
Ich habe neulich in einer kleinen Runde nach einem Bild gesucht, mit dem man die versteckten Kosten vermeintlich kostenloser Angebote mit Lock-in-Effekten irgendwie erklaeren kann.
Wenn man irgendeinen Dienst in skalierend fuer entsprechend grosse Nutzendengruppen aufsetzen will, kostet das direkt sichtbar Geld. Der Kostenfaktor fuer Serverinfrastruktur ist dabei meist gar nicht der ausschlaggebende. Vielmehr ist es die Zeit, die fuer das Setup und vor allem die regelmaessige Wartung und Fehlerbehebung draufgehen.
Diese Kosten kann man entweder direkt sehen – wenn das Menschen im bezahlten Arbeitskontext machen, ist das eben die Zeit, die entweder der Kostenstelle „bau und warte System Y“ zugeordnet wird, oder eben nicht mehr fuer andere Aufgaben zur Verfuegung steht. Oder es sind nicht direkt finanziell abbildbare Kosten – im Ehrenamtskontext bindet das Zeit von denjenigen, die das bauen und betreiben, und meist endet das ja nicht mit dem System, und irgendwann ist es aus Versehen eine tragende Saeule der Infrastruktur der Ehrenamtsgruppe geworden, und wenn irgendwas klemmt oder umfaellt, koennen zig andere Leute nicht mehr wie gewohnt weiterarbeiten.
Irgendeinen „kostenlosen“ Dienst zu nutzen, verursacht zunaechst gar keine sichtbaren Kosten. In Wirklichkeit stimmt das aber natuerlich nicht. Je laenger man so einen Dienst als Organisation nutzt, desto hoeher werden die Folgekosten zu genau dem Zeitpunkt, wenn man ihn irgendwann nicht mehr nutzen will oder kann.
Das fiel mir dieser Tage wieder ein, als Bianca Kastl auf Mastodon erzaehlte, dass Unternehmen Stellen abbauen und durch „KI“ (Sammelbegriff) ersetzen wuerden, weil das angeblich Kosten einspare.
Meine Antwort:
Gluecklicherweise habe ich gerade eben das Foto wieder gefunden, das ich im November 2010 von Ernst Abrazzo zugeschickt bekam. Der war im mittlerweile zum Lost Place gewordenen Blautal-Center einfach an einer dauer-offen stehenden Schranke vorbei aus dem Parkhaus gefahren und behielt aber die Parkkarte. Danach ging er dann alle paar Monate mal schauen, was er mittlerweile fuer die Ausfahrt zahlen muesste.
11790 EUR mit maximal 20-EUR-Scheinen sind uebrigens z. B. 589 20-EUR-Scheine und ein 10-EUR-Schein. Laut Sparkasse ist ein Buendel mit 100 50-EUR-Scheinen 1,2 cm hoch. Wenn wir annehmen, dass 20-EUR-Scheine gleich dick sind wie 50-EUR-Scheine, benoetigen die 590 Scheine nur 7 cm Raum im Parkautomaten – bei idealer Packung ohne jedweden Platz zwischen den Scheinen z.B. fuer Luft.
Ich kann nicht mehr nachvollziehen, was fuer einen Scheinakzeptor dieser Parkautomat von damals gehabt haben koennte, typische Akzeptoren koennen aber in der Regel zwischen 200 und 2000 Banknoten annehmen. Man koennte 11790 EUR also in einer Mischung von 20-, 10- oder gar 5-EUR-Noten bezahlen – wenn der Akzeptor nicht an eine Hoechstmenge von Banknoten pro Zahlungsvorgang laeuft.
Ist das denn auch zeitlich machbar? Theoretisch ja: Wenn man jede Sekunde einen Schein in den Automaten steckt, der auch sofort akzeptiert und nicht zurueckgewiesen wird, stuende man beinahe 10 Minuten an diesem Automaten. Vermutlich schafft man diese Quote aber nicht und steht laenger dort. Die Chance ist hoch, dass in der Zeit andere Menschen hinter einem in der Schlange stehen, die eigentlich gerne auch ihre Parkgebuehr entrichten wollen wuerden. Manchen Leuten ist sowas unangenehm, aber vermutlich kommt man nicht in eine Lebenssituation, in der man einfach aus Jux 11790 EUR in einen Parkautomaten steckt, wenn einem aeussere Umstaende allzuviel ausmachen. Dann kann und sollte man aber natuerlich fuer eine ausreichende Bewachung der Situation sorgen – denn wenn eine Person hinter einem minutenlang zusieht, wie man tausende Euro in einen Automaten steckt, koennte man nach nur wenigen Minuten im Kopf grob ueberschlagen, welche Summe sich auch jetzt noch in der Hand der einzahlenden Person befindet und ob man den Zahlungsvorgang nicht mal kurz unterbrechen wollen wuerde.