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Juka zieht um

Als e4a6 und ich gestern ein Video suchten, auf dem wir uns gegenseitig mit Poolnudeln verdreschen, fanden wir zufaellig das hier wieder: Eine Zeitrafferaufnahme von Jukas Umzug von Eselsberg/Wanne in die Neustadt, vor knapp zwei Jahren. Ja, GoPros kann man wirklich ueberall anbringen, oder so.

Inhalt:

  • Bus entladen in der Neustadt, Fuhre I und II
  • Fahrt Neustadt → Altstadt → Hindenburgring → Lehrer Tal → Maehringer Weg → Hasenkopf → Wanne
  • Auszugs-Wohnungs-Streichen. Nie zuvor hat man Simon so schnell arbeiten sehen.

Open-Data-Rundumschlag

Einige Verweise auf Videos und vor allem Veranstaltungen:

  • Am Donnerstag(!), dem 29. November ist der Entwicklerinnentag Apps and the City in Berlin; es geht um die neuerdings offenen Verkehrsdaten des VBB und was man damit machen koennte
  • Am Freitag, dem 7. Dezember nochmal Berlin: Das Bundesministerium des Innern und Fraunhofer FOKUS laden zum Community Workshop: Open Government Platform Deutschland.
  • Am Samstag, dem 8. Dezember trifft sich datalove ulm in den Raeumen der Verteilten Systeme an der uulm, um die Livemap zu aktualisieren, GTFS umzuwandeln, den Haushalt anzusehen und was sonst so rumliegt. Beginn 1000 Uhr.

Wer diese Termine (und die der vergangenen Wochen und Monate) ansieht, stellt fest, dass alle zwei Wochen irgendwas in Berlin ist. Und das wird fuer mich langsam zum Problem. Ich waere alleine diesen Monat zweimal gerne in Berlin (gewesen), um mich zu Open Transport Data auszutauschen — aber ich habe keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Trampen ist eine Option, aber wenn ich dafuer einen Arbeitstag ausfallen und mir ueber 100 EUR durch die Lappen gehen lassen muss, kostet mich das ebenso richtig ordentlich Geld, als wenn ich mit dem Zug fahren wuerde.

Julia Kloeckner erzaehlt im folgenden Video (ab Minute 52) etwas ueber die Hintergruende von Apps and the City und wie es zu einem Donnerstagstermin kommt:

Ich bin indes ein wenig nachdenklich, wie „wir im Sueden“ weiter den Anschluss behalten sollen, wenn das OpenData-Barcamp Friedrichshafen und unser OpenCityCamp die einzigen Gegenpole im Sueden zu sein scheinen. Ein Argument mehr, auch am Open Data Day, dem 23. Februar 2013 etwas hier in Ulm anzuschieben — oder hat jemand Ideen, wie datalove einfach an Fahrtkostenzuschuesse kommt?

Und nochmal Ulm im Zeitraffer

Nach dem Ulm-bei-Nacht-im-Zeitraffer-Video von Michi gibt es nun ein Nachfolgevideo von magges hoefi, der allgemeine Nachtszenen, Volksfest, Nabada, Lichterserenade und Ulmer Zelt in ein Video vereint hat. Man merkt ein wenig die Begeisterung ueber seinen selbst gebauten Kameraslider — was fast ein wenig schade ist, denn einige Einstellungen wirken ein wenig wie Slideraufnahme-weil-ich-nen-Slider-hab-Aufnahmen.

Egal. Schoen. Und wie zu fast jeder Zeitrafferaufnahme passt als Alternativsoundtrack prima Philipp Glass dazu.

Ulm auf Zeit from magges höfi on Vimeo.

(danke, Jonas!)

Wie schwer es fallen kann, Fahrplaene zu oeffnen

Wer die letzten Tage halbwegs aufmerksam im Netz unterwegs war, hat vermutlich diese Schlagzeile gesehen: OpenPlanB hat mal eben saemtliche deutschen Fahrplandaten gezogen und als Torrent verteilt. Deswegen mal ein kurzer Statusbericht zum Thema aus Ulm.

