Am Gitter

Als ich vorhin vom Fundamt zurueck zur WG durch die Stadt spazierte, standen am Kornhaushof schon die Hamburger Gitter, samt zweier bulliger Herren, die sich beim Naeherkommen als Beamte der PD Ulm entpuppten und offenbar Appetit auf meine gerade gekaufte Tiefkuehlpizza hatten. Ich war einerseits amuesiert und zweitens neugierig auf die Absperrmassnahmen rund um den zu erwartenden heutigen Protest gegen das NPD-Flaggschiff (siehe auch) und unterhielt mich deswegen kurz mit ihnen und einer aelteren Dame, die neugierig die Absperrung beaeugte und wissen wollte, was da los sei, was das besondere an den Hamburger Gittern sei und wie das denn so als Polizei sei, dazwischenzustehen.

Die Polizisten waren noch gut gelaunt und erzaehlten wieder einmal die aus ihrer Sicht sicher verstaendliche Geschichte, dass es doch am besten sei, wenn „die Rechten“ ignoriert wuerden und sich damit „zum Affen machten“, anstatt dass „die Linken“ Gegendemos veranstalteten und sie dann dazwischen stuenden. Nachdem die betagte Dame sich zeigen liess, wie schwer man die Hamburger Gitter von der Schutzseite her bewegen koenne („da kann man dann einfach auf die Finger hauen“) und dass die auch nicht umfielen, wenn sie darauf klettern wuerde, konnte ich es mir doch nicht verkneifen, ihr grinsend zu erzaehlen, dass einige ihrer Stuttgarter Altersgenossinnen das sicher auch schon beim Protest fuer oder gegen gewisse Bahnhoefe erlebt haetten, und dass man natuerlich keinesfalls nur als „Rechter“ oder „Linker“ eine Demonstration besuchen koenne, sondern das fuer alle Alters- und Interessensgruppen oft ein lehr- und erkenntnisreiches Erlebnis ist. Mehr BuergerInnen auf Demonstrationen, quasi.

Das schien ihr einzuleuchten, und als schwaebische Buergerin war die folgende Frage beinahe schon vorherzusehen: Ob denn NPD oder Gewerkschaftsbund (als Anmelder der „linken“ Gegendemo) den Polizeieinsatz bezahlen wuerden. Nein, versicherten die Beamten ernst, das gehoere halt zu ihrem Beruf. Nein, versicherte ich, Schalk im Nacken sitzend, das sei ja keine Facebookparty. Das schien die Frau ein wenig zu ueberraschen — die Erklaerung eines der Beamten, dass Facebookparties nicht unter die Demonstrationsfreiheit fielen, sondern unter… aehm… oeh… nicht unter die Demonstrationsfreiheit, schien dann aber wieder einzuleuchten.

Ich hakte dann nicht weiter nach. Nicht, ob unsere neulich im Alten Friedhof veranstaltete WG-uebergreifende Nach-Schwoermontags-Tafel als Edupad-Party auch darunter gefallen waere (siehe Bild unten). Und auch nicht, ob die auffallend zurueckgezogenen Polizeiabsperrungen zwischen Kornhaus und der mit Ulm-gegen-Rechts-Bannern beflaggten Volkshochschule wirklich reichen wuerde, um eine (taktisch so recht einfach durchzufuehrende) Blockade der drei Zugangspunkte zu verhindern.

Das eigentlich eher buergerliche denn „linke“ Buendnis Ulm gegen Rechts ruft indes zur Gegenkundgebung auf. Treffpunkt ist 1530 am Haus der Gewerkschaften am Weinhof.

//addendum: Das Studentenwerk Ulm reisst mal wieder die Latte fuer die schoenste Facebook-Stellungnahme:

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Ein Trackback

  • Von Charlottesville | stk am 16. August 2017 um 17:51 Uhr veröffentlicht

    […] reicht das endlich als Argument, warum man Nazis nicht einfach protestieren und „sich zum Affen machen“ lassen sollte, und vielleicht bekommt ihr somit auch mal die Argumente untergebracht, warum man […]

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