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Geht doch mit der Mobilisierung

Wer demonstrieren moechte, hat’s in der Regel eher schwer. 2007 konnte ich immerhin so um die 80 Personen im Soundslide dokumentieren, die gegen die Vorratsdatenspeicherung demonstrierten, vor einigen Wochen standen dann nur mehr fuenf Leute bei der VDS-Mahnwache, und die SWP titelte zur letzten Ulmer Bildungsstreik-Demo, dass man sich das Demonstrieren bei gerade mal 100 Schueler*innen und Studierenden doch glatt sparen koennte.

Ich kann mir deswegen eine gewisse klammheimliche Freude nicht verkneifen, wenn es um die Anti-ACTA-Demonstrationen am kommenden Samstag geht, die europaweit stattfinden sollen. Anonymous hatte vorab ein fuer meine Begriffe leicht ueberzogenes Informationsvideo veroeffentlicht, das ich in den letzten Wochen erstaunlich oft auf Facebook verbreitet sah — auch von Leuten, die mir bislang selten im netzpolitischen Kontext aufgefallen waren. Und dieses Video wirkte offenbar als eine Art Katalysator.

Die Piraten aus Ulm und Ehingen hatten ja anfangs mit 50 Demonstrationsteilnehmern gerechnet und die Kundgebung fuer Samstag entsprechend beim Ordnungsamt Ulm angemeldet. Zeitgleich hatten einige Anons ein Facebook-Event fuer die Demonstration am Samstag und zwei vorangehende Paperstorms zur Mobilisierung angelegt: Jeweils Freitags sollte die Stadt mit Plakaten und Flyern zum Thema bestueckt werden.

Und dann gings rund.

Freitag nachmittag hatten sich 264 Menschen als Demoteilnehmer*innen auf Facebook eingetragen. Aktuell, zwei Tage spaeter, zaehlt die Seite 472 Zusagen und 349 „vielleicht“ Kommende. Selbst wenn nur ein Teil der Angemeldeten am Samstag auch teilnimmt, duerften dort je nach Witterung 250+ Personen aufkreuzen. Gar nicht schlecht.

Bis dahin sollte man sich die Einschaetzung von RA Thomas Stadler zu ACTA durchlesen, die deutlich weniger drastisch ausfaellt als das Anon-Video. Das ist jedoch kein Grund, nicht gegen die Art und Weise des Zustandekommens dieses Vertrags zu demonstrieren — und gegen die zugrunde liegenden Dogmen. Ein oeffentlicher Aufschrei ist ganz im Gegenteil sogar ueberfaellig.

//Nachtrag: qrios hat auch noch einige Argumente zusammengefasst.

Run and Gun

Prolog

Freitag, 17.xx Uhr: Bei den Eltern sitzen und feststellen, dass tags darauf eine Gruppe S21-Gegner nach Ulm kommen will, um „den Protest ins Land zu tragen“. Gruebeln.

17.38: Mail ueber den Redaktionsverteiler, da koennte man doch was machen. Warum nicht auch multimedial? Video? Wer hat Zeit?

17.51: Kollege fragt nach dem Zuiko 35/2.8 samt Adapter, das ich ihm fuer ein HDSLR-Video leihen wollte. In Ulm. Gna.

18.40–19.10: Mailinglistendiskussion, ob man ueberhaupt ueber den S21-Protest berichten soll. Beschliesse, den Widersprecher zu ignorieren.

19.20: Beschluss 1, Treffpunkt in Voehringen zwecks Objektivuebergabe, plus 50/1.8 und 28-70/2.8, um sicher zu gehen.

20.00: Beschluss 2, fahre morgen nach Ulm, um als One-Man-Show ein Soundslide von der Kundgebung zu machen. Dann faellt mir auf, dass ich gerade alle meine guten Objektive und den Zuiko-Objektivadapter verliehen habe. Gesichtspalme.

