#jhasien Tag 5: Von Null auf Firebase

Hatte ich gestern erwaehnt, dass es ja frueh ins Bett gehen kann? Nun. Irgendwie wurde es dann doch spaeter *raeusper*

Das machte aber nicht so furchtbar viel, denn fuer den Samstag war erst 0930 Uhr Treffpunkt an der Ubahn-Station geplant – sehr entspannt und deutlich angenehmer als die sonst bei Jugend hackt ueblichen Anfangszeiten.

Abends zuvor hatte sich herauskristallisiert, dass ich wohl die gleichermassen liebenswerte wie chaotische asiatische Gruppe mentorieren werden wuerde, die einen Freundefinder fuer Kulturaustausch entwickeln wollte. Die sechs Kids hatten zuvor noch absolut nichts in Sachen Programmierung unternommen, waren aber teilweise so voller Energie und Tatendrang, dass ihr Prototyp ihrer Meinung nach gleich die absolute Ueberloesung werden musste. Au weia, was für eine Herausforderung 😀

Ich hatte zum Glueck Unterstuetzung von Jimmy King, einem der Mentoren von vor Ort, der praktischerweise sowohl Japanisch als auch Chinesisch spricht – das vereinfachte die Kommunikation nochmal ganz ordentlich. Generell war klasse, dass vor Ort auch Mentoren von Code for Japan waren, dem Gegenstueck zu den CfA-Brigades oder den OK Labs in Deutschland (mit so einem schoenen reduzierten Logo!).

Am Vormittag gehoerte zu den Lightning Talks auch ein kurzer Vortrag von Hal Seki ueber die Civic-Tech-Aktivitaeten in Ostasien, und es ist jedes Mal wieder inspirierend zu sehen, wie diese weltweite Bewegung einfach abgeht – und wie das mit den vernetzten Welten auch wirklich live von den Communities gelebt wird 🙂

Zum Mittagessen gab es im 11. Stock des SAP-Turms allerlei Sorten Pizza, die hier umgerechnet fast 20 EUR das Stueck kostet und in unserem Fall teilweise mit eher ausfallenden Belagkreationen aufwartete 😀

Natuerlich musste die Kombi aus witziger Pizza und Ausblick auch entsprechend festgehalten werden…

You've met me at a very strange time in my life. #stklookingatthings #teamtokyo #jhasien #vernetztewelten #jugendhackt

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Aber zurueck zu „meiner“ Gruppe. Ich war etwas ratlos, wie wir das denn technisch machen sollten. Sie hatten sich ausgedacht, ausnahmsweise mal keinen „Wie Tinder, nur fuer…“-Klon, sondern einen „Wie OKCupid, nur fuer…“-Klon zu bauen. Und eigentlich finde ich die Idee ganz charmant: Man hakt Fragen zu eigenen Interessen und Ueberzeugungen an, gibt zudem an, welche Antworten man selber bei einem Gegenueber gut faende, und am Ende kann jemand aus einer fremden Kultur matchen, um Menschen zum Austausch zu finden*.
Dazu kommt dann noch, dass die Fragen und Antwortmoeglichkeiten bei uns auf Deutsch, Englisch, Japanisch und Chinesisch vorliegen sollten, so dass das ganze Ding am Ende vollkommen sprachagnostisch sein wuerde. Bis auf den angedachten Chat nach dem Matching, aber das ist ja im Prototypen egal 😉

(* bei einem reellen Produkt muesste man vermutlich spaetestens in Woche zwei der Beta umfangreiche Filter-, Block- und Moderationsfunktionen gegen aufdringliche Creeps, Spammer und sonstige Arschloecher einfuehren, falls man das nicht eh schon direkt mitgedacht hat. Looking at you, Twitter. Aber bei einem Jugendhackathon darf ja Glaube an die Menschheit erstmal ueberwiegen)

Die Frage war nun: Wie setzt man das mit dem Team um? Erster Schritt war mal, die Kids via Codeacademy ganz rudimentaer mit HTML und CSS vertraut zu machen, waehrend ich mir armerudernd Support bei Co-Mentor und Web-Entwickler Martin einholte: Wie zum Teufel bekommen wir hier leichtgewichtig irgendeinen Datenspeicher rein, ohne Megafrustration zu erzeugen?

Die Antwort war mir bis dato voellig unbekannt: Google Firebase bietet eine recht unkomplizierte Moeglichkeit, Daten in einem JSON-Baum abzulegen. Ja, leider ein Google-Dienst, aber wie so oft ist das Angebot an F/LOSS-Loesungen, die schnell fuer einen Hackathon aufsetzbar sind, recht ueberschaubar. Dieses Tutorial hat uns geholfen, recht schnell auch mal Daten abzugreifen und damit zu spielen.

A propos Spielen: Zusammen mit dem Deutschen Computerspielpreis konnten wir einen coolen Workshop anbieten, um VR mal live zu erleben – auch mit selbstgebauten Wolverine-Handdingsis, um das Gefuehl noch echter werden zu lassen 😀

Spieltrieb-Stefan war dann auch gefragt, um eher unerwartete Probleme zu loesen. Da hast du Teilnehmis mit einem auf Chinesisch eingestellten Mac und hast weder Ahnung von Mac noch von Chinesisch, und dann finde mal raus, wie die Kids dort einen passenden Editor finden, um unformatierten Text fuer die HTML- und CSS-Sachen speichern zu koennen. Bis wir ueberall Atom installiert hatten, war das auch mal Nano in der Konsole. Belastend.

Zum Abendessen gab es leckeres Essen dessen Namen ich leider vergessen habe, und ich habe mich gezielt an den Tisch mit lauter japanischen Menschen gesetzt, um ueber Essen, Civic Tech und die alltaeglichen Unterschiede zu quatschen. Ich liess meiner Begeisterung ueber den Quatsch, den wir erlebt und gemacht hatten, freien Lauf – stellte sich aber raus, dass wir fuer Japaner*innen wohl eher unuebliche Touribeschaeftigungen herausgesucht hatten 😉

Zum Abschluss liessen wir uns von Hal noch in eine Bar/ein Restaurant namens hOnda in Laufweite unserer Unterkunft fuehren, wo wir a) Sake, b) Pflaumenwein und c) unerwartete Speisen probieren konnten.

Ich sag mal so: Dass ich mal Haifisch essen wuerde, haette ich nicht gedacht. Und natuerlich mussten wir erst essen und bekamen dann erst verraten, was es ist. Aber nun ist auch Seegurke von der Bucket List abgehakt, obwohl ich vorher noch nicht mal wusste, dass die da drauf waere.

edit: Frank machte mich darauf aufmerksam, dass Haifisch essen enorm ungut ist. Wir bekamen das Zeug vorgesetzt und erst hinterher gesagt, was es ist – fuer die Zukunft weiss ich jetzt, worauf ich achten muss.

Keine Seegurke. Aber lecker.

Danach waere es Zeit fuers Bett gewesen. Stattdessen gab es fuer die Mentor*innen Zeitkulturschocks. Wir werden alt.

Ich habe diesen Beitrag erst nach meiner Rueckkehr veroeffentlicht, aber ihn zeitlich „passend“ auf Samstag nacht eingestellt.

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