meta: So schoene Muelltrennung. Da fuehlt sich der Schwabe wohl.

und zum Sensō-ji in Asakusa:

(Wie man sieht, sind Meta-Fotos mindestens so wichtig wie welche mit dem Jukalpaka drauf!)

Ein Ziel ist ja auch, an den ueberall stehenden Getraenkeautomaten einmal alles ausprobiert zu haben. Diese Automaten stehen hier tatsaechlich sowohl in Gebaeuden als auch im oeffentlichen Raum geschaetzt alle 50 Meter und natuerlich verstehen wir die Beschriftungen der ausgestellten Flaschen nicht immer so ganz. So kann man auch mal Wasser erwarten und Eiskaffee bekommen – oder statt Pfirsicheistee Malz-Eistee. Das schmeckt etwa so wie kalt gewordener Caro-Kaffee und ist nicht empfehlenswert. 0/10, wuerde nicht wieder kaufen.

Rechts in der Schuessel ist gebratenes Tofuzeugs und es schmeckte sowas von geil.

Zum Mittagessen fanden unsere lokalen Betreuer extra ein auch fuer unsere Vegetarier*innen passendes Ramen-Restaurant, bevor es zur oertlichen Partnerschule des Goethe-Instituts ging. Beim Zusehen waren wir uns recht schnell einig, dass Deutsch eine unglaublich beschissen zu lernende Fremdsprache sein muss 😡

Die Schule ist sehr beeindruckend ausgestattet. Dort reicht nicht einfach eine Turnhalle, nein, es muss zusaetzlich je noch eine fuer Kendō und Judo sein. Und im PC-Raum steht auch gleich ein 3D-Drucker

Extremes Highlight war das Abendessen: Auf Empfehlung unseres japanischen Begleiters gingen wir Okonomiyaki essen. Das ist quasi DIY-Pfannkuchen selber am Tisch brutzeln, mit extrem leckerer Sosse obendrauf:

Zum Tagesausklang stand noch die offenbar bekannteste Kreuzung Asiens auf dem Plan (die mir bislang ueberhaupt nicht bewussterweise bekannt war, aber nicht weniger beeindruckend laut und wuselig)

(und wir haben 500 IMO extrem angelegte Yen investiert, um meines Erachtens echt gute Bilder von uns aus einem Spezialautomaten machen zu lassen)

Entgegen aller Behauptungen bin ich aber bislang noch nirgendwo draufgeklettert. Ich halte das jedoch grundsaetzlich fuer eine gute Idee :3

#jhAsien: Hello Tokio!

Ohai Tokio!

Vergangene Woche war erst Jugend hackt bei uns in Ulm, und nur acht Tage spaeter sitze ich hier am Dienstagabend in Tokio in unserem Hotel direkt neben dem Tokioter Goethe-Institut. „Vernetzte Welten“ heisst das Motto, unter dem gerade auf Einladung des Goethe-Instituts drei Gruppen mit je fuenf TeilnehmerInnen und fuenf MentorInnen gleichzeitig in Taipeh, Hongkong und Tokio sind. Und ich habe das wirklich grosse Glueck, dabei sein zu duerfen <3

Deshalb grinse ich schon seit mindestens 20 Stunden wie ein Honigkuchenpferd (okay, vermutlich nicht waehrend ich im Flieger zu schlafen versucht habe): Das ist nicht nur das erste Mal, dass ich in Japan bin, sondern auch das erste Mal in Asien ueberhaupt. Und etwa ab Danzig kam dieses „oh krass, so weit oestlich war ich noch nie auf der Welt!11“-Gefuehl dazu.

Nein, ich bin bislang echt noch nicht *so* viel rumgekommen. Viel weiter oestlich als hier war ich vorher glaube ich noch nie.

Derweil waere die Reise kurz vor knapp beinahe in die Hose gegangen. Aehm. Wie beschreibe ich das jetzt.

Hochmut kommt vor dem Fall oder so. Alles war souveraen gepackt. Schuko-Steckdosenleisten und Adapterstecker fuer die ganze Crew. Ein eigener Freifunk-Router. (Hoffentlich) alles.

