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GPS-Nerdereien

Momentan bin ich noch auf der Suche nach einer guenstigen Kompaktkamera in der 100-EUR-Klasse, die ich mit auf die Reise mit Raimar nehmen kann. Die DSLR werde ich wohl auch mitnehmen (in Minimalausstattung, ohne Batteriegriff etc.), aber auf Staedtereisen hat es mir bisher immer riesigen Spass gemacht, aus der Huefte heraus Bilder mit der Kompakten zu machen (die mittlerweile leider einmal zu oft heruntergefallen ist)

Ueber DonVanone bin ich aber auf die Idee aufmerksam geworden, doch vielleicht einen gescheiten GPS-Tracker zu kaufen, mit dem man die Reiseroute aufzeichnen und hinterher die Bilder verorten koennte.

Ja, eigentlich gesponnen. Aber fuer 160 EUR momentan irgendwie sehr reizvoll.

Muss. innerem. Nerd. widerstehen.

Netzpräsenz oder Unbedeutsamkeit

Neulich habe ich mich mit einer frueheren Freundin unterhalten, die derzeit in Berlin eine Ausbildung zur Fotografin macht. Obwohl sie dort wohl auch Mediengestalterisches beigebracht bekommt, hat sie keine Website, was mich sehr verwundert hat — sie aber nicht weiter zu stoeren scheint. Mich hat das nachdenklich gemacht.

Fotografie ist meines Erachtens gerade auf demselben Weg wie Journalismus: Es gibt einige wenige Platzhirsche, die einfach so sagenhaft gut sind, dass sie einen riesigen Vorsprung zum Rest des Feldes haben. Auf der anderen Seite ist das Internet aber mittlerweile der grosse Gleichmacher: Erstens war es nie so leicht wie heute, an vielfaeltigste Informationen und Tutorials wie zum Beispiel das Strobist 101 zu kommen, um sich fortzubilden und besser zu werden. Zweitens war es aber auch nie einfacher, selbst Informationen zu veroeffentlichen, sein Wissen zu teilen und sich einen Namen zu machen. Die bei weitem beste US-Wahlprognose kam von keinem professionellen Prognoseinstitut, sondern von einem Baseball-Analysten. Nate Silvers Prognose auf seiner Seite Fivethirtyeight.com war unglaublich genau, wie Andrew Sullivan anerkennend berichtet:

The only state their model got wrong was Indiana, where they expected a narrow Obama loss. He won the state by a hair. Nate Silver owned this election on the polling front: one young guy with a background in baseball stats beat out the mainstream media in a couple of months.

Was aber bedeutet das jetzt fuer den Nachwuchsfotografen oder das nicht ganz so ewiggestrige Medienhaus? Ich behaupte, dass eine Nische keine Sackgasse, sondern eine Chance ist. Niemand kann alles perfekt machen, deswegen moechte man sich auf das spezialisieren, was man verdammt gut kann. Ein perfekter Stabhochspringer muss nicht auch schnell fahrradfahren koennen, also wird er die Finger davon lassen. Wer sich spezialisiert, hat in der Regel nur von anderen Spezialisten Konkurrenz — wenn es die denn gibt — und kann leichter von denjenigen gefunden werden, die gezielt nach so etwas suchen. Wenn man denn auf der Hoehe der Zeit ist, und entsprechend auch im Netz gefunden werden kann.

Ja, auf der Hoehe der Zeit zu sein, ist in Deutschland derzeit naemlich auch eine Nische, wie Robert Basic neulich schon bemaengelte (Lesenswerte Kommentare!). Am Tag nach der US-Wahl beide Kandidaten aufs Cover hieven, weil man ja mitten in der Auszaehlung Redaktionsschluss war? Wozu habt ihr denn eine Website, Teufel nochmal! Am Tag darauf hatte die Meldung doch schon so einen Bart — wer sich fuer die Ergebnisse interessiert hat, war bereits bei den Platzhirschen im Netz, oder hat gegoogelt.