Klar, in Sueddeutschland dauert alles ein wenig laenger. Seit einigen Jahren versuchen hier einige StreiterInnen, an die Echtzeitdaten der Busse und Strassenbahnen zu kommen, um damit tolle Dinge™ bauen zu koennen. Anfangs hatte Fox einen Parser Pseudo-Anfragen an die Fahrplanauskunft stellen lassen, spaeter gab es dann sogar ein Frontend dafuer, und irgendwann wurde auch klar, dass der Nahverkehrsverbund DING die EFA von mentzdv laufen hatte, zu der es auch eine schoene Schnittstellendokumentation aus Linz gibt.

open Data im ÖPV from c-base on Vimeo.

Darueberhinaus hatten wir aber so etwa das im obigen (leider sehr zerhackstueckelten) Video von Michael Kreil umrissene Problem: Wir kamen nicht an die Referenz-Plandaten heran. Der Verkehrsverbund erzaehlte uns, dass wir keinesfalls einfach so Zugriff darauf bekommen koennten, und generell hielt man uns wohl fuer ahnungslose Irre.

Als Tueroeffner fuer die Kommunikation zumindest mit den Ulmer Stadtwerken bot sich unsere in einem Wochenende zusammengehackte Pseudo-Livemap samt der an einigen Stellen der Uni haengenden Live-Busanzeige an, ueber die wir tatsaechlich innerhalb kuerzester Zeit Kontakt zum Verantwortlichen fuer die Datenhaltung bekamen.

(Anekdoteneinschub: Besonders beeindruckt waren die Verantwortlichen den Erzaehlungen nach davon, dass Fox fuer seine Auskunftsseiten die XML-Schnittstelle benutzt hatte, von deren Existenz offenbar niemand oder kaum jemand beim Verbund ueberhaupt wusste)

Wir dachten nun jedenfalls, dass mit dem direkten Draht zu den Stadtwerken in kuerzester Zeit ein GTFS-Satz fuer die Ulmer Linien gebaut werden koennte, womit Ulm als womoeglich erste deutsche Stadt beispielsweise in Google Transit auftauchen koennte.

So einfach war das aber nicht.

Und das ist auch die groesste Huerde ueberhaupt, wenn man an solcherlei Daten herankommen moechte. Die gesamten Plandaten liegen auf irgendwelchen Betriebsleitrechnern in irgendeiner Planungs- und Betriebsleitsoftware. Da gibt es einige wenige Haeuser, die so etwas herstellen, und es handelt sich soweit wir das sehen koennen um proprietaere Pest. Schnittstellen gibt es, die folgen der VDV-454, und ich weiss auch nach intensiver Lektuere der besagten Schrift noch nicht so recht, wie man daraus irgendetwas stricken sollte, das auch wirklich sinnvoll ist. Michael Kreil bzw OpenPlanB haben wohl in grossem Umfang Hafas-Dumps und reihenweise Fahrplanauskunftdaten gezogen, um sich daraus eine deutschlandweite Datenbank zu stricken. So etwas dachten wir uns anfangs auch, erkannten aber relativ schnell, dass wir selbst fuer den relativ kleinen DING-Verbund zigtausende Abfragen stellen muessten, um hinterher auch ein reales Abbild der Soll-Fahrplaene ueber das Jahr hinweg zu bekommen.

Um ein Gefuehl dafuer zu bekommen, was mit den Daten moeglich waere und somit Tueroeffner zu spielen, taugt dieses Prinzip aber, und die Visualisierungen sind schon wunderbar anzusehen. Uns stand aber der Sinn nach einer Moeglichkeit fuer die Stadtwerke, damit diese zukuenftig selber ein valides GTFS-Set unter Beruecksichtigung aller Sonderfahrplaene ins Netz stellen koennten.

