Ciao, oeffentlicher Dienst

Gerade ist (noch) der erste Januar 2023 (und ich stolpere natuerlich immer noch ueber die Jahreszahl). Das heisst, dass ich vor fast exakt einem Jahr um Mitternacht nicht nur ins neue Jahr gefeiert habe, sondern mit einigen anderen Anwesenden High-Fives abgeklatscht habe, weil wir ab dieser Sekunde nicht mehr im oeffentlichen Dienst angestellt waren.

Ich habe aus verschiedenen Gruenden bis heute nie aufgeschrieben, warum ich damals ausgestiegen bin, und auch die anderen Anwesenden haben das nicht an die grosse Glocke gehaengt (ich habe gerade im Kopf durchgezaehlt, und wenn ich das richtig zusammenbekomme, sind 2022 ausser mir sechs andere Menschen aus dem ehemaligen Team gegangen oder nicht zurueckgekehrt, und dieses Jahr weiss ich von zwei weiteren. Das ist schon scary-beeindruckend.)

Eigentlich ist dieses leise-gehen schade. Thilak Mahendran hat am 6.12.2022 seinen Dienstausweis und seinen Arbeitslaptop im Bundesverwaltungsamt abgegeben, wo er das Kompetenzzentrum Open Data leitete. Und im Gegensatz zu mir hat er offen ueber seinen Ausstieg einen Text geschrieben, den ich sehr lesenswert finde. Weil er erstens die Probleme anspricht, die nicht nur im BVA Alltag sind, sondern die eigentlich eigene Tropes im Verwaltungsgame bilden – und absurder-/peinlicherweise auch gerade in den Organisationseinheiten, die die Speerspitze der Digitalisierung und Innovation und hastenichtgesehen sein sollen oder wollen. Und weil er zweitens den ungesunden Feedback-Loop benennt, an dessen Ende nur noch angepasste Ja-SagerInnen uebrig bleiben, die auch an den „fachlich nicht mehr begruendbaren“ Entscheidungen keinen Anstoss nehmen.

Ich beobachte gerade auf Twitter und Mastodon, dass diese Probleme zunehmend auch anderen Leuten aufzufallen scheinen. Dass man Exit-Interviews fuehren sollte, um auch tatsaechlich zu lernen, warum Menschen die Verwaltung verlassen. Wobei ich den Kreis eigentlich weiter drehen wuerde. Eine Erkenntnis aus ueber 10 Jahren datalove/ulmAPI und dem sich daraus entwickelten Verschwoerhaus war, dass es nicht reicht, nur in die Verwaltung wirken zu wollen, um sie zappelnd und schreiend ins 21. Jahrhundert zu bringen. Mindestens so wichtig ist es, in die allgemeine Oeffentlichkeit und die Politik zu wirken. Damit die auch die richtigen Fragen stellen kann. Zum Beispiel, warum denn keine Exit-Interviews gemacht werden. Oder welche Konsequenzen aus Erkenntnissen gezogen wurden. Oder warum Entscheidungen fachlich nicht begruendbar sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.