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Civic Tech: Of the people, by the people, for the people

Julia Kloiber from the Open Knowledge Foundation invited me to join her talk for this year’s re:publica on Civic Tech — i.e., how civic volunteers can help shape the way local governments improve on their E-Government, Open Data and E-Participation projects. I might look like I was grumpy in the video – in fact, I am very glad about having been offered this opportunity to outline a few of the good practises we found out to work in Ulm — Thanks again, Julia 🙂

The talk is already online, and I took the liberty to create a link list to the sites and projects we mentioned:

Link list:

Is there something missing? Anything to expand upon? You disagree with anything? Please, do comment! 🙂

rp13: Breit, aber ohne Tiefe?

Irgendwann, ich glaube es war am zweiten Tag der re:publica, fiel mir auf, dass ich grantig war. Unzufrieden. Und als irgendwann danach der Beitrag von Till Westermayer durch meine Timeline kam, wurde mir auch ziemlich schnell bewusst, warum das so war: Die re:publica ist fuer mich irgendwie ausgelutscht.

 

Das klingt jetzt vermutlich viel haerter, als es eigentlich gemeint ist. Die re:publica ist und bleibt die Internetzkonferenz, zu der sich jaehrlich beinahe alle treffen und man demnach auch beinahe alle treffen kann; sie erreicht ein vermutlich beispiellos breit aufgestelltes Publikum (cave: vorwiegend weisser, sich den Besuch leisten koennender Menschen) und duerfte damit die Ergaenzung zum Congress sein, nicht nur die Nerds zu erreichen, um solche Dinge wie Netzpolitik in die Gesellschaft hinauszutragen.

Insofern ein riesiger Dank an Andreas, Johnny, Markus und Tanja, dass sie sich das zum mittlerweile siebten Mal antaten – auch da bin ich ganz bei Till.

Aber.

Der Fluch der re:publica ist ihr Programm, das angesichts seiner wirklich erstaunenswerten Breite kaum Platz fuer wirkliche Tiefe laesst. Wer in diese Welt hineinschnuppern moechte, einmal etwas von allem mitnehmen, ist da sicher richtig – wer zum wiederholten Mal dort ist (oder die einschlaegigen Blogs und Debatten liest, oder einfach keine Lust mehr auf die Diskussion Print-vs-Onlinejournalismus hat), muss beinahe schon aktiv suchen, um Neues zu finden. Selbstverstaendlich endet der Wissensaustausch nicht mit dem Sessionende, und dass man ja sowieso hauptsaechlich der Gespraeche und des Austauschs zwischen den Sessions wegen in die Station kommt, ist ja kein Geheimnis. Ich habe viele Impulse zu OpenData und OpenGovernment mitgenommen, mich noch stundenlang mit einigen der auf dem Feld Aktiven unterhalten und hatte insgesamt den Eindruck, dass diese ganz spezielle Subgruppe der Netzgemeinde fuer sich genommen etwas von diesem „Klassentreffen“ hatte – und ich gehe davon aus, dass es noch hunderte andere Subgruppen gab, die jeweils fuer sich zufrieden nach Hause gehen konnten.

Oberhalb dieser Grueppchen, in der Gesamtheit der sogenannten Netzgemeinde, scheint sich derweil so recht nichts zu tun. Letztes Jahr forderte Sascha Lobo, man moege mehr bloggen – gemerkt habe ich davon nichts. Gerade wurde die Netzgemeinde mit dem durchgeboxten Leistungsschutzrecht abgewatscht, nun kommt die „Drosselkom“ – und was passiert? So gut wie nichts. Lobo stellte in diesem Jahr reclaim.fm als meines Erachtens wirklich spannenden Versuch vor, sich mit einem WordPress-Plugin wieder ein wenig Publikationsherrschaft zurueckzuerobern, und das ist auch gut so – es scheint naemlich so, als wuerden seine Appelle, etwas zu tun, mittlerweile eben nur noch als ritualisierte Show verstanden, die man der Unterhaltung (und Publikumsbeschimpfung) wegen ansieht. Und dann eben doch nichts tut.