Und eigentlich stand und fiel alles mit dem Umstand, dass Bine ihre Verbindung nicht direkt nach Frankfurt-Flughafen mit Umstieg in Mannheim gebucht hatte, sondern mit dem „Umweg“ ueber Frankfurt Hauptbahnhof. Weil so konnte ich zusehen, wie der Zugbegleiter kurz nach Mannheim bei einem Menschen im Abteil unbedingt einen Lichtbildausweis haben wollte. „Keinen Personalausweis oder Pass dabei?“

Pass dabei?

Pass dabei?

PASS DABEI?

(Im Nachhinein ist es fast schade, dass keine Kamera mitlief. Oder ein Audiorecorder).

Es war 1352 Uhr, irgendwo zwischen Mannheim und Frankfurt. Um 1500 Uhr wollten wir uns am Flughafen treffen, um 1720 sollte das Boarding beginnen. Und mein Reisepass lag noch zuhause auf der Kommode.

Dieses Gefuehl, wenn der Arsch ganz, ganz langsam auf Grundeis sinkt.

Japan akzeptiert wohl alleine den Reisepass fuer die Einreise. Hektische Recherche auf den Mobiltelefonen. Vorlaeufige Notdokumente: Offenbar keine Chance. Juka war telefonisch nicht erreichbar. Meine Mitbewohnerinnen waren gar nicht erst da: Niko war in Starnberg, Mariam im FSJ-Seminar. Niemand konnte die Tuer aufsperren. Niemand den Pass nach Frankfurt bringen.

Wenn sich Tweets einfach hart raechen

Endlich, 1411, Juka ruft zurueck. Wenn sie a) jetzt sofort zu unseren alten Hausmeistern um die Ecke aufbricht, b) die auch zuhause sind und ihr c) sofort den Schluessel geben, und sie dann d) den Pass findet und e) den Zug um 1450 ab Ulm erwischt, der dann f) 1710 in Frankfurt Flughafen ankommt, 10 Minuten vor Boardingbeginn. Dann koennte es klappen.

Das sind eine Menge wenns. Shit. Aber Juka verspricht, es zu versuchen.

Wer den Schaden hat…

1428. Juka hat den Hausmeister per Sprechanlage erreicht. Der hat die Situation eventuell ueber die Sprechanlage nicht so gut verstanden, will aber rueberkommen. In 22 Minuten geht der Zug. Bine und ich steigen derweil in die Frankfurter S-Bahn und ich schaue staendig aufs Handy, um keine Nachricht zu verpassen und um zu sehen, ob ich Empfang habe. Natuerlich reisst der Empfang ab. 1435 Uhr. 15 Minuten. Flugmodus an, aus, an, aus, verbinde dich!

1438 noch kurz der Anruf, wo isser denn, der Pass? 1439 ist er gefunden. 11 Minuten bis zum Zug. Jetzt gibts nichts mehr ausser Daumen druecken. Mit dem Fahrrad duerfte das machbar sein.

Und es klappte. Mir blieb nur mehr, mein aufgegebenes Gepaeck Bine zu ueberlassen und die anderen bei der Sicherheitskontrolle zu verabschieden, um in den verbleibenden 90 Minuten die ideale Passuebergabe und den schnellsten Weg vom Fernbahnhof zum Gate auszubaldowern. Nebenbei ist der Rest der Gruppe nicht nur aufs ganze Flugzeug verteilt, es bleibt dazu noch zu bangen, dass wir ueberhaupt alle im ueberbuchten Flug einen Sitzplatz bekommen – einige hatten gar keine Platznummer mehr auf ihre Bordkarte bekommen.

1710 faehrt der Zug ein. Ich warte oben an den Rolltreppen. 1711 kommt Juka die rechte Treppe hoch, ich renne hin – Zeit fuer ein kurzes #shakehans-Foto (das wurde so auf Twitter bestellt…), einen grossen Druecker fuer Juka, die Reiseretterin – und los geht der Spurt zum Gate.