Der Weg, den wir momentan dabei beschreiten, ist ein relativ absurder: Es gibt offenbar irgendeine Schnittstelle, an deren Ende CSV-Tabellen fuer eine Person herauskommen, die diese dann in die gedruckten Fahrplaene giessen darf. Da diese Plaene einem bestimmten Muster folgen, kann man sie mit einem sehr kruden Parser nach GTFS umschreiben und dabei gleich per EFA-Schnittstelle die Fahrwege abfragen und mit einbinden. Leider fehlen hier am Ende immer noch viele Daten, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwo im DING- bzw. SWU-System abgebildet sind: Gefahrene Distanz an einer Haltestelle, Tarifstrukturen und vieles mehr. Ausserdem muessen auch alle Kalenderbesonderheiten nochmals von Hand nachgetragen werden.

Wenigstens sind wir aber so weit, seit dem Fruehjahr ein grundliegendes GTFS-Set exportieren zu koennen, und nachdem ich mich vor einigen Tagen noch einmal daran gesetzt habe, auch die Fahrwege darin abgebildet zu haben, so dass Ulm nun wohl die zweite deutsche Stadt mit einer Mapnificent-Karte ist und wir hoffentlich demnaechst einmal mit den Stadtwerken besprechen werden, ob und wie wir zum Fahrplanwechsel 2012 tatsaechlich auch ein „offizielles“ Ulmer GTFS-Set veroeffentlichen koennen.

Vielleicht hilft das manchen enthusiastischen OePNV-Fans zu verstehen, warum nicht immer alles so schnell geht, selbst wenn alle beteiligten Stellen eigentlich so etwas wollen. MentzDV bietet anscheinend sogar mittlerweile einen GTFS-Export an — man darf sich aber ausrechnen, dass das hierfuer zuzukaufende Modul nicht kostenlos sein wird.

PS: Wir sind hier in Ulm in der etwas einmaligen und manchmal etwas peinlichen Situation, den umgekehrten Zustand wie in Berlin zu haben. Plakativ geschrieben rennen wir offene Tueren ein und werden mit Daten ueberhaeuft, haben aber zu wenige MitstreiterInnen, um mit all diesen Daten auch etwas anfangen zu koennen. Wir haben hier keine c-base und keine re:publica, aber es gibt Mate und ne Donau und ab und zu ein OpenCityCamp. Falls ihr also schon immer mal die Welt veraendern wolltet: Das geht auch hier. Und man muss sich bei den Buffetts nicht immer mit @mspro um die Schnittchen pruegeln. Kombt alle forbei, es gibt einen noch zu visualisierenden Haushalt, eine zu verbessernde mobile Nahverkehrs-Liveabfrage, Entsorgungsdaten und noch viele andere Kleinigkeiten.¹

(¹ Auf Anregung von @plomlompom soll ich schreiben, dass Berlin eine „HipsterHölle [ist], wo man nix mehr produzieren muss, um Anerkennung zu kriegen. Hier unten dagegen beweisen sich die wahren Hacker!“)

Blockade erfolgreich

Der „leise Verdacht“, dass der Platz der NPD-Demoanmeldung samt zugehoeriger Polizeiabsperrung sehr geeignet fuer Zufahrtsblockaden sein wuerde, hatte sich dann tatsaechlich bestaetigt:

War schoen zu beobachten und alte Bekannte auf der fuer die Kuerze der Zeit angenehm grossen Gegendemo wiederzusehen. Mehr gibt es beim SWR und bei acht9.

Eine kleine Randnotiz ist noch die oertliche Zeitung wert, die das Ereignis samt Hashtag zwar auf Twitter konsequent ignorierte, dafuer viele Bilder auf Facebook hochlud — und ein wenig Flak abbekam:

Beim „Salt Law“ musste ich dann doch herzlich lachen :>

Am Gitter

Als ich vorhin vom Fundamt zurueck zur WG durch die Stadt spazierte, standen am Kornhaushof schon die Hamburger Gitter, samt zweier bulliger Herren, die sich beim Naeherkommen als Beamte der PD Ulm entpuppten und offenbar Appetit auf meine gerade gekaufte Tiefkuehlpizza hatten. Ich war einerseits amuesiert und zweitens neugierig auf die Absperrmassnahmen rund um den zu erwartenden heutigen Protest gegen das NPD-Flaggschiff (siehe auch) und unterhielt mich deswegen kurz mit ihnen und einer aelteren Dame, die neugierig die Absperrung beaeugte und wissen wollte, was da los sei, was das besondere an den Hamburger Gittern sei und wie das denn so als Polizei sei, dazwischenzustehen.

