Wir OpenCityCampen mal.

Im Sueden dauert ja alles ein wenig laenger, was das Netz angeht — moechte man meinen. Alles findet nur in Berlin statt — moechte man meinen. Dieses Wochenende haben wir einmal beschlossen, einfach mal dagegenzuhalten. Und das im beschaulichen Ulm. Sportlich, aber es scheint aufzugehen ;)

Zugegeben, die Runde war ueberschaubar. Und eigentlich mit weniger TeilnehmerInnen, als ich mir erhofft und erwuenscht hatte, was nicht zuletzt wegen der wirklich grandiosen Fruehstuecks- und Mittagsbuffets (Danke an die MFG und die Stadt fuer das Sponsoring!) und des spontan parallel gebackenen Apple Crumble schade war. Impulse gab es jedoch nicht zu knapp.

Erst einmal kam jedoch der Treppenwitz jeder Netzveranstaltung: Das WLAN ging nicht. Nach Telefoniererei mit dem kiz-Helpdesk stellte sich das als Copy&Paste-Problem heraus und es gab kurzerhand einen neuen Gastzugang. Danke an die uulm, bei der sowas auch wochenends funktioniert ;)

Ich bin nach dem ersten Tag auch ganz gluecklich ueber die Sessions. Meine persoenlich groesste Befuerchtung (noch vor der Teilnehmerzahl) als Barcamp-erst-Mitveranstalter war, dass am Ende nur langweilige Sessions auf dem Plan stehen wuerden. Dem war nicht so, und Barcamp-typisch ergaben sich auch abends noch viele Randdiskussionen.

T-City Friedrichshafen

Vorher kamen jedoch die eigentlichen Sessions, die von Einfuehrungen in Linked Open Data ueber das Apps4De-Gewinnerprojekt LISA, Praxisbeispielen aus Friedrichshafen, Verkehrsumfragen und freie Funknetze bis zum Austausch ueber den OpenData-Portal-Prototypen des Landes und Anwendungen im OPNV reichten. Alle Sessions mit mehr oder weniger vollstaendigen Mitschrieben finden sich in unserem EduPad (aktuell noch mit Zertifikatswarnung, sorry hierfuer)

Offene Türen

Creative Commons

Präsentationspause

Eines kann man auch nicht ohne Stolz sagen: Ulm und die Region sind am Ball. Genauer gesagt sind wir in der etwas absurden Situation, jeder Menge Offenheit und Bereitschaft zu Datenoeffnung zu begegnen, aber gar nicht genuegend EntwicklerInnen und AnwenderInnen zu haben, um auch praktisch aus allen Quellen machen zu koennen. Nicht zuletzt deswegen wollten wir hier auch die Keimzelle zu etwas weiterem Wachstum der datalove-Arbeitsgruppe (oder Daten-EinzelkaempferInnen) saeen.

Apple Crumble

Abendausklang

Und wie immer ist ein Barcamp erst endgueltig vorbei, wenn keineR mehr Lust hat, noch dazubleiben. Momentan ist kurz nach 2300 Uhr, und hier sitzen nach dem Sofa-Abendausklang bei Apple Crumble immer noch Leute vor ihren Laptops und hacken Dinge.

Das Camp endet, wenn keiner mehr Lust hat

An offenen Daten der Region koennen wir derweil momentan nicht allzuviel machen: Wenn schon das WLAN funktioniert, muss natuerlich tatsaechlich das OpenData-Portal des Landes ausfallen — in dem auch die Haushaltsdaten liegen, die ich gerne weiter aufbereitet haette. Mal sehen, ob wir die bis morgen irgendwie aufgetrieben bekommen.

Wer Lust hat, morgen noch dabeizusein: Einfach vorbeikommen; Fruehstueck ist ab 0900 Uhr in O28/H21, Sessionplanung ab 1000 Uhr ebenda.