Und ab da ist alles locker-flockig. Kein Mensch vor mir an der Sicherheitskontrolle, nach zwei Minuten bin ich durch. Zwischendurch ueberlege ich, von einem Fraport-Mitarbeiter das Fahrrad zu klau^wauszuleihen, aber das ist alles gar nicht noetig. 1721 bin ich mit hochrotem Kopf (und Pass) am Gate. Erst 40 Minuten spaeter sitzen wir dann auch wirklich im Flieger. Und dann kann es losgehen.

Ich habe keine Ahnung, ob und wie ich diesen ultrakrassen Freundschaftsdienst jemals wieder gutmachen kann. Innerlich hatte ich mich schon damit abgefunden, entweder mit viel Zusatzgebuehren den Flug umbuchen oder vollstaendig zuhause bleiben zu muessen.

So habe ich jetzt das Privileg, den intensivsten Kulturschock meines Lebens mitzumachen. Ich bin von der schieren Groesse dieser Stadt immer noch ueberwaeltigt. Nach der Ankunft und Begruessung im Goethe-Institut fuhren wir zum Tokyo Metropolitan Government Building, um von der Aussichtsplattform im 45. Stockwerk die Stadt zu begutachten.

Und immer wieder komme ich mir wie im Science-Fiction-Film vor: Wenn das Auge die Tiefe des Stadtraums gar nicht mehr wirklich erfassen kann.

Hochhaeuser. Lauter Hochhaeuser. Mit roten Blinkeleuchten.

Hochhaeuser. Lauter Hochhaeuser. Mit roten Blinkeleuchten.

Wenn die hell erleuchteten Strassen mit allen moeglichen Elektronikmaerkten, Spielarkaden und hunderten Gashapon-Automaten dich in eine Kulisse versetzen, die du wirklich nur aus Science-Fiction-Filmen kennst.

Shinjuku

Automaten. Alles voller Automaten. Spielfiguren fuer 300 Yen.

Krass auch: In einen Pachinkoladen gehen und erst einmal in eine Wand aus Laerm laufen. Oder auf Bushaltestellen stossen, an denen alle Pokemon Go spielen. Oder ganze SEGA-Laeden mit Claw Machines. Alles krass. Alles.

Mittlerweile ist es 2315 Uhr Ortszeit und ich bin ueber 32 Stunden wach – Zeit ins Bett zu fallen und hoffentlich schlafen zu koennen. Denn morgen geht’s weiter 🙂

BahnCard-Gold-Chancenkalender

Die DB legt ja gerade ihre BahnCard-Gold-Sonderaktion auf, bei der man mit der Gold-Karte fuer 25 EUR am Tag nach einem deutschen Goldmedaillengewinn kostenlos den DB-Fernverkehr benutzen kann.

@gruenzeug war so freundlich, einen Kalender zusammenzustellen, in dem die Wettbewerbe markiert sind, die laut Medienmeinung™ gute Goldmedaillenchancen haben. Hier folgt er als Gastbeitrag:

(+++) = absolute Favoriten.
Generell hab ich in die Liste nur konkrete Gold-Hoffnungen übernommen – ich will schließlich bahnfahren, nicht fangirlen. Zur Einordnung, hier sind 27 mögliche Goldmedaillen aufgezählt, in der Vergangenheit haben die deutschen Wintersportler 10 oder 11 geholt – so wird es recht wahrscheinlich auch dieses mal aussehen. Aber gerade wenn es zwei Favoriten an einem Tag gibt, könnt ihr euch den darauffolgenden Tag ja mal rein prophylaktisch für einen Ausflug frei halten…

 