Ich mag mich nicht so recht der Praemisse anschliessen, die tante an den Beginn seiner lesenswerten Kritik stellt, naemlich dass „die Netzgemeinde“ unter den Machtlosigkeitswatschen nach LSR, Bestandsdatenauskunft und Co leidet – dazu unterstelle ich einem grossen Teil der rp13-Gaeste schlichtweg mangelndes Interesse am Thema. Vielmehr sehe ich genau dasselbe Problem, das er in der Anbetung Fixierung der Szene auf einige, wenige Gestalten sieht, die’s richten sollen:

Die Szene hatte schon immer das Problem sich zu sehr auf Autoritäten und Lichtgestalten zu verlassen, der Preis, den sie dafür zahlt, wurde dieses Jahr nur zu deutlich: Wenn die Leitfiguren eben nicht mehr alle anderen auf ihren Schultern tragen können, ist die Luft raus. (Wie unfair es ist, die Verantwortung für so tiefgreifende gesellschaftliche Änderungsprozesse wie die aktuell laufenden bei 3 oder 4 Einzelpersonen und 3 oder 4 Organisationen abzukippen, brauche ich hier hoffentlich niemandem zu erklären.)

Ich fuer meinen Teil frage mich, wie das weitergehen soll.

rp13-Nachschau: Open Data und Open Government

…und hier die Videoliste rund um OpenData von der rp13. Kein Anspruch auf Vollstaendigkeit, im Gegenteil, da fehlen noch Dinge.

Mathias Schindler: Der Urheberrechts-Yeti (namentlich §5 UrhG, der amtliche Werke gemeinfrei machen sollte)

johl, michaelkreil, yetzt: Datenbefreiung selbst gemacht

Marco Maas: LobbyPlag

Opening Public Transport in Berlin

Julia Kloiber, Stefan Wehrmeyer: Open Data – und was hat das mit mir zu tun?

Michael Kreil: OpenPlanB – Stufe 2

rp13-Nachschau: Was sonst noch so war

Ein unkommentierter Rundumschlag meiner persoenlichen Auswahl bislang veroeffentlichter rp13-Videos:

Matthias (moeffju) Bauer: Richtig essen, richtig schlafen, und lasst die Mate weg

plomlompom und snibeti snab erlehmann: Internet-Meme; Geschichte, Forschungsstand, Kontroversen

Anne Wizorek: Ihr wollt also wissen, was #aufschrei gebracht hat?

Cory Doctorow: It’s not a fax machine connected to a waffle iron

Johannes Kleske: Das Ende der Arbeit

Stimmt das? Check mit dem ZDF die Fakten im Wahlkampf

Laurie Penny: Cybersexism

In der Tretmuehle

Wenn ich hier nachlese, was die letzten Wochen und Monate an Postings kam, koennte man meinen, es passiere so rein gar nichts.

Derweil bin ich Ende April zum ersten Mal nach Berlin getrampt, was einfacher war, als vorher gedacht: Nachmittags um drei mit dem Bus nach Boefingen, von dort mit einem Schild „HDH“ auf die Raststaette Lonetal, und nach vier Autos einen Handwerker gefunden, der mich beinahe bis vor die Haustuere von Gastgeber @_HeBu fuhr. Dann den OpenGLAM-Workshop in der Staatsbibliothek Berlin besucht, bei der Einweihung der Wikimedia-Stockwerksetage Freibier geschnorrt, tags darauf mit den wunderbaren @waxmuth und @presseschauer wunderbaren Kaffee getrunken und abends die Suit-Up-Party im Fotostudio von Anya alias Mina Gerngross im Suit besucht. Und im Flight Suit.

Eine Woche spaeter tat mir Juliane das mit der Berlin-tramperei gleich, waehrend Undine und ich schon mal mit dem Zug vorausgefahren waren und Maria irgendwann nachkam — damit wir alle das myfest in Kreuzberg besuchen, Helfer bei der re:publica sein, diesmal zu dritt in der Undinschen Luxushuette (siehe) crashen, uns verlaufen, und durch tiefgruendige Gespraeche zwischen Maria und plomlompom sowie Trollereien zwischen Undine und erlehmann zu geduldeten Besuchern in #nodrama.de werden konnten. Bild relatiert.

Irgendwo kamen dann noch Besprechungen mit Nahverkehrsbund und Stadtwerken zum Ausbau des Fahrtenangebots zur Universitaet, das OpenCityCamp, die kif 40.0, der Erwerb einer Zuckerwattemaschine (die nun nach vier Wochen kaputt ist), eine unerwartete Einladung zu einem Innovationsworkshop bei Daimler, das SoNaFe an der Uni und zig Kleinigkeiten, Projekte und immer noch offene Arbeiten.