Diese Nische „auf Hoehe der Zeit“ sollte auch der Nachwuchsfotograf besetzen und sich ein aussagekraeftiges Portfolio ins Netz stellen — und zwar moeglichst gestern, zur Not noch heute, keinesfalls erst morgen. Martin Schoeller und Annie Leibowitz ausgenommen, die kennt eh jeder. Aber habt ihr schon von Wolfgang Schnurzelhuber gehoert? Nein? Doof, Google kennt ihn auch nicht. Chance: Verpasst. Auftrag: Weg. Wichtiger Kontakt: Nie geknuepft. Mundpropaganda gibt es, und sie wirkt auch. Moeglichst gut wirkt sie aber, wenn auch der moegliche Auftraggeber am anderen Ende der Republik genau so jemanden wie dich sucht, und nur mal eben deinen Namen in die Suchmaschine eintippen muss, um an erster Stelle dein natuerlich hervorragend aufbereitetes Portfolio zu sehen.

Er koennte den wunderbaren Nachwuchsfotografen natuerlich auch anrufen und um die Zusendung seiner Mappe bitten. Einen zweiten Namen bei Google einzugeben geht aber schneller. Chance verpasst. Nicht falsch verstehen: Die Mappe braucht’s auf jeden Fall. Spaeter. Nachdem das Online-Portfolio ueberzeugt hat.

Ich habe noch eine zweite Seite, auf der ich meine Amateurfotos und vor allem meine gesammelten Informationen zu den 45er-Stabblitzen von Metz veroeffentliche. Eigentlich ist das hauptsaechlich ein Datengrab (gigabyteweise Speicher ftw!) mit ein paar Informationen zu Fotografie, aber dennoch stolpert alle paar Tage jemand mit dem Suchbegriff „Fotograf Ulm“ oder „Fotografie Ulm“ auf die Seite. Die deutliche Mehrzahl sucht nach dem Metz-Kram, aber selbst ohne grossartige SEO-Massnahmen findet man mich da irgendwo auf Seite 3 oder so, wenn man als Ulmer ein Foto von sich machen lassen will.

Wer in einer „richtigen“ Grossstadt mit entsprechend mehr darbenden Fotografen wohnt, oder einen so alltaeglichen Namen wie ich traegt, hat es natuerlich etwas schwerer, bei den Suchergebnissen oben zu landen. Das waere dann aber nur ein Grund mehr, sofort den Grundstein fuer die eigene Netzpraesenz zu legen. Und A., mit deinem seltenen Namen hast du erst Recht keine Ausrede — und mit deinem einmaligen Kuenstlernamen schon gleich dreimal nicht 😀

Metz-Power

Das habe ich schon ewig in der Schublade und will es jetzt einfach mal loswerden. Auf meiner Metz-Fanseite kann man sich ja schon seit geraumer Zeit ein Bild davon machen, wie sehr ich die „alten“ Metz 45-Stabblitze mag, weil sie einfach jede Menge Lichtleistung mitbringen. Dort schreibe ich auch, dass fuer die 45er-Serie 90 Ws als Leistung angegeben werden. Das scheint ja nicht viel im Vergleich zu den ganzen China-Monoblocks, die fuer „schlappe“ 140 EUR eine Leistung von 260 Ws mitbringen. Denkste.

Dieter Deinert hat mich per Mail darauf hingewiesen, dass man die gespeicherte Leistung eines 45er Metz einfach berechnen kann: Der Kondensator hat eine Kapazitaet von 1700 µF bei 360 V, das ergebe dann insgesamt (360 V)² * 0,0017F == satte 220 Wattsekunden, die aus dem Kondensator in die Blitzroehre fliessen.

Fuer die Korrektheit dieser Rechnung kann ich nicht buergen, und ich weiss auch, dass das ein Vergleich von Aepfeln und Birnen ist*. Interessant ist es aber allemal — und wenn man im Hinterkopf behaelt, dass das chinesische 260-Ws-Blitzwunder mit Standardreflektor mit Leitzahl 50 angegeben wird, schneidet so ein alter Metz mit seinen rechnerischen 220 Ws und LZ45 gar nicht mehr so schlecht ab.
Zumal er fuer 40 EUR bei ebay zu haben ist, mit Akkus funktioniert und sich mit mecamat auf 1/64 regeln laesst.

Mehr geeky Technikgeschwurbel und auch praktisches Zeug nebenan bei shutterworks.

*Nachtrag: Falls das nicht klar wurde, das ist im Prinzip eine Milchmaedchenrechnung, da die Blitzroehren im Metz kleiner sind als in einem normalen Blitzkopf. Dadurch ergeben sich wieder andere Wirkungsgrade, zu Ungunsten des Metz. Interessant ist es allemal, insbesondere angesichts des um den Faktor drei und mehr verschiedenen Preises.