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Wie man Kinder zu Rassisten erzieht

Man koennte ja meinen, eine „farbenblinde“ Erziehung, in der Unterschiede zwischen Hautfarben keine Rolle spielen, ja gar kein Thema sind, sei perfekt, um vorurteilsfreie Menschen zu erziehen.

Denkste.

Zitat:

Step One: Don’t talk about race. Don’t point out skin color. Be “color blind.”

Step Two: Actually, that’s it. There is no Step Two.

Congratulations! Your children are well on their way to believing that <insert your ethnicity here> is better than everybody else.

Voller Artikel in Wired — nebenbei lesenswert auch „Deconstructing Pointy-Eared White Supremacists“ ueber die Rolle der allzu weissen, allzu edlen Elfen (nicht nur) bei Tolkien. (letzteres via erlehmann)

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Opas Krieg

Der Großvater sagt: »Goebbels hatte ja einen Klumpfuß und hinkte. Und da haben wir immer gesagt: Lügen haben kurze Beine.« Der Enkel liest die Briefe der Großeltern. 1943, Wollt ihr den totalen Krieg? »Ich bin auch so froh und glücklich über die Reaktion, die diese Rede bei Dir hatte«, schreibt die Großmutter. »Genau wie Du, Lieber, habe ich gefühlt, dass diese große Rede [...] für unser Schicksal von weittragender Bedeutung ist!«

Der Großvater sagt: »Da habe ich nichts von mitgekriegt.« Gemeint sind die verbrecherischen Wehrmachtbefehle, Juni 1941, Überfall auf die Sowjetunion. Der Enkel geht ins Archiv, 79. Infanteriedivision. Er kommt zu dem Schluss: »Offenbar hat mein Großvater erheblich mehr gesehen und gewusst, als er [später] einzugestehen bereit war.« Eine Zeit lang sei er sogar selber derjenige gewesen, der zu entscheiden hatte, ob gefangene Rotarmisten sofort erschossen werden oder nicht.

 

Zeit Online beleuchtet den Weg des Historikers Moritz Pfeiffer, der die muendlichen Aussagen seines 2006 verstorbenen Grossvaters mit den historischen Fakten abglich und ein Buch darueber schrieb (Amazon-Partnerlink; ISBN 3943425029). Fazit: Opa mag nicht der einzige gewesen sein. Aber er war ein Nazi. Lesenswert.

Es gab noch andere, die entschieden, wer erschossen werden sollte. Vierer Ulmer Opfer der NS-Militärjustiz wird morgen an den alten Schiessstaenden gedacht:

  • Reinhold Bürkle (erschossen am 18.2.1942)
  • Jakob Eckstein (erschossen am 17.3.1945)
  • Kurt Henne (erschossen am 17.3.1945)
  • Richard Stemmle (erschossen am 21.3.1945)

Zitat aus dem begleitenden Flyer:

Zeichen setzen im 21. Jahrhundert… für jene Soldaten, die sich zwischen 1939 und 1945 dem nationalsozialistischen Angriffskrieg verweigerten – und die hierfür in Ulm von der NS-Militärjustiz verfolgt
und inhaftiert, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.
Jahrzehntelang fanden die Deserteure und „Wehrkraftzersetzer“ kein ehrendes Gedenken. Auch in Ulm blieb ihnen eine öffentliche Anerkennung verwehrt.
Nach heftigen Auseinandersetzungen um ein Deserteur-Denkmal in den späten 1980er/frühen 1990er Jahren sollte dies erst ein Gedenkbuch aus dem Jahr 2011 ändern.
Auf seiner Grundlage wurden – auf Initiative Ulmer Bürgerinnen und Bürger und mit Unterstützung der Stadt Ulm und des Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm
e.V. – 2012 Informations- und Gedenktafeln an den historischen Tatorten angebracht

Die Tafeln werden am morgigen 8. Mai 2012 im Rahmen der Gedenkfeier ab 1800 Uhr eingeweiht. Treffpunkt ist die Bushaltestelle „Schiessstaende“ beim Eingang zum Botanischen Garten im Lehrer Tal.