Fragt sich, warum ich nicht mehr darueber schreibe. Und die Befuerchtung ist, in der Tretmuehle gelandet zu sein.

Wie damals™, als ich unglaublich viel Wissen aus dem USENET bekam, aber eben auch unglaublich viel Zeit in das Lesen und Mitdiskutieren steckte. (Ja, die meisten Posts findet man noch. Seid milde. Ich war 13 oder so.) Aehnlich geht es mir gerade mit Twitter: Ich habe regelmaessig 15 Tabs offen, die ich eigentlich auch gerne hier wieder teilen wuerde — nach fuenf Tagen, in denen ich nichts damit anstellte, schliesse ich sie wieder, und gut ist. Seit einigen Wochen komme ich erstmals nicht mehr meiner Timeline hinterher und ueberspringe teilweise ganze Tage — und die gehoerten bisweilen zu den entspanntesten, weil ich einfach nur schoen viel koerperlich arbeiten, Dinge umhertragen, mich im Freien bewegen und mit alten Schleppern herumfahren „durfte“.

Einige Mailinglisten, auf denen ich seit Jahren subskribiert bin, oeden mich derweil tierisch an. Gefuehlt kommt jede Woche eine Diskussion auf, die schon gefuehlt hundert Mal durch ist. Am wenigsten Lust habe ich aktuell auf diverse Piratenlisten. Generell: Die Piraten oeden mich an. Nach den ueber drei Jahren, in denen ich sie beobachte, sind viele immer noch nicht ueber die „aber wir sind fuer Buergerrechte!“-Rhetorik hinausgewachsen. Wahlweise ist die Partei vollkommen reflexionsfrei die einzige freiheitliche, buergerInnennahe, demokratische Partei (und alles andere immer schlecht), oder man solle doch gefaelligst mit- und alles besser machen.

Derweil kann man sich bei den Piraten weiterhin richtig einfach Freunde machen, wenn man irgendwas mit „Femi…“ am Anfang sagt. Die Analyse von Macht- und Herrschaftsstrukturen hoert da auf, wo die eigene Wohnung unueberwacht, die Internetleitung frei und „alles transparent“ ist. Oder so aehnlich. Kackscheisser kommen auf Listenplaetze fuer die Wahl, Leute in Amt und Funktion duerfen froehlich lustige Meinungen zum Nahen Osten, und in diversen Arbeitsgruppen geben sich „Waffenrechtler“ und Geldumordner ein Stelldichein. Mit der Einfuehrung von Bezirks- und Kreisverbaenden werden die Strukturen zudem immer rigider und aus dem sympathischen Chaoshaufen von vor ein paar Jahren zunehmend: Einfach nur eine weitere Partei.

(Mit einigen coolen und wirklich wichtigen Werkzeugen. Zugegeben. Aber einem Facepalmpotenzial, das mich oft nur noch abwinken laesst.)

Was bleibt?

Der Wunsch nach ein wenig Abstand von den meisten Twitter-, Mail und Facebookdebatten der letzten Monate. Um die schoenen Erlebnisse die es gab und hoffentlich weiter geben wird, auch mal richtig ver- und aufarbeiten koennen. Raus aus der Tretmuehle.

Und mehr Cowbell.

Fazit aus Berlin — #rp11

Impressionen auf der re:publica 2011

((cc) Anja Pietsch/re:publica)

Allgemein

Keine Rants, die gibts anderswo genuegend. Generell: Die re:publica kam mir dieses Jahr deutlich heterogener vor als die vergangenen Jahre, und das Experiment, eine Konferenz fuer die ganze Republik machen zu wollen, strapazierte offenbar einige Nerven. Die Vortraege im Friedrichstadtpalast konnten die Ueberfuellung der Workshops in der Kalkscheune nicht mildern, und so kam man nur durch Zufallsprinzip dort hinein, wo man eigentlich hin wollte.

Digitale Gesellschaft

Hat mir bislang nix getan, auch wenn ich Kritik und Gegenkritik interessiert beobachte. Schauen wir mal, was rauskommt, und wenn sie mir irgendwann mal auf die Fuesse treten sollten, muss ich halt ueberlegen, was ich mache. Konstruktivismus regelt, das kann man mal so mitnehmen — die Energie, die manche darauf aufwenden, das von vorneherein herunterzuputzen, ist mir schlicht zu schade. Schoen beschreiben das Christopher Lauer und Rene Meissner.

Gesehen und gut gewesen

Quo Vadis, Web?