Die Polizisten waren noch gut gelaunt und erzaehlten wieder einmal die aus ihrer Sicht sicher verstaendliche Geschichte, dass es doch am besten sei, wenn „die Rechten“ ignoriert wuerden und sich damit „zum Affen machten“, anstatt dass „die Linken“ Gegendemos veranstalteten und sie dann dazwischen stuenden. Nachdem die betagte Dame sich zeigen liess, wie schwer man die Hamburger Gitter von der Schutzseite her bewegen koenne („da kann man dann einfach auf die Finger hauen“) und dass die auch nicht umfielen, wenn sie darauf klettern wuerde, konnte ich es mir doch nicht verkneifen, ihr grinsend zu erzaehlen, dass einige ihrer Stuttgarter Altersgenossinnen das sicher auch schon beim Protest fuer oder gegen gewisse Bahnhoefe erlebt haetten, und dass man natuerlich keinesfalls nur als „Rechter“ oder „Linker“ eine Demonstration besuchen koenne, sondern das fuer alle Alters- und Interessensgruppen oft ein lehr- und erkenntnisreiches Erlebnis ist. Mehr BuergerInnen auf Demonstrationen, quasi.

Das schien ihr einzuleuchten, und als schwaebische Buergerin war die folgende Frage beinahe schon vorherzusehen: Ob denn NPD oder Gewerkschaftsbund (als Anmelder der „linken“ Gegendemo) den Polizeieinsatz bezahlen wuerden. Nein, versicherten die Beamten ernst, das gehoere halt zu ihrem Beruf. Nein, versicherte ich, Schalk im Nacken sitzend, das sei ja keine Facebookparty. Das schien die Frau ein wenig zu ueberraschen — die Erklaerung eines der Beamten, dass Facebookparties nicht unter die Demonstrationsfreiheit fielen, sondern unter… aehm… oeh… nicht unter die Demonstrationsfreiheit, schien dann aber wieder einzuleuchten.

Ich hakte dann nicht weiter nach. Nicht, ob unsere neulich im Alten Friedhof veranstaltete WG-uebergreifende Nach-Schwoermontags-Tafel als Edupad-Party auch darunter gefallen waere (siehe Bild unten). Und auch nicht, ob die auffallend zurueckgezogenen Polizeiabsperrungen zwischen Kornhaus und der mit Ulm-gegen-Rechts-Bannern beflaggten Volkshochschule wirklich reichen wuerde, um eine (taktisch so recht einfach durchzufuehrende) Blockade der drei Zugangspunkte zu verhindern.

Das eigentlich eher buergerliche denn „linke“ Buendnis Ulm gegen Rechts ruft indes zur Gegenkundgebung auf. Treffpunkt ist 1530 am Haus der Gewerkschaften am Weinhof.

//addendum: Das Studentenwerk Ulm reisst mal wieder die Latte fuer die schoenste Facebook-Stellungnahme:

Die Angst vor den Menschen

In Ulm fand dann doch keine verbotene Facebook-Party statt. In Konstanz sorgten Polizeihubschrauber(sic) und -hundertschaften dafuer, dass die 30 erschienenen jungen Menschen ordnungsgemaess ihren Platzverweis vom Strandbad Horn erhielten. Gewonnen haben auf jeden Fall die Repressionsmassnahmen der betroffenen Staedte und der Landes- und Bundespolizei, denn:

  • Passiert gar nichts (wie in Ulm), waren die Massnahmen erfolgreich. Ohne das Komplettverbot saemtlicher(!) ueber soziale Netzwerke organisierte Veranstaltungen im Stadtgebiet und das massive Polizeiaufgebot waeren schlimme Dinge™ passiert.
  • Passiert wenig oder quasi nix (wie in Konstanz), waren die Massnahmen erfolgreich. Ohne die Allgemeinverfuegung oder mit weniger als diesen vielen hundert PolizistInnen waeren deutlich mehr Leute gekommen und es haetten schlimme Dinge™ passieren koennen.
  • Passiert doch was, waren die Massnahmen erfolgreich. Nur durch die Allgemeinverfuegung und das massive Polizeiaufgebot konnte die Lage halbwegs gemeistert werden.

