Leser ernstnehmen? Fehlanzeige.

Eine Sache, die ich gestern bei den Augsburger Studenten zwar angesprochen, aber vielleicht nicht deutlich genug gemacht habe: Ein unglaublich wichtiger Erfolgsfaktor eines Onlineangebotes ist das Feedback vom Nutzer zum Anbieter (und zurueck). Der netzaffine Leser von heute ist es mittlerweile gewohnt, zu quasi allen Themen auch seinen Senf abgeben zu koennen — und dass seine Meinung auch ernst genommen wird. Und das ist der Knackpunkt, bei denen viele etablierte Medien massenweise vollkommen versagen.

Stefan Niggemeier zitiert einen Fall aus dem August: Ein Leser weist die Redaktion auf einen Schreibfehler im Angebot von Welt Online hin. Welt Online antwortet auch: Mit einem Standardbrief a la „vielen Dank fuer den Hinweis“. Sonstige Folgen: Keine.

Eine Ausnahmeerscheinung? Leider nein. Will man beispielsweise der Augsburger Allgemeinen schreiben, dass dort in einem Artikel Unsinn steht, bekommt man folgende Mail als Antwort:

Vielen Dank für Ihren Leserbrief.
Diese Antwort wird automatisch erstellt, damit Sie eine Bestätigung dafür haben, dass uns Ihre Zuschrift erreicht hat. Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail.

Ein wichtiger Hinweis für Sie: Um eine Zuschrift veröffentlichen zu können, brauchen wir Ihre vollständige Anschrift. In der Zeitung werden allerdings nur Name und Wohnort abgedruckt.

Bitte geben Sie auch an, auf welchen Beitrag in der Zeitung Sie sich beziehen und wann dieser Beitrag erschienen ist.

Falls Ihre Zuschrift bereits diese Angaben enthält: Dankeschön. Falls nicht, bitte senden Sie uns diese Angaben noch zu.

Mit freundlichen Grüßen

AUGSBURGER ALLGEMEINE
Journal und Leserservice
– Leserbriefe –

Irgendeine weitergehende Antwort? Nein — damit wuerde man dem Leser ja viel mehr Wichtigkeit beimessen, als ihm zusteht, nicht wahr? Aufwachen, meine Damen und Herren…

//Nachtrag, 1752: Ich hatte das zwar schon vor ner Weile im Feed, aber in diesem Zusammenhang passen die „Five Barriers to user participation“ nochmal ganz gut.

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