(cc) Jonas Fischer/re:publica

Quo vadis, web? u.a. von Nils Dagson Moskopp, der meinetwegen um sein „gutes“ Gratisessen geprellt wurde und „nur“ das aus der Helferverpflegung bekam. Sehr sehr hybsche Folien (mit Inkscape Slides gemacht), die eigentlich mal eben ein bis zwei der WebEng-Einfuehrungsvorlesungen ersetzen koennten (als ob.) Thematisch insgesamt leider ein viel zu grosses Fass, um das in einer Stunde abarbeiten zu koennen, und erlehmanns Tendenz, thematisch wild zu maeandern, tat das Seine

Machines talking to themselves von Martin Spindler — auch hier wieder eine wunderbare Inspiration fuer „echte“ Motivationsfolien in der UbiComp-Vorlesung.

Of course: we’ve built out the nervous system (the Internet) & now we’re turning it on (sensors). Next we’ll build muscles & activate those.

(https://twitter.com/#!/bopuc/status/42849706392551424)

Erinnernswerte Beispiele: Die „GlowCap“, die mittels GSM-Modul an die Medikamenteneinnahme erinnert und im Zweifelsfall per Telefon die Angehoerigen alarmiert, falls sich nichts ruehrt. Ausserdem: „The Street as platform“ fuer eine Vision ubiquitaerer Systeme.

Die Illusion vom oeffentlichen Raum war eine froehliche Rant- und Bash-Runde, die hauptsaechlich Spass machte. Ich bin gespannt auf die Videoaufzeichnung.

Ebenso von Dezentrales Clustern, gehalten von Stephan Urbach. Sehr inspirierend, mit schoenen Aussagen: AKs sind in der Regel moerderisch schwerfaellig, starr und exklusiv — dezentrale Cluster brauchen einfach nur ein Mission Statement, einen coolen Namen und vor allem Spass fuer alle Beteiligten. Bei Aussagen wie „ich muss nicht immer alles mit allen besprechen“ musste ich irgendwie an gewisse Studierendenvertretungen denken, und wie man so etwas dort einfuehren koennte.

In loser Reihenfolge ausserdem: „Aktivismus im oeffentlichen Raum“ als kurzweiliges Wohnzimmerpanel mit viel Unterhaltung. mixd.tv ist mittlerweile etwas ganz anderes als letztes Jahr und wohl auch weniger auf Konfrontation aus. Und der Stuxnet-Vortrag war trotz fefes Kritik am Referenten nett.

Highlights

"Beyond Medienkompetenz" auf der re:publica 2011

(cc) Anja Pietsch/re:publica

Der Dueck. Klar. Seinen vielverlinkten Auftritt muss man wohl auch hier verlinken, auch wenn ich selbst gar nicht dabei war — dafuer habe ich ihn direkt danach beim Panel mit Joeran erlebt und war recht angetan von der Runde. So haette ich mir die Schule gewuenscht — und auch hier bin ich auf das Video aus dem grossen Saal gespannt. Nicht zuletzt, um es vielleicht einmal ein paar Lehrern vorzuspielen…

Und die Leute?

Ja, deswegen faehrt man ja auf so eine Veranstaltung, wenn man von vorneherein weiss, dass man zwei Drittel der gewuenschten Vortraege nicht sehen koennen wird. Man war in Gespraechen auf dem Hof recht angetan von der Offenheit Ulms in Sachen Open Data, und ich habe jetzt einige Kontakte, mit denen das hoffentlich nun in die Gaenge zu bringen ist. Mehr dazu… morge^w demnaechst.

Abwesenheitsnotiz

Hallo Internet.

Ich bin gerade auf der re:publica. Hier ist es schoen. Es gibt zwar kein Internet, und in ganz Berlin geht mittlerweile kein O2-Mobilinternet mehr, dafuer kann man alte Bekannte wieder treffen, wenn man vor den Workshops steht, die total ueberfuellt sind und sowas. Oder Leute endlich mal live treffen. Oder neue Kontakte knuepfen. Open Data und so. Toll ist das.

Nur Steve Jobs hab ich noch nicht gesehen. Aber das wird schon noch.

Zeit fuer die Unabhaengigkeitserklaerung

Ich bin nun endlich dazu gekommen, Jeff Jarvis‘ Vortrag ueber das deutsche Privatsphaeren-Paradoxon anzuhoeren, und es lag sicher nicht am parallel konsumierten Bier (plus Farbausduenstungen), dass er mir gefallen hat.