Unterdessen stellt sich die Frage, wer die Kosten fuer besagte massives Polizeiaufgebot tragen soll. Zitat heise online:

Baden-Württembergs Landespolizeipräsident Wolf Hammann und Innenminister Reinhold Gall (SPD) wollen sich nun wehren. „Die Polizei wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Kosten für Polizeieinsätze, beispielsweise Platzverweise wegen Ruhestörungen, Streitigkeiten oder ähnlichem, in Rechnung zu stellen“, sagt Gall.

Bei einer geplanten Facebook-Party an diesem Wochenende in Ulm gab allein die örtliche Polizei ihre Ausgaben mit 60.000 Euro an. […] Nach der ausgeuferten Feier in Backnang (Rems-Murr-Kreis) eine Woche zuvor wollen Polizei und Stadt den Verantwortlichen dort sogar rund 140.000 Euro auf die Quittung schreiben. […]

Die Politik will der Minister aber erstmal nicht einschalten. „Grundsätzlich können junge Menschen Partys feiern und Spaß haben, aber wie immer nicht auf Kosten und zum Schaden Dritter oder der Allgemeinheit.“ Momentan reiche das bestehende Instrumentarium aus, um gegen Facebook-Partys vorzugehen. So zeigten die massiven Drohungen von Stadt und Polizei in Ulm und Konstanz Wirkung – die Partys fielen aus. „Falls notwendig, werde ich zu gegebener Zeit die Problematik in den zuständigen Gremien thematisieren“, betonte Gall.

Da stellen sich mir noch ein paar Fragen:

  • Wenn Fussballfans Party feiern und Spass haben, wird das ebenfalls von Polizeihundertschaften begleitet. Hierfuer kommen die SteuerzahlerInnen auf. Wo ist der Unterschied?
  • Wenn Autokorsos EM- oder WM-Siege feiern, geschieht das zum Nachteil der AnwohnerInnen der betroffenen Strecken, wie man in lokalen Nachrichtenmedien alle zwei Jahre an geeigneter Stelle nachlesen kann. Auch hier schreitet die Polizei nicht ein. Wo ist der Unterschied?
  • Wo ist der Unterschied einer „fuehrungslos“ per Facebook organisierten Party zu einer „fuehrungslos“ durch andere Kommunikationsmittel organisierten Veranstaltung? Verstehen wir uns nicht falsch, Telefonketten sind jetzt nicht mehr so das Mittel der Wahl, aber wuerde man nach dem Nabada zu einem kollektiv veranstalteten Riesenpicknick in der Au einladen, wuerde das in Teilnehmerzahl, eventuell verursachtem Muell und Lautstaerke womoeglich an die „Facebook-Party“ heran-, jedoch nicht wesentlich ueber das „normale“ Treiben nach dem Nabada heraus-ragen. Oder gibt es Tage, an denen das gesellschaftlich akzeptiert ist, weil es da genuegend parallel laufende „herkoemmliche“, kommerzielle Veranstaltungen gibt?
  • Und nicht zuletzt: Warum warte ich bislang vergeblich auf eine kritische Reflektion der im Vorfeld lustig berichtenden Regionalmedien ueber ihre eigene Rolle in der Eskalationsspirale?

Wie man die Stadt Ulm lahmlegt

Heute morgen wiesen die DFI der Stadtwerke darauf hin, dass eine auf Facebook angekuendigte „lade einfach alle Leute zu einem unkontrollierten Fest an der Donau ein“-Party von der Stadt verboten wurde und der Besuch Bussgelder bis 5000 EUR nach sich ziehen koenne.

Das ist einer der letzten Akte in einer Serie von Aktionen und Reaktionen, die auf mich leicht schildbuergerlich wirkt. Ueber die „Facebook-Party“ war vorab mehrfach in der lokalen Presse berichtet worden, was ich aufgrund derer impliziten Haltung zum Leistungsschutzrecht aber nicht verlinken werde. Dass diese Berichte die Aufmerksamkeit nur noch weiter auf diese Veranstaltung gelenkt haben duerfte, sollte ebenfalls klar sein.

