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Rabbitholes um Zusatzzeichen

Wenn man entsprechend komisch im Kopf ist, kann man in wunderbare Rabbitholes rund um Verkehrszeichen und die damit verbundenen Vorschriften fallen. Ich fand den Wikipedia-Artikel um Leitkegel vor einigen Jahren etwas duerftig und das ist dann irgendwie eskaliert und ich habe ueber Kleinanzeigen einen ganzen Satz Leitkegel nach TL gekauft (das war aber auch ein Schnaeppchen, da musste ich zugreifen!), so dass ich ein Gegenueberstellungs-Foto unter Freier Lizenz fuer die Wikipedia hochladen konnte.

Links ein nicht reflektierender Leitkegel ohne Fussplatte, rechts ein voll retroreflektierender Leitkegel nach TL (Quelle)

Wenn man da aber erst einmal angefangen hat, faengt man auch an, in all die anderen Regeln erst der RSA95 und dann der RSA21 einzutauchen, und rsa-online ist dafuer einfach wunderbar. Das ist natuerlich nicht nur Wikipedia-Nerderei, sondern das hat auch eine ganz praktische Bewandtnis, wenn meine Feuerwehr auf irgendeine Weise Dinge mit verkehrsrechtlichen Anordnungen durchfuehren soll – Bayern ist meiner Kenntnis nach das einzige Bundesland, wo die Feuerwehr das tatsaechlich auch darf.

Gar kein richtiges Haltverbot, aber ein typographisch sehr interessantes Schild (Quelle)

Ein so ein typisches Problem sind voruebergehende Haltverbote, die mit Zusatztafeln mit dem Zeitraum der Gueltigkeit des Haltverbots ausgestattet werden muessen. Bei der Herstellung dieser Zusatzschilder herrscht oft grosse… Kreativitaet, wie das ausgefuehrt wird, wie auf rsa-online sueffisant beschrieben und bebildert wird. Eigentlich muessten das richtige, retroreflektierende Zeichen auf Alu mit schwarzem umlaufendem Rand und Beschriftung in DIN-Schrift in der richtigen Hoehe sein. In der Praxis sind das halt ausgedruckte Zettel, die auf ein leeres Zusatzzeichen geklebt oder geklemmt werden – oder ganz selbst ausgedachte Tafeln, bei denen das Datum mit Etiketten angepasst wird.

So ein „richtiges“ Schild mit aktualisierten Folienplots zu beschriften, ist aber leider eine lange Fummelarbeit. Daher fand ich die bei rsa-online als „fragwuerdig“ bezeichnete Idee von „Einschubschildern“ ganz charmant. Der Rand ist fix, und in ein Fenster in der Mitte kann man eine bedruckte, transparente(!) Overheadfolie vor den retroreflektierenden Hinterteil einschieben. Die Schrift erscheint damit vor reflektierendem Hintergrund – zwar sind dann das Fenster und die Folie im Weg, aber besser als nur ein aufgeklebter Zettel.

Vorgestern habe ich zum ersten Mal so ein Ding in Ulm in freier Wildbahn gesehen, und musste gleich schmunzeln. Weil die Ausfuehrung war dann genau das „wie man es nicht macht“, was auf rsa-online beschrieben ist: Auf Papier, falsche Schriftart, und dann auch noch mit eigenem schwarzen Rand auf dem Papier. Dafuer haette man den Mehrpreis nicht bezahlen muessen 😀

Der YouTuber Plankton hatte derweil Ende 2023 ein Video ueber „Verkehrshuetchen“ gemacht, das intensiv auf den Wikipedia-Artikel zurueckgriff, den ich mit erweitert hatte. Die Info ueber die Erfindung von Charles D. Scanlon im Plankton-Video ist halt ohne Scheiss von mir in dewiki eingebracht worden, genauso wie die Info mit den bemalten Oelfaessern, die zu toedlichen Unfaellen fuehrten 😀
Und im Februar 2026 traf ich auf jemanden, der noch obsessiver mit der RSA und Leitkegeln umgeht als ich: Weil in den Kommentaren zum Leitkegel-Artikel tauchte jemand auf, die oder der historisch korrekte Leitkegel 3D-Drucken wollte, Wikipedia zu rate zog aber mit der Info nicht zufrieden war und extra ins Bundesgesetzblatt von 1970 blickte und anmerkte: Ey, die grafische Darstellung in der Wikipedia stimmt eventuell nicht. Seite 41 im PDF sagt: Jo, ich glaub, der Einwand ist berechtigt. Der von mir stolz 2023 in Berlin gefundene „alte“ Leitkegel koennte mit dem ganz kleinen weissen Teil oben mit der alten Bildtafel uebereinstimmen – aber das Sinnbild mit dem grossen weissen Teil oben auf Wikimedia Commons scheint einfach falsch zu sein. Kudos, fellow nerd!