Mehrere Stellen haben es mir angetan. Ich gebe Jarvis voll und ganz Recht, was unsere aktuelle Auffassung des Internets als „Stream“ angeht, und besonders die Erwaehnung des auch im Jahr 11 seines Bestehens vollkommen zu Unrecht immer noch viel zu wenig beachteten Cluetrain Manifesto tat gut. Ganz besonders hat mich aber die Stelle zum Nachdenken gebracht, an der Jarvis in Anlehnung an die Unabhaengigkeitserklaerung des Cyberspace von Barlow die Regierungen anspricht, die niemand eingeladen hat, und die dennoch (schaedlichen) Einfluss ausueben wollen.

Ich musste sofort an einen Artikel von mspr0 denken, den ich gut fand, und den ich trotz seiner Qualitaet zu meinem Erschrecken offenbar noch gar nicht mit euch geteilt hatte. Vielleicht hat er sich von diesem Zitat inspirieren lassen, jedenfalls vergleicht er — in Replik auf Tauss‘ Indianeranalogie — die Regierungen der Welt mit der britischen Krone in Bezug auf die amerikanischen Kolonien.

Der Vergleich passt unheimlich gut. Und wann kommt endlich die Revolution? 😉

Weitere Highlights der rp10

Ich fang mal so an: Dass ich erst heute dazu komme, die restlichen Ereignisse der re:publica 2010 aufzuschreiben, spricht mit dafuer, wie genial ich es dieses Jahr fand. Insgesamt gab es deutlich kontroversere Diskussionen, in denen sich teilweise richtig gefetzt wurde, und das kollektive Selbstlob, das ich letztes Jahr erfahren hatte, blieb dieses Jahr groesstenteils aus. Dafuer habe ich durch mehrere Zufaelle eine ganze Menge netter Leute kennen gelernt, die aufzuzaehlen ich am besten gar nicht versuche, weil ich ohnehin irgendjemanden vergessen wuerde.

Hier also unsortiert einige Sachen, die mir besonders gefallen oder mich besonders genervt haben:

Social Media Working for Journalism

Gesetzlicher Auftrag der Deutschen Welle ist unter anderem auch die Vermittlung deutscher Sprache und Kultur fuer Auslaender, und hierfuer werden mittlerweile auch soziale Netzwerke wie Facebook genutzt. Die DW nutzt Facebook in allen drei der klassischen Rollen sozialer Netzwerke: Als Rueckkanal, zur Vermittlung weitergehener Informationen bzw als Diskussionskanal, und ganz einfach als weiterer Distributionsweg fuer bestehende Inhalte.

Besonders die DW-Deutschkurse werden auf Facebook stark genutzt und kommentiert, wobei ich glaube, dass das eben hauptsaechlich am gemeinsamen Ziel „Spracherwerb“ der Nutzer liegt — und daran, dass zumindest die meisten Leute nicht wegen falscher Genitiv-Verwendung herumzutrollen anfangen. Die DW-Leute raeumten auch ein, dass „Smalltalk“-Themen wie die Interaktion mit der von ihnen erfundene Kunstfigut Harry Walkott deutlich mehr Kommentare anziehen als aufwaendig vorbereitete Features, und bei den Nachrichtenredaktionen insgesamt deutlich weniger kommentiert werde.

Generell sei auf Facebook wenig Moderation noetig gewesen — es mag am personalisierten Netzwerk liegen, man weiss es aber nicht so genau.

Wissensmanagement Studierender

Nicht das, was ich erwartet hatte, aber einige schoene Einsichten:

  • Fuer Liveevaluationen benoetigt man kein sauteures TED-System, sondern kann beispielsweise Hotseat (Uni Purdue) verwenden — Feedback via Twitter, Facebook, Browser oder Mobiltelefon. Muss ich mir nochmal genauer ansehen.
  • In Stanford war offenbar kein Geld fuer die flaechendeckende Aufzeichnung aller Vorlesungen vorhanden, also haben die Studierenden selber die Vorlesungen aufgezeichnet. Interessantes Konzept, wenngleich ich keine Quellen hierfuer gefunden habe.

Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit

Der Vortrag des „Schockwellenreiters“ Joerg Kantel zog mit die hitzigste Diskussion mit sich, die ich auf der rp10 miterlebte. Zum Einstieg bezeichnete Kantel das Urheberrecht als ein Phaenomen der buergerlichen Gesellschaft, das mit ihr auch wieder verschwinden werde, und etwa ab dem Zeitpunkt folgten auf Zwischenfragen immer wieder Diskussionen, die von anderen Zuhoerern ausgebremst werden mussten, damit der Vortrag weiter gehen konnte.

Digitale Ware erfahre durch moeglichst grosse Verbreitung einen steigenden Nutzen (also Gebrauchswert) bei gleichzeitig abnehmenden Kosten (Tauschwert). Als steile Folgerung gelte also:

Gebrauchswert(n) → 0 (n→∞),
Tauschwert(n) → 0 (n→∞),
Gebrauchswert(n) ≥ Tauschwert(n)

Demnach sei geistiges Eigentum kein schuetzenswertes Gut, da ueberhaupt kein Tauschwert vorhanden sei und es sich deshalb gar nicht erst um ein „Gut“ handle. Zusammen mit seiner Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen als Naehrboden fuer eine solche Kultur sorgte der Umstand, dass Kantel seinen Lebensunterhalt neben seiner Anstellung am MPI vor allem aus der Vermarktung seines „geistigen Eigentums“ als Buchautor bestreitet, fuer hitzige Diskussionen mit einigen Zuhoerern, die tags zuvor schon beim mixd-Vortrag geschimpft hatten.

Kantel stand letztendlich ein Zuhoerer mit schweizer Dialekt bei, der geistiges Eigentum als kollektiven Prozess hervorhab, fuer das ueberhaupt kein UrhG gelten duerfe — auch die Creative Commons seien nur ein Zwischenschritt. Und den Einwuerfen der Verwerter, wie denn der schwer arbeitende Musiker Geld verdienen solle, setzte er einen charmanten Schlusssatz entgegen: Wert entsteht nicht durch Leistung, sondern durch Nutzen fuer andere.

Bernd liefert

Ja :3

Schoenster Satz: Pr0n steht unter „Creative Cum-Ons“.

Ansonsten

Unibrennt und Entschwoerungstheorien kann ich irgendwie nicht zusammenfassen. Der Vortrag zu Swift River war vollkommen fuer die Katze, da der Referent „ein sehr entspanntes Verhaeltnis zu seiner Rolle“ hatte, wie ein anderer Zuhoerer leider sehr treffend bemerkte. Der Wilde-Trolle-Vortrag des Heise-Forenmoderators war im Wesentlichen eine Rekapitulation dessen, was Vetter tags zuvor schon gesagt hatte, und mit Coding for Data Journalism und Datenjournalismus habe ich ganz zum Schluss noch ein paar Anfangspunkte fuer Data Scraping zur Datenvisualisierung mitgenommen — siehe auch scraperwiki.com

Menschlich

Tolles Sozialisieren ist toll. Im Ernst: Die Leute und die Unterhaltungen mit ihnen haben ganz entschieden die rp10 zu dem gemacht, was sie fuer mich war: Gigantisch. Angefangen mit ganz zufaelligen Begegnungen auf dem Gang, in den Panels und im Hof ueber den Abend in der Muschi Obermaier bis hin zur Abschlussveranstaltung in der Kalkscheune — wenn ihr euch hier angesprochen fuehlt, seid ihr es auch: Riesiges Danke ♥

re:publica — Erstes Zwischenfazit

So, nun einmal chronologisch.

Anfang

Wieder mal die zur Gewohnheit gewordenen Endlosschlangen vor der Registrierung, da trotz zweier Barcodes auf den Tickets immer noch nicht maschinenunterstuetzt abgefertigt werden kann und auch die Schlangen nicht mit Gurt-Bandsystemen oder aehnlichem in geordnete Bahnen gelenkt werden koennen.

Die Keynote von Peter Glaser hat mich gespalten hinterlassen. Der Text war zweifelsfrei gut, den Vortragstil aber beschreibt @lachgas treffend:

Waere ein schoener Blogtext gewesen. Als Vortrag aber? Schade.

