Mit ‘USA’ getaggte Artikel

Are y’all the movie people?

Sonntag, 02. Mai 2010

Bei Felix Schwenzel bin ich auf den vermutlich besten Lokalfernsehwerbespot aller Zeiten gestossen. Bei den Amis gibt’s das viel haeufiger als bei uns — in den USA existiert ein Netz von “kleinen” Sendern wie WBKO, die ihr eigenes Lokalprogramm mit einem Network wie abc vermischen und dann auch mal Werbung fuer den Autohaendler um die Ecke bei der Werbepause von Malcolm in the Middle laeuft.

Die Spots rangieren dann oft zwischen “peinlich” und “mittelmaessig” (also das, was auch auf Regio TV laeuft), ab und zu gibt es aber richtige Kracher. Und der hier toppt alles:

Wer nicht wusste, was Mobile Homes sind: Das ist quasi der Standard schlechthin fuer die Landbevoelkerung im Sueden, wenn sie irgendwo wohnen moechten. Standardvariante ist der Singlewide, und ein richtiger Doublewide ist dann schon echter Luxus. Wie’s so schoen heisst, “You might be a Redneck if your richest relative buys a new house and you have to help take the wheels off.” Ich kannte damals im 30-Meilen-Radius nur ein gemauertes Wohnhaus mit mehr als einem Stockwerk und bin bis heute ueberzeugt, dass die auch nen Mobile Wal-Mart bauen wuerden, wenn sie nur koennten.

Wer den Southern Drawl genau so liebt wie ich, hier das Making Of, bei dem ich einen sofortigen Flashback an Kentucky hatte. So ist das im Sueden.

Der absolute Oberkiller ist aber dieser Spot. We all love Butt Drugs. Omg.

Welcome to Baden-Wuerttemberg, dry state.

Donnerstag, 05. November 2009

Mein Kuehlschrank ist kaputt. Besser gesagt, er funktioniert zu gut. So gut, dass das Eisfach ein Fach voll Eis ist, und der Rest des Kuehlschranks bei etwa +1°C liegt.

Wuerde ich jetzt beispielsweise in Koeln oder Berlin wohnen, waere das alles kein Problem. Dort gibt’s naemlich an jeder Strassenecke ein Buedchen oder einen Spaeti, der einem auch nachts um 2300 Uhr noch zwei Tiefkuehlpizze und ein Biertraegerchen verkauft, wenn zum Beispiel im Hauff-Wohnheim der Strom ausgefallen ist und Raimar und Erre zum Kochen und DVD-schauen vorbeikommen. (Nur dass die beiden normalerweise dafuer nicht extra nach Berlin oder Koeln kommen).

Ich fand das schon immer toll. In Ulm-Mitte gibt’s nach 2100 Uhr nur noch die Tamoil an der Ecke, an der man spontan irgendetwas kaufen kann, und auch die hat nicht die ganze Nacht offen. Bloed, wenn man beispielsweise den ganzen Tag an der Uni war und einem abends erst einfaellt, dass man nichts mehr zum Essen im Haus hat. Da wuenscht man sich manchmal schon die Zustaende zurueck, die ich damals in Kentucky erlebt hatte: Morgens um 0400 nach der Arbeit noch schnell nach Glasgow in den WalMart fahren und fuer 50 Dollar Lebensmittel einkaufen koennen, oder wenn’s sein muss ein Fahrrad oder einen Aufsitzrasenmaeher. Einziges Problem an der Sache: Wenn man auch nur eine Dose Bier wollte, musste man 30 Meilen nach Bowling Green fahren, weil sonst nirgendwo im weiten Umkreis Alkohol verkauft werden durfte. Einzelne Bierdosen oder Schnapsflaschen durften nicht oeffentlich gezeigt werden (daher die bekannte braune Papiertuete), und nach 2200 Uhr gab’s auch keinen Alkohol mehr — weil man sonst ja womoeglich nicht in der Lage waere, am naechsten Tag zum Gottesdienst zu gehen. Kein Witz, so wurde mir das erklaert.

Das hat natuerlich keinen von uns daran gehindert, schon morgens den ganzen Kofferraum voll Coors zu laden und abends nach der Arbeit zu zechen, bis irgendjemand mit dem Golfkart in Nachbars Tabakfeld gebraust ist. Oder den polnischen Arbeitskollegen davon abgehalten, sich mit einem knappen Liter Early Times so abzuschiessen, dass er zwei Tage lang nicht mehr arbeitsfaehig war. Und weder die 30 Meilen bis zum naechsten Wet County, noch das abendliche Alkoholverkaufsverbot, noch braune Papiertueten oder der Umstand, dass ich damals mit 20 gar keinen Alkohol trinken durfte, haben uns davon gehindert, am Independence Day ein feuchtfroehliches Grillfest zu veranstalten. Sogar nach 2200 Uhr. Und keiner von uns waere am naechsten Morgen von der Idee begeistert gewesen, einen Gottesdienst zu besuchen. Gut, dass ich Spaetschicht hatte.

Sowas faellt mir halt ein, wenn ich sehe, dass Herr Rech jetzt mit naechtlichen Alkoholverkaufsverboten irgendetwas wild aus der Luft gezogenes erreichen moechte. Und da dachte ich immer, die Amis haetten einen Regulierungshau.