Samstag, 8. Februar
Biathlon, Sprint, Herren (Simon Schempp)
Sonntag, 9. Februar
Eisschnelllauf, 3000 Meter, Damen (Claudia Pechstein+++)
Biathlon, Sprint, Damen
Rodeln, Einzel, Lauf 3 und 4, Herren (Felix Loch+++)
Montag, 10. Februar
Damen Ski-Alpin, Super-Kombination, Damen (Maria Höfl-Riesch+++)
Biathlon, Verfolgung, Herren (Simon Schempp)
Dienstag, 11. Februar
Rodeln, Einzel, Lauf 3 und 4, Damen (Natalie Geisenberger+++)
Biathlon, Verfolgung, Damen (Andrea Henkel)
Mittwoch, 12. Februar
Ski-Alpin, Abfahrt, Damen (Maria Höfl-Riesch)
Nordische Kombination, Einzel, Herren (Eric Frenzel)
Rodeln, Doppel, Herren (Tobias Wendl+Tobias Arlt+++)
Eiskunstlauf, Freies Programm, Paar (Savchenko/Szolkowy+++)
Donnerstag, 13. Februar
Rodeln, Team-Staffel, Damen und Herren (+++)
Freitag, 14. Februar
Samstag, 15. Februar
Ski-Alpin, Super-G, Damen (Maria Höfl-Riesch)
Sonntag, 16. Februar
Eisschnelllauf, 1500 Meter, Damen (Claudia Pechstein)
Montag, 17. Februar
Bob, Zweier, Lauf 3 und 4, Herren
Dienstag, 18. Februar
Ski-Alpin, Riesenslalom, Damen (Maria Höfl-Riesch)
Nordische Kombination, Großschanze, Herren
Mittwoch, 19. Februar
Eisschnelllauf, 5000 Meter, Damen
Biathlon, Mixed-Staffel
Ski-Alpin, Riesenslalom, Herren (Felix Neureuther)
Donnerstag, 20. Februar
Nordische Kombination, Großschanze, Team, Herren
Freitag, 21. Februar
Biathlon, Staffel, Damen
Ski-Alpin, Slalom, Damen (Maria Höfl-Riesch+++)
Samstag, 22. Februar
Biathlon, Staffel, Herren
Ski-Alpin, Slalom, Herren  (Felix Neureuther)
Sonntag, 23. Februar
Bob, Vierer, Lauf 3 und 4, Herren (+++)

 

Weit weg mit dem Rad

Vor einigen Jahren stiess ich bei der Suche nach interessanten Radrouten ueber das Radreise-Wiki auf radweit.de von Ulrich Lamm. Die Crux bei vielen Radwanderwegen ist, dass sie oft eine Zusammenstueckelung aus Einzelradwegen sind, die zwar abseits des „normalen“ Autoverkehrs und entlang mehr oder weniger schoenen Landstrichen gefuehrt sind, aber oft nicht fuer direkte Verbindungen zwischen groesseren Staedten taugen; „richtige“ Direkt-Fernwege sind dagegen eher rar gesaet.

yberalle

 

Das EuroVelo-Netz (Wikipedia) koennte man zwar als europaeisches Quasi-Fahrradautobahnnetz bezeichnen, ist aber in vielen Abschnitten noch unvollstaendig und besteht aus vergleichsweise wenigen Achsen durch Deutschland. An Ulm fuehrt beispielsweise nur der EV6 von Saint Nazaire ueber Basel, Passau, Wien, Budapest und Belgrad bis zum Schwarzen Meer entlang, Anknuepfungspunkte an weitere EV-Routen sind aber rar gesaet und mehrere Tagesreisen entfernt. Von Ulm nach Dresden muesste man in diesem „Netz“ beispielsweise erst nach Linz fahren und dort auf den EV7 von Valletta ueber Rom und Salzburg nach Berlin, Rostock, Kopenhagen bis zum Nordkap wechseln.

Ergaenzt wird das EV-Netz in der Theorie durch nationale Routen, in Deutschland das D-Radwegenetz, das abschnittsweise auch mit den EV-Routen identisch ist. Vom Donauradweg (EV6 bzw. D6) koennte man beispielsweise bei Kelheim auf die D11 umsteigen, von wo es ueber Nuernberg und Jena westlich an Leipzig vorbei ueber Berlin bis Rostock ginge, wenn man das wollte. „Direkt“ sind diese Verbindungen aber auch nicht. Abgesehen von dem riesigen Schlenker ueber Kelheim maeandert die D11 hin und her, was einem ordentlich Kilometer unterm Hintern beschert, die man vielleicht nicht unbedingt abstrampeln moechte.