Revolution without Revolutionaries

Die eigentlich gar nicht existenten Twitter Revolutionaries: Gleichermassen nett wie treffend. Der Ausdruck sei vollkommen overrated, saemtliche Medien stuerzten sich auch in den unpassendsten Situationen auf Twitterer, um sie nun zu grossen Helden der Revolution hochzustilisieren. Diese erwartungsvolle Haltung locke nun auch Investoren und Finanziers fuer thematisch verwandte Projekte, was zu Dilemmata fuehre: Erstens fliesse nun zwar Geld, aber nicht zwangslaeufig in die richtige Richtung. Zweitens stuenden auch die digitalen Aktivisten vor der schwierigen Frage, ob sie lieber finanziell schlecht ausgestattet, dafuer aber definitiv unabhaengig, oder gut finanziert aber potenziell in ihrer Neutralitaet gefaehrdet sein wollen. Schoenes Zitat: „Give the[ activists] cheap tools to document government brutality“. Diretto? 😉

Praktische Antizensur (scusiblog)

War fuer 1215 angekuendigt, fing dann aber erst um 1230 an, weil Alvar und Florian erst noch den WRT mit aktiver DNS-„Sperre“ nach daenischem Provider-Original-Config-File einrichten mussten. Was dann eh fuer die Katz war, da wir nur zu sechst oder so da sassen und nur einer sein Netbook offen hatte, um festzustellen, dass das „censored.net“ gar nicht gefunden werden konnte. Trotz der darauf folgenden Wechslerei zwischen Impress, Shell und Browser war’s ein netter Rundgang durch die verschiedenen Sperrmechanismen vom geaenderten DNS-Eintrag ueber IP-Sperren bis hin zu den hochgepriesenen Hybridsperren und ihren Umgehungsmassnahmen. Was dann mit alternativen DNS-Servern, VPNs und HTTPS-Proxies in der Regel wenig spektakulaer war.

Aufgefallen: Viele „Geht ja gar nicht“-Argumente stimmen bei genauerer Betrachtung nicht. Natuerlich kann ein repressives Regime HTTPS unterbinden, um den Leuten anonyme Proxies zu verwehren. Die dann ausfallenden Banking- oder Firmenwebsites muessen dann eben auf eine Whitelist, und schon beschwert sich kaum einer mehr. Genauso auch das Argument, die Sperrhardware fuer Deep-Packet-Inspection muesste jedes Jahr verdoppelt werden, da der Traffic exponentiell ansteige — Moores Law gilt natuerlich auch fuer die Hardware, auf der Sperren laufen. Diese Punkte der Debatte scheinen fuer mich etwas stark vereinfacht, was irgendwann einmal zu Erklaerungsnoeten fuehren koennte.

Insgesamt aber eine nette Session in angenehmer Atmosphaere mit unerwarteten Einsichten — dass z.B. doch jeder einen Proxy anbieten koenne oder sogar solle, dass Alvars Insert Coin damals massiv von Surfern aus dem arabischen Raum auf der Suche nach Pornographie genutzt wurde, und dass Google Translate eigentlich auch ein feiner Proxy ist, wenn man z.B. deutsche Seiten von daenisch nach Englisch uebersetzt (probiert’s mal aus.)

Street Photography bzw. Udo Vetter

Wollte ich mir eigentlich ansehen, weil Wlada das bei byt macht und ich die Idee interessant fand. Vorab hatte ich extra nochmal per Mail angefragt, wie das denn ablaufen wuerde, ob ich meine Kamera braeuchte (hatte ich zuhause gelassen), etc. — ausgehend von der Antwort war ich davon ausgegangen, dass ich zumindest am Mittwoch zuhoeren koennen wuerde, wenn auch nicht aktiv am Workshop teilnehmen. War aber nicht so — die Teilnehmerzahl war auf 15 beschraenkt, und wer keine Kamera dabei hatte, wurde hinauskomplimentiert. Alternativ also ein wenig bei Udo Vetter zugesehen und erschreckt festgestellt, dass gefuehlte relativ grosse Teile des Publikums die banalsten Copyrightfragen offenbar als grosse Neuigkeiten auffassten. Jedenfalls, wenn man Twitter glauben darf.

mixd.tv statt Kathrin Passig

Eigentlich wollte ich nun „Wie man Leuten nichts beibringt“ ansehen, der Workshop 2 war aber schon 10 Minuten vorher hoffnungslos ueberfuellt. Wie sich hinterher rausstellte, war das ganz gut, denn erstens war der Vortrag wohl doch nicht so der Brueller, zum anderen habe ich so mixd.tv gesehen, und das ist nun schon nett gewesen.

