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Ganz neu: Fernsehen!

Nachdem ich damals die CNN-Zentrale in Atlanta besucht hatte, schwirrte mir der Kopf vor lauter fixen Ideen. Die vielen Newsrooms mit ihrer Betriebsamkeit waren irgendwie ansteckend, und als ich auf den heissen Strassen einen der haesslichen Ami-Linienbusse sah, klickte es. Der Nachrichtenfix im Bus, das waere doch was. Kurz zuvor hatte man bei den SWU Doppelmonitore in einigen Bussen verbaut. Wenn man dort einfach eine Nachrichtenschleife wie die meines damaligen Lieblingssenders Euronews einbauen wuerde, mit groben Untertiteln und einem FM-Transmitter im Bus, so dass man auf Wunsch auch den Ton hoeren koennte… weitergesponnen wurde dann ein eigenes Lokalnachrichtenformat daraus, also etwa so wie bei RegioTV, nur nicht so amateurhaft, vielleicht sogar mit TU koproduziert…

Diese Idee hat mich dann tatsaechlich noch bestimmt vier Wochen verfolgt, und ich war schon ein wenig enttaeuscht, als sich die SWU irgendwann nach meiner Rueckkehr nach Ulm dazu entschlossen, „n-tv Der Tag“ als Slideshow einzubinden, was nur morgens aktualisiert wurde und abends inhaltlich schon wieder langweilte.

n-tv ist mittlerweile wieder von den Bildschirmen verschwunden, und es gibt hauptsaechlich veraltete Betriebsmeldungen und ein wenig Werbung im Bus zu lesen. Heute lese ich nun, dass die SWP auf den Zug^w Bus aufspringt und ein eigenes Nachrichtenformat in den Bussen auf die Beine stellt, mit ziemlich genau den Inhalten, die frueher von n-tv realisiert wurden. Plus, wie sich schoen zwischen den Zeilen lesen laesst, ordentlich Werbung. Meine Idee mit der immer wieder aktualisierten Nachrichtensendung greift wohl keiner mehr auf. Zugegebenermassen ist die aber auch schon von 2005 — mittlerweile holt man sich den Nachrichtenfix unterwegs schon lange nicht mehr von irgendwelchen zentralen „Nachrichtenanzeigestellen“, sondern per Netbook oder Mobiltelefon, UMTS und always-on sei Dank auch direkt auf die eigenen Interessen zugeschnitten. Die Monitore sind fuer mich jedenfalls inzwischen so interessant wie normales Fernsehen: Gar nicht mehr.

SWU-Daten befreit :D

Ich liebe das Internet :) Taxilof hat eine API gestrickt, um die ansonsten versteckten SWU-Livedaten auszulesen und weiterverarbeiten zu koennen. Heisst momentan zutreffenderweise api_bad und funktioniert sogar — also reinhauen und basteln, Stammverzeichnis hier.

Semesterticketreferent Finn hat aber auch schon angekuendigt, mitschubsen zu wollen, und laut der Ubicomp-Betreuer kann da gerne auch mal das Dekanat die SWU anschubsen. Vielleicht gibts dann bald sogar eine “offizielle” API. Fein :)

Befreit die Daten!

Ich habe mich schon vor zwei Jahren sehr ueber die Stadtwerke Ulm (SWU) aufgeregt, und gerade war mir danach, es wieder zu tun. Und zwar aus demselben Grund.

Von 2001 bis 2004 haben die SWU naemlich an einem Foerderprojekt des BMWI namens “RUDY” teilgenommen. Ich kann mich noch gut an die Busbeklebung zu RUDY erinnern, und dass ich keine Ahnung hatte, was das sollte. Irgendwie lief es wohl auf die MobilSAM-Sammeltaxen hinaus, die abends in den Vororten die Busse ersetzen, die man aber vorbestellen muss und die nach 2000 Uhr 50 Cent extra kosten, auch wenn man schon eine Fahrkarte hat. Eine Sammeltaxe habe ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal benutzt, und so schnell werde ich das wohl auch nicht mehr tun, weil ich wegen der 50 Cent eingeschnappt war, von denen am Telefon niemand etwas gesagt hatte. (Manchmal bin ich nachtragend.)

Eine herausragende RUDY-Innovation ist aber wirklich toll,  naemlich die Fahrgastinformationssysteme, die an mittlerweile ziemlich vielen oft bedienten Haltestellen anzufinden sind, und die einem verraten, wann der naechste Bus oder die naechste Tram kommt. Und zur WM und EM kamen abends auch immer die Fussballergebnisse in einem Ticker ganz unten.

