„Loeschen statt sperren“ in Stuttgart

So, nun war ich tatsaechlich auch zum ersten Mal in meinem Leben als „echter Demonstrant“ an einer Demonstration teilgenommen. So wunderbar ist das mit dem Internet: Ein paar Mails ueber die Hochschulpiratenliste, ein Eintrag im Wiki, ein paar Posts im Politikforum und der „Zensursula“-Gruppe bei Team-Ulm, und auf einmal standen sage und schreibe 20 Leute in Ulm vor dem Hauptbahnhof, die gemeinsam mit BaWue-Tickets nach Stuttgart fuhren.

Wene musste natuerlich gleich mal aus dem Zug twittern, dass Ulm zwei Drittel der angemeldeten Demoteilnehmer stemmt, und Raimar hat das getan, was er am besten kann: Pennen :->

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Skurril: In Stuttgart angekommen wird man von einem Stuttgarter Mit-Org begruesst und erst einmal Geld fuer in letzter Minute zu kopierende Flyer gesammelt. Jeder laesst ein paar Euro springen, ein paar Leute verschwinden in den Copyshop, der Rest sucht die Demo.

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Die Kundgebung war dann auch ein wenig arg leise. Megaphone oder andere Verstaerker waren nicht genehmigt worden, Redner gab es eigentlich auch keine, es haben sich dann aber doch noch ein paar Freiwillige gefunden, die — ja, Nerds! — Texte vom UMTS-Handy ablasen.

Gut fand ich den Kontakt zu den Passanten, die natuerlich (besonders beim Marsch, siehe spaeter) die Menschenansammlung skeptisch beaeugte. Man blieb nicht bei sich „in der Blase“, sondern verteilte aktiv Flyer an Umstehende und Passanten, kam auch ins Gespraech und konnte viele Vorurteile aufklaeren. „Sauerei“ hoerte ich von einer aelteren Dame, als es um die Petition ging, die erst im Herbst Thema im Ausschuss werden soll, und auch das Anliegen „Loeschen statt Sperren“ traf auf weitverbreitete Zustimmung. Gerade aeltere Leuten war das Argument der einmal errichteten Zensurinfrastruktur leicht zu vermitteln und traf auch auf offene Ohren.

Amuesant wurde es dann nach der offiziellen Aufloesung um 1400 Uhr. Ich wollte eigentlich nur die Ulmer sammeln, um gemeinsam zum Bahnhof zu laufen, damit kein BaWue-Ticket-Mitfahrer abhanden kommt. Als sich dann das Ulmer Grueppchen in Bewegung setzte, liefen aber auf einmal immer noch mehr Menschen hinterher — schlussendlich zog der Grossteil der Demonstranten „Nur Diktatur braucht Zensur“ skandierend und Flyer verteilend durch die Stuttgarter Innenstadt. War zwar nicht so geplant, hat aber offenbar fuer Aufmerksamkeit gesorgt 😀

Eine Auswahl meiner Bilder gibt es auf Flickr — allesamt unter cc-by-nc-sa-Lizenz. Wer die Bilder in gross fuer Veroeffentlichungen lizenzieren mag, kann sich vertrauensvoll an stefan at bloggt punkt es wenden.

4 Gedanken zu „„Loeschen statt sperren“ in Stuttgart

  1. Pingback: Zensi, Zensa, Zensursula: Die ersten Demobilder! : netzpolitik.org

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  3. Moritz

    und der “Zensursula”-Gruppe bei Team-Ulm,

    Wusste ich doch, dass es gut war, den Thread aufzumachen^^.

    Ich wĂ€re auch gerne mitgekommen, habe aber stattdessen nen halben Tag an einem Zensursula-AufklĂ€rungs-Video rumgebastelt. Es ist noch nicht ganz fertig und die QualitĂ€t haut einen auch nicht unbedingt vom Hocker, aber der Inhalt kommt glaube ich so rĂŒber, dass ihn auch „Nicht-Nerds“ verstehen und nachvollziehen können.

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  4. Pingback: Warum es nicht vergebens war | stk

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