Das Ganze ist sowas wie ein Desktop-Client, mit dessen Hilfe man Favoritenlisten von Youtube-, vimeo- und sonstigen Videos erstellen kann, die man dann auch mit anderen teilen und abonnieren kann. Die Videos werden dann automatisch „auf der Festplatte gecacht“, wie das schoen umschrieben wurde, und stehen auch offline zur Verfuegung. Ueber verschiedene Plugins (genannt „Magnets“) koennte man dann beispielsweise als Uni eigene Kanaele bereitstellen, oder aber auch die Videos der Mediatheken oeffentlich-rechtlicher Rundfunksender verwenden — und sie so ueber die Sieben-Tage-Grenze hinweg digital aufzubewahren.

Da ein arte-Mitarbeiter und offenbar auch noch diverse andere Leute aus der Verwerterecke zugegen waren, gab es hier mehrmals hitzige Diskussionen ueber Urheberrecht und juristische Probleme, was durch die (sicher unabsichtlich) etwas herablassend wirkende Moderation des Referenten noch gesteigert wurde, der Rechtsbruch im Namen der Innovation konsequent rechtfertigte und immer wieder den Vergleich mit dem Videorecorder oder VDR anstrengte. Nettes Zitat: „Wahrscheinlich war es juristisch hoechst unzulaessig, dass der Kolumbus damals so weit nach Westen gefahren ist.“ Naja.

Ich fand das irgendwann etwas akademisch: Solange arte z.B. seine Inhalte zum Streaming bereithaelt, wird auch irgendjemand die Moeglichkeit haben, ein mixd-Plugin zu schreiben, das eben diese Streams abgreift und auf der Festplatte speichert. Das mag unzulaessig sein, aber wenn der Markt das verlangt, wird es das wohl auch geben. Und dass arte sich furchtbar bemuehen musste, ein Lizenzmodell fuer ein Streamingangebot auf einem streamingfaehigen Fernseher juristisch zu rechtfertigen, ist fuer mich in erster Linie ein Argument dafuer, dass das Lizenzmodell am Arsch ist.

Nicht zuletzt: Wenn ich irgendwo bei den Oeffentlich-Rechtlichen was zu sagen haette, wuerde ich mixd kaufen. Weil genau so ein Tool fuer mich auch endlich den Mehrwert bieten wuerde, fuer den ich freimuetig, ohne Reue und ohne zu zoegern Rundfunkgebuehren bezahlen wuerde — im Gegensatz zum momentanen Unverstaendnis, warum ein Telefon gebuehrenpflichtig sein soll.

35mm-Videographie

Der Vortrag im Stil wieder wie im letzten Jahr. Also immer wieder herumschalten zwischen Slides, VLC und (sporadisch funktionierendem) Internet. Dafuer interessante Diskussionen, ob „schoene Bilder“ nun auch einen guten Nachrichtenbeitrag implizieren, wie sich unsere Sehgewohnheiten durch Youtube und HDTV veraendert haben, und ob die Demokratisierung der HD-Videoproduktionsmittel durch erschwingliche HD-videotauglichen Fotokameras ueberhaupt auch die Demokratisierung des Web-Videos mit sich bringe (Fazit: Weiss man nicht.)

Definitiv blieb bei mir aber wieder der Eindruck haengen, dass es „beim deutschen Webvideo“ mittlerweile nicht mehr nur hauptsaechlich an der technischen Qualitaet mangelt, sondern in erster Linie (und teilweise furchtbar schmerzlich) an gutem Storytelling. Und nachdem ich mich schon freuen durfte, dass es ein Vidcamp in Muenchen geben wird, wuerde ich mich auch ueber eine thematische Aufbereitung dort freuen.

Ansonsten hier mal wieder neue Leute getroffen, denen ich gleich followen musste. Der drei-Kameras-simultan-Aufbau da oben gehoert @icedsoul, und ich habe vollkommen uebersehen, dass Beetlebum im Publikum sass!!!1eins

Auf der Überholspur zum Stoppschild

Linguistische Aufbereitung der Internet-Metaphern durch MaHa, gewohnt unterhaltsam. Interessant die Frage, wie man als „Internet-Community“ selber entsprechend konnotierte Metaphern fuer ungewuenschte Dinge entwickeln und lancieren kann (analog zum „Nacktscanner“). Und abschliessend der Aufruf aus dem Publikum, man moege doch nicht alle Verwerter als „contentmafia“ in einen Topf stecken.

Abendprogramm

Lobo: Ging so.  Twitterlesung: War letztes Jahr besser, bis auf die englischen Tweets von Jeff Jarvis.