Landstrasse statt Schotterradweg. Hat man trotzdem fuer sich alleine.

Landstrasse statt Schotterradweg. Hat man trotzdem fuer sich alleine.

Die Radweit-Karten loesen diese Probleme fuer viele Routen. Ulrich Lamm hat mit einigen Mitstreiter*innen eine ganz ansehnliche Liste von Direktverbindungen selbst er-fahren, die zwar immer wieder auf das EV- und D-Routennetz zurueckgreifen, ueberwiegend aber wenig befahrenen Landstrassen folgen und somit deutlich Kilometer sparen. Der Fokus liegt auf guten Wegen mit ordentlichem Fahrbahnbelag – Schotterstrecken sind im Gegensatz zu vielen „herkoemmlichen“ Fahrradrouten selten und werden im Kartenmaterial gekennzeichnet; oft gibt es in dem Fall auch Alternativrouten, die je nach Gusto gewaehlt werden koennen. Fuer jede Route gibt es Wegekarten auf Basis topographischer Karten der jeweiligen Landesvermessungsaemter, in der Regel der jeweils passenden TK100. Die jeweiligen Blaetter sind dabei so zusammengestellt, dass entlang der Route „Korridore“ ausgeschnitten und auf ein Gesamtblatt zusammengefuegt werden, so dass eine Strecke von rund 200 Kilometern auf einen DIN-A3-Bogen passt. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sehe sich einfach mal beispielhaft ein Blatt an, dann wird’s schnell klar 🙂

Neben der guten Streckenkennzeichnung, Hinweisen auf Lebensmittelgeschaeften und Gasthoefen mit Mittagstisch punkten die Radweit-Karten vor allem durch ihre direkte Streckenfuehrung. Waehrend der „offizielle“ Radwanderweg Berlin-Kopenhagen einem beispielsweise allein bis Rostock 377 Kilometer abverlangt, verzichtet die Radweit-Route auf die Umwege durch die Mecklenburgische Landschaft und kommt mit 230 Kilometern aus.

Selbstversuch: Von Ulm beinahe komplett nach Berlin

Ich wollte die Routen schon lange einmal selbst testen, und da eine Uni-Kollegin diesen Sommer zum letzten Mal in Berlin war und dort besucht werden konnte, war schon einmal ein Vorwand gefunden 🙂 Meine Route hatte ich mir folgendermassen zusammengestellt:

Eins vorweg: Ich bin kein hartgesottener Ausdauerradler. Ich habe keine hochgezuechtete Tourenmaschine, stattdessen musste das Tourenrad meines Vaters herhalten – wie sich auf der Reise feststellte, mit verstellter Schaltung und einigen Lagerschaeden :> Wie weit ich kommen wuerde, war vollkommen unklar – Nuernberg hielt ich fuer machbar, Leipzig war das Wunschziel, Berlin beinahe optional.

Um das ueberhaupt zu schaffen, habe ich das Gepaeck so minimal als moeglich gehalten. Radlerhose und Funktionsshirts waren klar, Regenponcho und –hose zum Glueck nicht notwendig (aber trotzdem dabei), und neben „normalen“ Wechselklamotten, Trangia und Essen kamen nur Isomatte, Schlafsack und Tarp mit auf die Reise.