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Dit is nich Dorf hier.

Soeben erreichte uns folgende Anekdote vom heutigen Nachtmittag: [sic]

Im Empfangswarteraum der Polizeiwache, Abschnitt 51, Wedekindstraße in Friedrichshain, direkt hinterm Berghain gelegen: Ein Mann um die 60 in gebügelten Jeans und polierten schwarzen Cowboystiefeln und Ledermäppchen unterm Arm spricht einen Beamten in Uniform und mit Irokesenhaarschnitt an.
Bürger: “Bei mir im Haus haben die für heute wieder die Walpurgisparty angesagt. Da kommen Hunderte”.
Beamter: “Ja, und?”.
Bürger: “Nun, die spielen ganz scheußliche Musik, die ganze linke Szene trifft sich da. Ist das denn genehmigt?”
Beamter: “Das ist genehmigt”
Bürger (leise): “Aber kann man nichts dagegen machen?”
Beamter: “Was sollen wir denn dagegen machen?”
Bürger: “….”
Beamter: “Dit is eben Berlin, dit is nich Dorf hier.”
Bürger: “Aber die haun doch dann alles kurz und klein”.
Beamter: “Aber wenn die Volksmusik oder Country spielen würden, dann wärs ok für sie?”
Bürger: “Nee, ich weiß nich’”
Beamter: “Wie gesagt: Dit is Berlin. Wenn es zu heftig wird ab 22 Uhr, rufen Sie an”
Büger: “Ja, gut”. Bürger geht.

 

Live-Ticker: Wedding: Veranstalter beendet Demonstration – 1. Mai – Berlin – Tagesspiegel.

Nachdem @gruenzeug mit einem Tag Verspaetung in Berlin eintraf, mussten wir uns erst einmal mit dickem Salatbausatzkauf beschaeftigen — und befinden uns aktuell in der etwas absurden Situation, jeweils nur wenige U-Bahn-Minuten von den Maifestspielen in Kreuzberg und Wedding entfernt zu sein, und diese per Ticker zu verfolgen.

Der Aufbau fuer die re:publica ist uebrigens ganz ganz anders als die letzten Jahre. Ich weiss noch nicht so recht, was ich von dem Flair halten soll… erster Eindruck bisher: Friedrichstadtpalast war repraesentabler. Mal sehen, was der Mittwoch bringt :)

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Linkschleuder

…der Versuch einer Aufarbeitung noch offener Tabs. Leider sind teilweise die QuellengeberInnen verloren geraten :-(

Netz und Gesellschaft

  • World War 3.0 — interessant geschriebener, tiefgehender Artikel aus der Vanity Fair (sic) ueber Das Netz™, wer es kontrollieren sollte und warum nicht.
  • Revealed: How Twitter’s secret offer for Instagram made Facebook pay $1B — Portrait eines tief paranoiden Mark Zuckerberg, der von der Furcht getrieben scheint, Facebook koennte an Relevanz oder Dominanz verlieren.
  • How to Preserve, Prepare und Produce Your Digital Legacy — Die Frage, was eigentlich aus dem eigenen digitalen Nachlass wird. Nicht nur fuer den Todesfall interessant, sondern auch fuer die Frage, wie man in 30 Jahren mit dem akkumulierten Zeug umgeht, das man (hoffentlich) lokal und nicht nur auf Facebook &c hat.
  • Sprache und Ungleichheit — Anatol Stefanowitsch vom Sprachblog beleuchtet den Weg von der Unterscheidung zur Diskriminierung, und welche Rolle Sprache hierbei spielt. Piraten, die behaupten, es gaebe bei ihnen keine Diskriminierung, sollten das mal lesen ;)

OpenData &c

Nerdstuff

Design und Kunst

  • The design of a signage typeface — sehr schoen bebilderter Vergleich verschiedener Schriften auf (Strassen)schildern, mit Vorstellung einer Eigenentwicklung