Die Stadt und die Polizei weisen in einer Mitteilung auf das Verbot der Veranstaltung hin (Hervorhebung von mir):

Aufgrund der nicht absehbaren Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, die von einer unkoordinierten Massenveranstaltung ausgehen können, hat die Stadt Ulm mit einer Allgemeinverfügung die angekündigte Facebookparty am kommenden Samstag, 7. Juli, auf der Ulmer Donauwiese, wo zeitgleich das Internationale Donaufest stattfindet, verboten. Das Verbot umfasst darüber hinaus alle über Internetforen/Soziale Netzwerke organisierten Veranstaltungen im gesamten Ulmer Stadtgebiet im Zeitraum vom Freitag, 6. Juli, bis einschließlich Sonntag, 8. Juli.

[…] Stadt und Polizei rechnen damit, dass trotz des Verbots und der angedroh-ten Strafen zahlreiche, zumeist jugendliche „Partygäste“ erscheinen werden und bereiten sich entsprechend vor. „Unser Ziel ist es, das Internationale Donaufest unbehindert und ohne Einschränkungen stattfinden zu lassen. Störer und Randalierer, zumal wenn sie angetrunken sind, werden wir daher nicht dulden“, gibt Rainer Türke von den Bürgerdiensten die städtische Linie wieder. Zugleich solle alles unternommen werden, um eine Eskalation der Situation zu verhindern.

[…] Stadt und Polizei weisen außerdem ausdrücklich auf die Konsequenzen hin, die auch den Teilnehmern an einer verbotenen Party drohen: Personalienfeststellung und Ordnungsgelder bis zu 5.000 Euro (z.B. für das Nichtbeachten von Platzverweisen) können auf die jungen Partygäste zu-kommen.

In anderer Sache telefonierte ich vorhin mit dem Polizeirevier Ulm-West — eigentlich was nachrangiges, nicht dringliches, es wurde mir aber gleich von Anfang an zu verstehen gegeben, dass heute keine einzige Streife abkömmlich sei. Ich wunderte mich zunächst, fragte dann kurz: „Facebook?“ — „Jopp.“ Ich bin mal sehr gespannt, wie die Polizei es schaffen will, Donaufestbesucher und „Facebookpartygaenger“ auseinanderzuhalten. Muss ich selbst mit Personenkontrollen rechnen, wenn ich mir einfach nur ansehen will, wie ein Donaufest voller Paranoia vor einfallenden Partyhorden aussehen koennte? Gar das Donaufest-Programm auswendig lernen, um nachweisen zu koennen, kein Interesse an Veranstaltungen ohne offiziellen Ausrichter zu haben?

Die dazugehörige Allgemeinverfügung ist meiner Meinung nach indes <edit>in ihrer Allgemeinheit, die (wenn man sie woertlich auslegt) saemtliche privaten Zusammenkuenfte im oeffentlichen Raum mitmeint, und in ihrer Umgehbarkeit, wenn man Werkzeuge verwendet, die per Definition kein „Social Network“ sind,</edit> an Blödheit kaum zu überbieten. Ich kann weiterhin per Massen-E-Mail Leute zur Teilnahme an beliebigen Veranstaltungen einladen — will ich jedoch meine Freunde per Social Network zum Treffen im Stadtpark einladen, ist mir das verboten, und eigentlich muesste die Polizei dieses Verbot auch enforcen, wenn ich mich nicht ganz arg taeusche.

Das habe ich dann im Telefonat nicht weiter nachgefragt. Und schaue gerade nachdenklich das Telefon an.