Tag 1 und 2: Ulm-Nuernberg

Der erste Abschnitt der Route folgt grob dem EV6 an der Donau entlang bis Donauwoerth. Man moechte fast sagen, ein perfekter Einstieg: Flach, angenehm und leicht zu fahren, man fliegt nur so dahin. Obwohl ich erst gegen 1700 in Ulm loslegen konnte, kam ich rund 78 Kilometer bis kurz vor Blindheim, bevor die Dunkelheit mich zum Biwak am Feldesrand zwang. Leider merkte ich erst dort, dass ein wichtiges Stueck Equipment fehlte: Mueckenspray :>

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Ab Donauwoerth fuehrt der Weg nach Treuchtlingen, von dort aus grob entlang der Regionalbahnstrecke bis Nuernberg. Bevor man aber in Treuchtlingen ankommt, beginnt erst einmal die Bergwertung. Kaum ist man einen Huegel hinuntergesaust, kommt auch schon der naechste – und das zieht sich den halben Tag so durch. Gegen 1930 war ich nach 144 Kilometern in Nuernberg, entschied mich statt Weiterfahrt und Biwaksuche fuer ein Hostelbett samt Dusche und merkte erst dann, dass ich viel zu wenig gegessen hatte und ich ziemlich kaputt war. Weitere Ernuechterung war, dass es von Nuernberg nach Leipzig noch 327 Kilometer waren und ich fuer Leipzig noch keine Couch-Unterkunft hatte, worauf ich eigentlich gehofft hatte.

Tag 3 und 4: Abkuerzung nach Kronach, von dort aus bis Leipzig

Nachdem ich den Vormittag in Nuernberg verbracht und ueber eine ehemalige Mitbewohnerin der Nachbar-WG angeleiert hatte, vielleicht doch noch eine Couch in ihrer Ex-WG in Leipzig zu bekommen, entschied ich mich, die 129 Kilometer bis Kronach mit dem Zug abzukuerzen und mir damit eine Tagesetappe zu sparen. Gluecklicherweise konnte ich fuer 10 EUR auf dem Wochenendticket einer Jenaerin mitfahren, kam gegen 1500 Uhr in Kronach an und fuhr noch rund 74 Kilometer weit bis ueber die Thueringische Grenze. Dieser Streckenabschnitt ist ebenfalls maessig bergig, und zwischen Steinwiesen und Nordhalben wird aufs Neue klar, warum Radwege minderoptimal sind: Anstatt der Radweit-Route entlang der Bundesstrasse weiter zu folgen, liess ich mich von einem Radwegweiser „Nordhalben“ aus Unachtsamkeit schon in Mauthaus von der Strecke abbringen und zur Trinkwassertalsperre leiten – einen verdammt steilen Berg hinauf. Ich hoffe, den Planer*innen des „Radwegs“ von dort nach Nordhalben nie zu begegnen – mir entgegenkommende Passant*innen suchten entsetzt das Weite, als ich mich lauthals fluchend bei stetigem Gegenwind ueber die Huegel und grobschotterigen Dreckspisten quaelte.

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In Thueringen angekommen geht es ueber die Eisbruecke bei der Bleilochtalsperre – ebenfalls eine ganz ordentliche Tal- und Bergfahrt. Wegen drohenden Regens (der aber nie kam) machte ich es mir kurz noerdlich von Moeschlitz unter dem Tarp gemuetlich. Ohne Muecken.

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An Tag 4 waren alle Plagen des vorigen Tags vergessen, und so ging’s nach dem Fruehstueck recht zuegig bis Triptis zu einer laengeren (Vor-)mittagspause mit Kasslerruecken und Thueringer Kloessen. Ab da fuehrt die Route durch kleine Oertchen wie Muenchenbernsdorf (die sich bei genauerem Hinsehen als Stadt herausstellten), an Gera vorbei durch Zeitz in Richtung Leipzig. Wenn man den vielen historischen Tafeln glauben darf, hat Napoleon 1813 in jedem zweiten Dorf auf der Strecke irgendwelche Paraden abgenommen und an Baeumen gelehnt, die dann prompt eingingen, als er starb. Oder so aehnlich. Tagesbilanz: 143 Kilometer, die wie im Fluge vergingen. Arg viel anderes haette ich auch nicht machen koennen – es war Sonntag, alles hatte zu. Selbst Tankstellen.

Bei Bad Koestritz: Das war mal der Elsterradweg. Bis zum Hochwasser.