Unterhaltung

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Fruehsommeressen

Eine der schoenen Sachen am WG-Leben: Einfach mal mit Birthe, der Bieranhaengerin, durch die Stadt ziehen, um die Einzelteile fuer ein italienisch-bayerisches Megaessen zu kaufen <3

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Ulmer Bordellkultur… vor 40 Jahren

Ein schoener Einblick in die Ulmer Welt der kaeuflichen Zuneigung anno 1972 aus dem Spiegel-Archiv via Achim:

Dr. h. c. Theodor Pfizer, 68, scheidender Oberbürgermeister von Ulm und Präsident der Hölderlin-Gesellschaft, nahm bei seiner Abschiedsrede am 24. Juli nach dem Zeugnis seiner Mitarbeiter das Wort “Bordell” zum erstenmal in den Mund.

Was den feinsinnigen Stadtvater gerade am Ende seiner Amtszeit zu solch verbalem Kraftakt zwang, formulierte eine Mitbürgerin Pfizers zwanglos mit der Frage: “Wo, zum Teufel, sollen wir denn noch bumsen?” Denn sie darf es nicht mehr im Freudenhaus, weil die Stadtverwaltung es nicht will, und sie darf es nicht per Straßenstrich — weil die Konkurrenz es nicht duldet.

Schauplatz war die heute vergleichsweise honorig wirkende Schuelinstrasse 12 im Viertel Oststadt-Wielandstraße, die zuerst 310 Immigranten und danach 50 Prostituierte beherbergte — was der nachkriegsdeutschen Ulmer Stadtfuehrung unter dem vermeintlichen Saubermann Pfizer nicht so recht gefallen wollte. Das Haus wurde geschlossen, die Dirnen auf den Strassenstrich getrieben.

Der verlief, die Vorstellung ist heute ebenfalls ungewohnt, entlang der Schillerstrasse an der Grenze zur Weststadt. Und war bereits besetzt:

Eugen Kalchschmidt, Organisator und Boß der Freiluftliebe in der Schillerstraße, setzte am vorletzten Wochenende eine Männerriege ein. um die erwerbslosen Damen “freundlich, aber unmißverständlich” fortzuschicken.

Die Vertriebenen aus der Schülinstraße erhielten von dem Stoßtrupp einen Stadtplan. in den neue Sperrbezirke eingezeichnet waren — diesmal freilich nicht von der Stadtverwaltung, sondern von der Selbstverwaltung des Schillerstraßen-Strichs.

 

 

DER SPIEGEL 34/1972 – Gelegentlich Schreie.

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Veranstaltungshinweise

Kurzer Hinweis auf moeglicherweise interessante Dinge der naechsten Tage:

Amnesty Ulm beginnt morgen (25.4.) im H1 der uulm mit einer Vortragsreihe ueber Fluechtlinge und Folteropfer. Urs Fiechtner wird ins Thema einfuehren, es folgen bei weiteren Terminen u.a. ReferentInnen aus dem Behandlungszentrum fuer Folteropfer (BFU). Die Termine der einzelnen Vortraege finden sich auf der Amnesty-Seite.

Leider terminueberschneidend, aber eigentlich auch schon ewig angekuendigt: Ebenfalls morgen findet im H22 der uulm das jaehrliche Streiflicht statt. Wer sich dafuer interessiert, was diese Leute an der Uni eigentlich in der Medieninformatik so alles machen, kann sich das gerne ansehen; der Eintritt ist natuerlich frei, und es gibt fuer wenig Geld auch was zu trinken. Und weil 2012 ist, gibt’s auch hierfuer wieder ein Facebook-Event, wenn man sich da anmelden mag (was man nicht muss).

Wer schon heute was unternehmen mag, kann heute nach Stuttgart auf die Villa Reitzenstein kommen. (Korrektur: Konnte man nicht, ich hatte das Veranstaltungsformat an dieser Stelle falsch verstanden). Die Staatsraetin fuer Zivilgesellschaft und Buergerbeteiligung Gisela Erler veranstaltet regelmaessig „Kamingespraeche“ und hat u.A. mich zum Thema „www.aktiv im Netz“ [sic] eingeladen. Beginn ist um 1700 Uhr.