Jetzt bringt einem diese Anzeige nur etwas, wenn man tatsaechlich an der Haltestelle steht. Vorausgesetzt, die Haltestelle hat so eine Anzeige. Alternativ gab es ein furchtbares AJAX-Applet auf der SWU-Verkehr-Website, mit dem man durch lediglich 25 Mausklicks die GPS-gestuetzten Live-Abfahrtzeiten genau einer Linie an genau einer Haltestelle anzeigen lassen konnte. Imperfekt, wohlgemerkt, denn dieses Dings gibt es nicht mehr nur noch ueber Umwege bei ding.eu, mittlerweile offenbar sogar fuer mehrere Linien. Es gibt aber nach wie vor keine einzige Moeglichkeit, diese Daten irgendwie offiziell extern auszuwerten, obwohl die Moeglichkeiten so vielfaeltig waeren. Ein Browserplugin beispielsweise, das mir an der Uni die Abfahrtzeiten der Linie 3 anzeigt, und mich bei Bedarf fuenf Minuten vorher auf den naechsten Bus Richtung Mitte aufmerksam macht. Eine Mobilapplikation, die mir GPS-gestuetzt die naechste Haltestelle mit allen Daten anzeigt, oder meine “Lieblingshaltestellen”. Oder einfach die Emulation der FIS-Anzeigen einer bestimmten Haltestelle in der Naehe, die man dann auf einem Bildschirm in der Lobby eines Buerogebaeudes oder in der Uni-Cafete anzeigt.

Die SWU muessten dazu nichts selber entwickeln. Sie muessten nur eine Schnittstelle anbieten, ueber die man auf die Livedaten zugreifen kann, und dann die Schwarmintelligenz arbeiten lassen. Das wollen die SWU aber nicht. Betriebsdaten stelle man Dritten grundsaetzlich nicht zur Verfuegung, hiess es schon 2007. Stattdessen moege man doch einfach die Fahrplaene bemuehen, oder die Fahrplanauskunft des Handyticket.

Ich halte das fuer eine bodenlose Arroganz und Frechheit. RUDY wurde vom BMWI mit ueber 3,6 Millionen EUR aus oeffentlichen Mitteln gefoerdert. Und nur, weil man den Kunden zur Nutzung des eigenen Produkts “Handyticket” zwingen will, weigert man sich, die vorhandenen Echtzeitdaten so aufzubereiten, dass man daraus etwas basteln kann. Das darf nicht sein.

Ich habe heute wieder ein wenig recherchiert, ob es irgendein bundesweites Buendnis zur Befreiung von Daten und Einrichtung von APIs gibt. Bislang bin ich nicht fuendig geworden. Aber irgendwie wurde heute der Querulant in mir wieder geweckt und ich habe beschlossen, gegenueber den SWU und der Stadt Ulm mal so eine richtige Nervensaege zu sein, bis ich eine zufriedenstellende Antwort habe. Wer sich anschliessen moechte, melde sich in den Kommentaren.

Seltsame Strassenbahnwaegen

Verdammt, jetzt hat mich doch glatt die SWP gescoopt — das kommt davon, wenn man Artikel wochenweise in der Warteschlange haengen laesst :D

Dass ab und zu in Ulm ein Bierbaehnle auf den Strassenbahngleisen herumrollt, ist ja nichts neues. Ab und zu sieht man auch noch einen der alten gelben GT4 aus Esslingen herumfahren, die bis zur Einfuehrung der neuen Combinos polternd Passagiere durch Ulm fuhren, und gaaaanz ganz selten begegnet einem auch mal ein richtig alter Wagen, weiss gestrichen mit der Aufschrift “Staedtische Eisenbahn”.

Vor ein paar Monaten sah ich dann zum ersten Mal diesen seltsamen Wagen beim Theater fahren:

straba

Ich hatte mich zwar darueber gewundert, aber nicht weiter darueber nachgedacht, und so schlief dieses Foto auf meinem Handy vor sich hin. Bis ich kuerzlich einmal auf der Suche nach Preisen fuer eine Fahrt mit dem Bierbaehnle war. Die habe ich zwar nicht gefunden, dafuer aber einen ausfuehrlichen Artikel ueber die Ulmer Strassenbahn. Und dort wurde auch erklaert, dass es sich bei dem seltsamen neuen Strassenbahnwagen um zwei ehemalige GT8 der VAG Freiburg handelt, die zusammen ein Zweirichtungsfahrzeug ergeben (kurz gesagt: Nimm zwei Einrichtungszuege mit nur einem Steuerstand, tausche den Endwagen eines Zugs mit dem Steuerwagen des anderen, und man hat einen Zug, der in beide Richtungen fahren kann, ohne wenden zu muessen).

Das Ganze ist als Abloesung fuer den oben angesprochenen alten weissen Tw13 gedacht, den man manchmal durch Ulm quietschen sieht. Das war mal ein normales Linienfahrzeug, Baujahr 1920, das nach dem Krieg zum Schleifwagen umgebaut wurde, mit dem man waehrend der Fahrt Rost und Dreck von den Schienenkoepfen abschleift. Und der ist zweifelsfrei ein Schmuckstueck, vor allem seitdem er 2005 von orange in die klassische weisse Lackierung zuruecklackiert wurde — nur hat er mit dem Anstieg nach Boefingen so seine Probleme.

Da die SWU-Leute aber offenbar schwaebisch-sparsame Bastler sind — zum Fuhrpark gehoert auch ein selbstgebauter Schmierwagen — hatte man sich dazu entschlossen, die “alten” nicht mehr benoetigten GT8 selbst umzubauen und mit einer Schleifeinrichtung zu versehen. Da der “neue” Schleifwagen nicht rechtzeitig zur Streckeneroeffnung fertig wurde und der “alte” Tw13 keine Steilstreckenzulassung hatte, wurde der Tw13 kurzerhand von einem Combino nach Boefingen und zurueck gezogen, um die Strecke einzuschleifen. Schade, dass es davon offenbar keine Bilder gibt :)