Update: Um Rechtssicherheit zu haben, rief ich eben mal quer durch alle Institutionen und Behoerden, wie es denn aussieht, wenn beispielsweise Studierende ein gemeinsames Grillen per sozialem Netzwerk organisieren wuerden. Das durchlief insgesamt fuenf Instanzen von mehreren Polizeistellen ueber die Pressestelle der Stadt bis zum Leiter der Buergerdienste, und sah in etwa so aus:

  • Brauche ich generell eine Ausnahmegenehmigung, um Zusammenkuenfte/Feiern im Stadtgebiet per sozialem Netzwerk organisieren zu duerfen?
    • Polizei: Auf privatem Grund sollte das kein Problem sein. Im oeffentlichen Raum, aeh, fragen Sie doch besser mal bei der Stadt, die hat ja die Verfuegung erlassen.
    • Pressestelle: „Gemeint“ sind Sie damit vermutlich nicht, aber was die Rechtssicherheit angeht, haben Sie da wohl schon Recht. Fragen Sie doch bei den Buergerdiensten.
    • Buergerdienste: Es geht um Massenzusammenkuenfte, bei denen die oeffentliche Sicherheit und Ordnung gefaehrdet wird. Private Veranstaltungen sind nicht betroffen. Einwand meinerseits: Da steht doch „andere ueber soziale Netzwerke organisierte Partys“. Antwort: Ja, aber es geht um Massenpartys.
  • Kann ich das Problem umgehen, indem ich die Veranstaltung nicht per Facebook, sondern zum Beispiel in unserem Arbeitswiki organisiere? Das ist dann zwar oeffentlich einsehbar, aber per Definition kein soziales Netzwerk.
    • Polizei: Aber Wikis sind doch auch soziale Netzwerke, oder? Ich: Ne. Polizei: Oh. Hm. Fragen Sie am besten bei der Stadt nach.
    • Pressestelle: Oh, ja, damit waere das Problem wohl umgangen. Aber die Buergerdienste wissen da sicher mehr.
    • Buergerdienste: (Ging nicht auf Wikis ein, sondern betonte mehrmals, dass es um „Facebookparties“ mit Massenzusammenkunft, Alkohol und sonstigem gehe)

Fazit:

Nachtrag: Ersetzt man Holzplatten durch beliebige Buecher, waere das hier doch eine wunderbare Kunstaktion zur Visualisierung einer „Facebook-Party“:

Der Untergang von Nokia

Ich habe leider den Linkgeber vergessen, weil der Tab einige Tage offen wartete, von mir gelesen zu werden. Dieser Artikel mit dem passenden Namen „The Titanic Deck Chairs Moment“ ist lang, aber ultimativ lesenswert. Er beschreibt, wie Nokia in Person von CEO Stephen Elop in den letzten Jahren quasi alles falsch machte, was man falsch machen kann.

Before the Elop Effect there was no ’strength‘ that Android or Apple had in retail. You walked into any telecoms retail store on the five continents where Nokia did well […] and there were stacks of Nokias and the retail staff ran at you to sell you.. a Nokia! Nokia was famous for dominating the retail environment. Not just competitive, dominating it. This was regularly listed as one of Nokia’s biggest strengths, when analysts wondered, how could Nokia, with clearly older technology smartphones on Symbian, outsell Apple by 2 to 1, and Samsung by 3 to 1 globally? Yes, that is true. As recently as 18 months ago, Nokia was outselling Apple iPhones – I mean yes, Nokia smartphones, Nokia Symbian based smartphones – were outselling all iPhones by 2 to 1. More than 2 to 1 in fact. And all Samsungs by 3 to 1.

Seltsame strategische Entscheidungen und Personalumbesetzungen. Windows-Phones und die oeffentliche Ankuendigung, Skype toll zu finden (was die Netzbetreiber voellig vorhersehbar nicht toll fanden). Und nun dazu: Massive Entlassungen. Der Artikel bemaengelt explizit die Schliessung des Standorts Ulm, und damit den Abschied von alternativen Handset-Betriebssystemen.

The layoffs in some offices including closing Ulm in Germany means the end of the Meltemi project and the end of the Linux and open source dream at Nokia. Meltemi was the sister OS platform to MeeGo, as a Linux based smarpthone operating system, but designed for ultra low cost handsets, to help Nokia migrate from S40 and S30 based ‚featurephones‘ to smartphones, in the under 40 Euro/50 US dollar price range. This is a price point where Windows Phone cannot reach.

Lange Lektuere, aber lesenswert.