Bei Bad Koestritz: Das war mal der Elsterradweg. Bis zum Hochwasser.

Tag 5 und 6: Leipzig nach Berlin

Den halben Tag verbrachte ich durch Leipzig spazierend und mir Dinge ansehend, so dass ich erst gegen 1730 los kam. Immer noch durch ziemlich huegelige Landschaft geht es wahlweise ueber Bad Dueben oder die Muldefaehre Gruna; ich entschied mich fuer die Route ueber Bad Dueben. Nach rund 60 km ist man in Pretzsch angelangt, wo ich mich fuers Biwakieren entschied, weil die Elbfaehre dort nur bis 2100 Uhr faehrt, was knapp geworden waere. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Ich hatte mir offenbar die mueckenreichste Ecke der gesamten Umgebung ausgesucht und die ganze Nacht kein Auge zugetan. Dass sich irgendwann gegen 0200 Uhr Maulwuerfe von unten durch die Isomatte buddeln wollten, tat sein Uebriges. Die Nacht war dementsprechend um 0530 fuer mich vorbei und ich machte mich auf die letzte Tagesetappe.

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Die ist durch immer flacher werdende Landschaften gepraegt – und wenig Sonstigem. Konnte ich auf dem Weg durch Thueringen keine Lebensmittel oder Snacks einkaufen, weil Sonntag war, ging das auf dem Weg durch Brandenburg deswegen nicht, weil es auf der Route schlicht keine Supermaerkte gab. Die Strecke ist angenehm zu radeln und landschaftlich schoen, die wenigen passierenden Autos und der mehrfache Wechsel zwischen Teltow-Flaeming und Potsdam-Mittelmark ist aber so das aufregendste, was einem auf dem Weg passiert 😉

Stimmt natuerlich nicht. Um Beelitz und Michendorf herum faehrt man durch kleine Oertchen, in denen die Leute von kleinen unbeaufsichtigten Staenden weg selbstgemachte Konfitueren, Honig und Gemuese verkaufen, und ab Saarmund merkt man gaaaanz allmaehlich, dass man gaaaanz langsam in den Speckguertel Berlins einwandert. Um 1650 rollte ich von Kleinmachnow nach Berlin-Zehlendorf, und immerhin um 1850 war ich dann auch „schon“ bei HeBu im Wedding angekommen – Tagesetappe 137,4 Kilometer.

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Fazit

Auch als Freizeitradler*in kommt man mit dem Rad deutlich weiter, als man vielleicht denken wuerde. In der Regel hatte ich am Tagesende einen Schnitt um 16 km/h herum auf dem Tacho, normale Reisegeschwindigkeit waren die ueblichen 20 km/h – im Endeffekt war die bewaeltigte Strecke nur eine Funktion aus Sattelzeit und wie viele Anstiege zu bewaeltigen waren. Wer frueh losfaehrt und gemuetlich vor sich hinradelt, schafft selbst mit eingeschobenen Stadterkundungen, Mittagsschlaefchen im Wald (um der Hitze zu entgehen) und Einkaufs-, Einkehr- und Brotzeitpausen mit Leichtigkeit 140 km am Tag. Und haetten die Pedallager nicht bei jedem Tritt laut gekracht, haette ich sicher noch weniger Kraft aufwenden muessen 😉

Wer Lust bekommen hat: Folgende Routen durch Ulm habe ich auf Radweit gefunden:

…oder einfach mal auf der Uebersichtsseite stoebern – Ergaenzungen gerne in die Kommentare 🙂

In Rostock kann man…

(kleiner Versuch, mal aufzuzaehlen, was man in dieser Stadt alles machen kann. Fuer sich jetzt hoffentlich angesprochen fuehlende Zweifler in Ulm 😉 )

In Rostock kann man…

…baden geh’n

…Moewen seh’n (na gut, schluss mit den Reimversuchen)

…Schiffe gucken

…Brombeer’n pfluecken (was? das ist doch nichtmal ein Reim!)