Und, last but not least, noch einmal der Hinweis auf das OpenCityCamp am 12./13. Mai an der Uni Ulm — kommt alle! :)

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Karten mit R

Ich haette mich in den letzten Tagen eigentlich mit etwas voellig anderem beschaeftigen muessen. Deswegen habe ich mich in R eingearbeitet. Prokrastination, level: 14. Semester. Und weil mir das Spass gemacht hat, moechte ich meine Erfahrungen festhalten und teilen.

Am Ende dieses kleinen Durchlaufs steht eine Chloroplethenkarte — also eine in Subregionen unterteilte Karte, deren Flaechenfaerbung gewisse Kennzahlen anzeigen kann. So etwas geht heutzutage auch schoen als Overlay-Karte mit OpenStreetMap, mich interessierte aber der Prozess in R, und wie man ueberhaupt einmal zu den passenden Farben kommt ;)

0: R installieren

R gibt es fuer Win, MacOS und Linux; ich habe mich mit der letzteren Variante beschaeftigt. Eigentlich ginge das wunderbar mit sudo apt-get install R, dann wird aber bei einigen Distributionen erst einmal eine aeltere Version installiert, die viele Dinge nicht kann, die wir spaeter noch brauchen. Hier ist beschrieben, wie man die passenden Paketquellen einbindet, sofern man nicht ohnehin aus dem Source heraus kompilieren moechte.

Wenn man moechte, kann man auch eine GUI verwenden. Ich habe ein wenig mit RKward gespielt, mit dem man schoen die zu erledigenden Schritte in eine Skriptdatei schreiben und Zeile fuer Zeile abarbeiten kann — das hilft, die eigenen Schritte hinterher auch festzuhalten. Prinzipiell geht aber alles auch in der Konsole → R ausfuehren und anfangen. Mit q() geht’s wieder zurueck in die Shell.

(Mittlerweile bin ich auch auf Deducer gestossen, der recht vielversprechend aussieht, dazu vielleicht spaeter noch etwas)

1: Erste Schritte

Ich werde nicht grossartig auf die R-Grundlagen eingehen — die eignet man sich am besten dann bei, wenn man irgendwo auf ein Problem stoesst. Das kurze Grundlagenhandbuch von Thomas Petzold hat mir hierfuer gut getaugt.

Die Uebersicht aller Ulmer Stadtviertel liegt auf ulmapi.de als ZIP-Archiv mit einem ESRI-Shapefile vor. Und von dort zur ersten primitiven Karte sind es eigentlich nur vier Zeilen:

library(maptools)
setwd("/media/home/opendata/stadtviertel")
ulm <- readShapePoly("Stadtviertel_Gesamt_270209.shp")
plot(ulm)

Falls die maptools- (oder eine beliebige andere) Bibliothek nicht vorhanden ist, kann sie aus R heraus mit install.packages("maptools") nachinstalliert werden. Gegebenenfalls ist hierfuer noch der gcc- und gfortran-Compiler zu installieren. Das Argument in setwd() sollte natuerlich das eigene Arbeitsverzeichnis sein, in dem die Shapes aus dem ZIP-Archiv liegen.

Mit diesen wenigen Zeilen haben wir also eine erstens zum schreien haessliche und zweitens vollkommen informationsfreie Karte mit den Umrissen der Ulmer Stadtviertel hinbekommen. Dieser Schritt bringt uns also ueberhaupt nichts nuetzliches, aber zumindest einmal das gute Gefuehl, dass da etwas geklappt hat :)

2: Farbe!