Resultat

(Direktsoundslidelink)

Naja. Ich habe den Windschutz fuer den Zoom H2 nicht mehr gefunden, was etwa ein Drittel der Aussenaufnahmen wegen des Windes ziemlich unbrauchbar gemacht hat. Alleine sowohl Audio aufzunehmen als auch Bilder zu machen, ist prinzipiell moeglich, bringt aber das Risiko grosser Text-Bild-Scheren mit sich, wie das hier auch passiert ist. Vor Ort war ich knapp 60 Minuten, die Aufbereitung im Quick-and-Dirty-Stil hat vielleicht eine gute Stunde gedauert, das ist alles sehr ertraeglich.

Insgesamt: Alles andere als hohe Kunst, aber immerhin nichts, wofuer man sich schaemen muesste.

Randnotiz: Die SWP hatte eine Volontaerin fuer die Berichterstattung abgestellt, die ich — vermutlich durch das Praktikum — zumindest vom Sehen her kannte, und mit der sich etwa folgender Dialog entspann:

„Sie sind auch von der Presse?“
„Ja. Ich kenn dich glaube ich. Du bist doch Volo im Print bei der SWP, nicht?“
„Ja. Bei der Suedwest Presse. Und du…?“
„Von Team-Ulm.“
„Ah, das ist doch dieses, aeh,…“ [enteilt zum Interviewpartner]
„…euer Medienpartner. Genau.“

Wohl doch noch nicht soweit mit der Vernetzung. Damn.

Multimediamampfen

Wer noch nicht wusste, was man alles braucht, um so Multimediakrams zu machen: Eigentlich nur Apfelschorle und Suesskram.

Ich war diesen Sommer bei der letzten Ausgabe von Run Dinner Run mit Kamera und Audiorecorder unterwegs gewesen, um meinen Spieltrieb zu stillen und mal wieder mit Soundslides zu experimentieren. Wem das nichts sagt: RDR ist sowas wie das Perfekte Dinner, nur eben an einem Abend mit ganz vielen Teams, zwischen denen von Vorspeise ueber Hauptgericht zum Dessert durchgemischt wird. Sehr spassig, inklusive anschliessender Preiskroenung im Studentencafe Ulm.

Leider musste ich bei der Aktion feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, alleine sowohl Bilder als auch Ton passend zueinander festzuhalten, wenn die Oertlichkeiten relativ schnell wechseln — insbesondere dann, wenn die Gastkoeche davon ausgegangen waren, fuer mich mitzukochen. Das war zwar journalistisch vollkommen untragbar, andererseits war das Essen einfach so furchtbar lecker, dass ich mich leider dadurch von meinem Job ablenken lassen habe. Im Endeffekt habe ich mich daraufhin eine Woche lang mit dem Quellmaterial herumgeschlagen und danach frustriert das Handtuch geworfen (nicht zuletzt auch deswegen, weil meine Kamera kaputtgegangen war und mir das die Motivation zerstoert hatte).

Sei es wie es will, am 8.11. steht die naechste Ausgabe RDR an, und das Orgateam wollte gerne doch irgendetwas vorzeigbares haben. Also habe ich mich heute nachmittag noch einmal hingesetzt, viel ummontiert und -arrangiert und schlussendlich tatsaechlich etwas halbwegs passables herausbekommen. Stolz kann ich auf das Resultat zwar nicht sein (was da genau passiert, wird einem allein vom Soundslide gar nicht klar, teilweise gabs zu wenig Bilder, Bild-Ton-Schere, etc…) aber wenigstens kann es als warnendes Beispiel dienen, dass man entweder zu zweit arbeiten oder aweng mehr mitdenken sollte, wenn man sich an so etwas macht 😉

…und jetzt bin ich heilfroh, dass die Story somit gegessen ist. Nach dem gezwungenermassen 239823492. Mal anhoeren geht einem die Tonspur naemlich unheimlich auf die Nerven — aber das ist bisher bei jedem Soundslide oder Video so gewesen 😉