Alkohol, Selbstsicherheit und Feminismus

Nein, nicht zusammen, sondern drei Linktipps:

Einmal hat Julia Schramm alias @lamprintemps fuer Telepolis einen Artikel zum offenbar grassierenden Problem einer ganzen Menge Netznerds mit dem Thema Feminismus geschrieben. Vieles davon wirkt fuer mich stimmig, und da tauchen auf einmal ganz spannende Theorien auf:

Denn in erster Linie ging es in dem Workshop um das Lokalisieren der Ablehnung „des Feminismus“ (und ja, als Feministin erscheint es absurd, diese Frage überhaupt zu stellen!) – und die Antworten waren nicht überraschend für mich, dabei jedoch entlarvend und für den Diskurs durchaus fruchtbar.

[…] Und da findet sich auch der erste Hinweis für die Vermutung, dass es bei der Ablehnung des Feminismus nicht um inhaltliche, sondern eine emotionale handelt. Und so geht es ans Eingemachte. Die Teilnehmer berichteten von ihrem Dasein als frauenferne Nerds, von den Demütigungen in der Pubertät und der gefühlten Ohnmacht gegenüber Frauen. Es wird deutlich: Mit der Behauptung Frauen seien strukturell benachteiligt wird die eigene Erfahrung konterkariert, der Schmerz, die Demütigung scheinbar negiert.

Antifeminismus dieses Mal nicht einfach nur wegen akutem Nicht-Beschaeftigenwollens und Unkenntnis der eigenen vielfaeltigen Privilegien gegenueber, sondern gar die Negation der Privilegien? Interessant. Dass Julia gerade gescheissestuermt wird, ist „natuerlich“ klar. Ich wuerde ihr erst einmal einzig vorwerfen, dass ihr Artikel — wieder einmal — wirklich aufmerksam gelesen werden will. Geht natuerlich noch fachsprachlicher, aber das ist jetzt auch kein Argument.

Andersherum wird’s mit der Selbstsicherheit aber auch nicht besser. „Don’t Blink! The Hazards of Confidence!“ (nytimes.com, via @naturalismus) von Daniel Kahneman beleuchtet die Ueberschaetzung der eigenen Schluesse, angefangen von der eigenen Armeeerfahrung Kahnemans bis zur Selbsteinschaetzung von Tradern:

We are prone to think that the world is more regular and predictable than it really is, because our memory automatically and continuously maintains a story about what is going on, and because the rules of memory tend to make that story as coherent as possible and to suppress alternatives. Fast thinking is not prone to doubt.

[…] I coined the term “illusion of validity” because the confidence we had in judgments about individual soldiers was not affected by a statistical fact we knew to be true — that our predictions were unrelated to the truth. This is not an isolated observation. When a compelling impression of a particular event clashes with general knowledge, the impression commonly prevails. And this goes for you, too. The confidence you will experience in your future judgments will not be diminished by what you just read, even if you believe every word.

Manch einer, der nicht von Haus aus mit hohem Selbstvertrauen ausgestattet ist, meint ja, dem mit Alkohol nachhelfen zu koennen. Zum Beispiel, wenn man Nerd ist und was mit Frauen anfangen will. Alles Quatsch, sagt Sozialantrophologin Kate Fox in einem Artikel fuer die BBC (via Udo Vetter):

The problem is that we Brits believe that alcohol has magical powers – that it causes us to shed our inhibitions and become aggressive, promiscuous, disorderly and even violent.

But we are wrong.

[…]The effects of alcohol on behaviour are determined by cultural rules and norms, not by the chemical actions of ethanol.

Na denn.

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