Interessanter wird es, wenn tatsaechlich auch Farbe ins Spiel kommt. Die Shapefiles bringen (in der Regel) eine DBase-dbf-Datei mit, in denen mit den Umrissen verknuepfte Daten mitgebracht werden. Die liegen nun im Datenslot der Variable ulm, die wir vorhin mit dem Shape gefuellt haben. Ein einfaches

ulm

wirft uns den kompletten Inhalt dieser Variable um die Ohren — also auch alle Koordinaten. Mit

names(ulm)

sehen wir die Namen der Datenvektoren, und mit

ulm@data

bekommen wir diese als „Tabelle“ angezeigt. Einzelne Spalten (bzw. Vektoren) koennen wir mit einem angehaengten $Spaltenname selektieren; so gibt

ulm@data$ST_NAME (oder einfach ulm$ST_NAME)

alle Eintraege im Datenvektor der Stadtteilnamen aus. Nach diesen Eintraegen koennen wir nun arbeiten — zum Beispiel, indem wir einfach einmal die Karte nach Stadtteilen faerben. Das geht in zwei Zeilen:

col <- rainbow(length(levels(ulm@data$ST_NAME)))
spplot(ulm, "ST_NAME", col.regions=col, main="Stadtviertel Ulms", sub="cc-by-sa, Datensatz der Stadt Ulm", lwd=.8, col="white")

rainbow() erzeugt hier einfach einen Farbverlauf — oder besser gesagt, einen Zeichenvektor mit so vielen (length()) RGB-Farben, wie es eindeutige Werte (levels()) im Vektor ST_NAME gibt. spplot() plottet hier ulm, faerbt die durch ST_NAME bezeichneten Regionen mit der vorhin erstellten Palette ein, setzt Titel und Untertitel und die Grenzen zwischen den einzelnen Flaechen auf weisse Linien.

(Zusammengebastelt anhand dieser Tutorials)

Auch diese Darstellung ist in der Darstellung eher unspannend — dargestellt werden so nur Raumordnungsdaten, keine statistischen Werte. Dazu kommen wir nun.

3: Malen nach Zahlen

Eigentlich sollen Zahlenwerte dargestellt werden, wie im R Cloropleth Challenge demonstriert. Hierzu brauchen wir aber erst einmal die darzustellenden Daten samt Schluesseln, um sie den passenden Regionen zuordnen zu koennen.

Die Tutorials und Anleitungen, die ich durchgeackert habe, gehen von zwei Praemissen aus — entweder werden RData-Objekte aus der GADM-Datenbank verwendet, wie in diesem Tutorial ueber die Einwohnerdichte indischer Bundesstaaten. Oder es geht um ESIR-Shapefiles, die in ihrem dbf-Anhaengsel deutlich mehr Nutzdaten mitbringen als unsere Stadtteilekarte. Schoene Beispiele hierfuer finden sich auf dieser Uebersichtsseite sowie in diesem weiterreichenden Beispiel, beides von der University of Oregon, an der gerade (Fruehling 2012) offenbar eine passende Vorlesung laeuft.

Die Zuordnung von Shape und geschluesselten CSV-Dateien greife ich (vielleicht ^^) in einem Folgeartikel noch einmal auf. Stattdessen gibt es nun was ganz exklusives, eine UlmAPI-Sneak-Preview quasi: Einen nagelneuen Datensatz der Stadt, bevor er auf ulmapi.de landet. Wow!

Es handelt sich um *trommelwirbel* ein Shapefile, das neben den Schluesseln und Namen auch den Altersquotienten fuer das jeweilige Viertel beinhaltet. Wow! :D

Der Altersquotient gibt das Verhaeltnis von Personen ab 65 zu Personen von 14–64 an und kann somit als Indikator fuer die Altersstruktur der Bevoelkerung dienen. Und das laesst sich natuerlich gut farbig darstellen :)

Wir fangen wieder mit unseren bisherigen Bibliotheken und dem Einlesen an:

library(sp)
library(maptools)
setwd("/media/home/opendata/altersquotient")
ulm <- readShapePoly("G_Altersquotient_311210.shp")
# Inhalte kontrollieren
names(ulm)
ulm@data