…sein Bier im Hafen kuehlen

…Kunsteinkaeufer spielen (ich komm dafuer sicher in die Hoelle)

…Kuchen backen

…schwer versacken (Ah! Ich kann nicht mehr aufhoeren!)

Aehmja. Sorry 😀

Danke nochmal an Gastgeberin Undine, deren Gastfreundschaft wir mit unserem etwas unklaren Ab-/Weiterreiseplan auch ein wenig ueberstrapaziert haben duerften. Dazu spaeter noch etwas — ich sitze hier auf einer Parkbank in Kobø Køge (kurz suedlich von Kopenhagen) und habe kaum noch Akku 😉

Mit dem Rad zur EM 2012

Der geschaetzte Andreas Rother alias @fischkippe, der sich (zusammen mit Lu Haslauer) unter anderem fuer die Papst-Neuvertonung beim ZDF verantwortlich zeigte, ist seit gut zwei Wochen mit einem Kumpel von Berlin nach Kyiw unterwegs, das sie am 30. Juni erreichen wollen. Und der Herr Rother ist mir noch sympathischer geworden, nachdem er auf ziemlich die Art und Weise reist, wie sie mir gefaellt: In diesem Fall auf alten, klapprigen Raedern, unter Tarps am Weichselstrand naechtigend, immer wieder den Elementen trotzen muessend.

Ich weiss, was es fuer ein Stress ist, sowohl zu reisen als auch davon zu berichten — deswegen Hut ab, und lest seine Berichte 🙂

Und dann waren da noch…

…das Metalab

Der zweite Hackspace-Besuch in den letzten Monaten. Wir wurden auch gleich herumgefuehrt und bekamen das Whateverlab mit den Rapid-Prototyping-Drucken (RepRap und MakerBot), Lasercutter und CNC-Fraesmaschine gezeigt, haben neue Hackerbrause kennengelernt und sind insgesamt sehr angetan von diesem Labor gewordenen Reaktionsbeschleuniger (vorsichtig ausgedrueckt).

Nebenbei haben wir auch festgestellt, dass das uulm-Logo dem des Metalab recht aehnlich ist, und wurden mit unserer nicht ganz zeitfesten Hinterlassenschaft auch gleich in der offiziellen Metalab-Soup verewigt.

Foto oben: Dodo ist von der Blinkenwall begeisterter, als es auf dem Bild den Eindruck macht.

…Ottakringer Bier

Bier!!!

Schmeckt echt gut und zeigt einem, wie sehr man die heimischen Verhaeltnisse gewohnt ist („Was, ihr knuellt die Dosen zusammen?!?!!?!elf“ — „Ja kloar, sonst bassn die ned in den Misteimer.“)

Wie anders doch das Leben ohne Dosenpfand ist.

Fun Fact: Eine Palette OTK langt vier leicht erkaelteten Mittrinkern genau eine Zugfahrt. Weniger haett’s jedenfalls nicht sein duerfen.

…die Oesterreichische Bundesbahn

Mit Zugtoiletten von Liebherr und Zugbegleitern, die einen amuesiert ansehen, wenn man nachfragt, ob man angesichts der zwischenzeitlich erlittenen Verspaetung den 3-Minuten-Anschluss zum anderen Regionalzug in St. Valentin noch schafft: „Klar“.

Bevor gemunkelt und Zusammenhaenge zu S21 konstruiert werden: Besagte Regionalzuege waren jetzt nicht auf 100% Geschwindigkeit getaktet, und die anderen Bordtoiletten waren noch von der rustikaleren Sorte, die direkt aufs Gleis entleert.

Wieder in Deutschland angekommen wird man uebrigens von anderen Fahrgaesten schief angesehen, wenn man Paletten mit Dosenbier herumschleppt und daraus Skulpturen baut, die man „Kumpelbier“ nennt. (Illustration oben).

…die FSINF

mit Tamara, Stefan, Crispy und wer da noch alles mitgeorgt hat: Danke, die uulm-Abordnung hatte sehr, sehr, sehr viel Spass 😀