Na hoppla, da ist was schiefgegangen, oder? Die Chancen sind gross, dass hier nun etwas wie „ M\xe4hringen“ steht. Das ist aber nichts, was man nicht schnell beheben koennte — wir konvertieren die betroffenen Vektoren korrekt nach UTF-8 und ersetzen die Originale damit:

ulm@data$STT_Name <- iconv(ulm@data$STT_Name, "ISO_8859-1", "UTF-8")
ulm@data$STTV_Name <- iconv(ulm@data$STTV_Name, "ISO_8859-1", "UTF-8")

Um nun die Daten aus der Spalte ALTQU in Farben umzusetzen, verwenden wir das Paket RColorBrewer, das einige fuer Diagrammvisualisierungen praktische Farbverlaeufe mitbringt, und die Bibliothek classInt, um die Werte unseres Altersquotientenvektors zu klassieren:

library(RColorBrewer)
library(classInt)

plotvar <- ulm@data$ALTQU
nclr <- 7
plotclr <- brewer.pal(nclr,"Greens")
class <- classIntervals(plotvar, nclr, style="equal")
# class <- classIntervals(plotvar, nclr, style="quantile")
colcode <- findColours(class, plotclr)

in diesem Beispiel sind die Klassenbreiten konstant; classIntervals() laesst jedoch natuerlich auch noch andere Optionen zu.

Diese Vorbereitung reicht schon, um die oben abgebildete Karte anzuzeigen:

spplot(ulm, "ALTQU", col.regions=plotclr, at=round(class$brks, digits=2), main = "Altersquotient nach Stadtvierteln in Ulm", sub="Stand 31.12.2010 nach Daten der Stadt Ulm, cc-by-sa", lwd=.8, col="white")

Weiteres Tuning waere beispielsweise durch die Anzeige der Stadtviertelnamen moeglich, was aber angesichts der teilweise dichten Haeufung nur zur groben Orientierung taugt:

spplot(ulm, "ALTQU", col.regions=plotclr, at=round(class$brks, digits=2), main = "Altersquotient nach Stadtvierteln in Ulm", sub="Stand 31.12.2010 nach Daten der Stadt Ulm, cc-by-sa", lwd=.8, col="white", sp.layout = list("sp.text", coordinates(ulm), as.character(ulm$STTV_Name), cex=0.6))

So weit so gut…

Dieser Einstieg kratzt leider wirklich nur an der Oberflaeche — und auch die Darstellung mit spplot laesst ein wenig zu wuenschen uebrig. Ebenfalls nicht behandelt habe ich das „Problem“, Shapefiles mit ganz anderen Daten zu verknuepfen. Die verlinkten Tutorials helfen hier teilweise schon weiter — ich hoffe aber, die naechsten Tage zwischen Barcamporga und Arbeiten noch ein wenig Zeit fuer ein weiteres Posting ueber ggplot2 und weitere Beispiele hinzubekommen :)

Viele weitere Datensaetze und vor allem auch Visualisierungsjunkies findest du ausserdem auf dem OpenCityCamp am 12. und 13. Mai 2012 an der Uni Ulm ;)

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Begriff des Tages: Kanalreduktionstheorie

Die zentrale Aussage der Kanalreduktionstheorie ist, dass durch den Ausschluss von Sinneskanälen durch CMC (Computer-mediated-communication) die Kommunikation entsinnlicht wird. Die Kommunikation kann z.B. durch E-Mail auch zeit versetzt, asynchron, stattfinden. Somit kann man auch von einer Ent-Zeitlichung sprechen. Menschliche Emotionen können durch CMC nicht adäquat vermittelt werden. Deshalb ist die face-to-face-Kommunikation der CMC vorzuziehen. CMC ist laut der Kanalreduktionstheorie und wegen fehlender Sinneskanäle im Vergleich zu face-to-face Kommunikation defizitär und unpersönlich.

Computervermittelte Kommunikation – Wikipedia, aufgeschnappt von @rstockm im IRC.

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