Der Koenig ist los

Edit, 2015-01-7: Das Netz vergisst. Die Koenig-Tiraden sind nicht mehr auffindbar, das am Ende angefuegte Video depubliziert, und zwei der drei Buecher bei der bpb vergriffen. Bei Louise Richardson kann Amazon oder der oertliche Buchhandel weiterhelfen.

Sarrazin poltert mal wieder, und es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis Aaron Koenig ihm beipflichten wuerde.

Hier deswegen mal drei Buchempfehlungen aus dem Sortiment der bpb, mit deren Hilfe man einerseits Wissen ueber diverse Tellerraender hinweg aufbauen, und andererseits sowohl Sarrazin als auch Koenig ein wenig besser verorten kann.

Zuerst einmal ist das „Der islamische Weg in den Westen“ von Olivier Roy, der relativ ausfuehrlich darlegt, woher die von manchem wahrgenommene Fundamentalisierung islamischer Zuwanderer kommt. Menschen, die in ein fremdes Land kommen, und mit ihrer Kultur recht alleine dastehen, finden als gemeinsamen Nenner zur umma, zusammen mit Muslimen ganz anderer Kulturkreise. Kultur und Religion werden entkoppelt, und der Islam zum gemeinsamen, identitaets- und gemeinschaftsstiftenden Merkmal.

Zusammengehoerigkeitsgefuehl anhand einzelner gemeinsamer Merkmale ist an sich nichts neues. Aus Bayern, Friesen, Berliner und vielleicht sogar Oesterreichern werden irgendwie „Deutsche“ (oder zumindest „Deutsch sprechende“), wenn sie fern der Heimat aufeinandertreffen. Ein Kamerad (dieses Wort schon!) des Cave City Fire Department hat mir damals einen blumigen Kommentar ueber die „Brotherhood of firemen all over the world“ ins Reiseblog geschrieben.

Die Frage ist also, warum gerade islamische Einwanderer Parolen wie die Sarrazins und Koenigs hervorrufen. Koenig wird nicht muede, den Islam als politische Bewegung mit Allmachtsanspruch darzustellen, und auch die Keule vom islamistischen Terroristen, der gegen den Westen ankaempft, wird oft geschwungen.

Einen Realitaetscheck vermittelt „Was Terroristen wollen“ von Louise Richardson, die Punkt fuer Punkt aufschluesselt, welche Faktoren dazu fuehren, dass selbst Kinder reicher Familien zu Bombenattentaetern werden. Spoiler: Gesellschaftliche bzw. kulturelle Entwurzelung, eine klare Abgrenzung zum Gegner, eine charismatische Fuehrungspersoenlichkeit und eine rechtfertigende Ideologie sind wichtige Eckpfeiler. Das kann man nun zwar ganz klar auf Religionen ummuenzen (und das geschieht ja tatsaechlich), Religionen sind jedoch immer nur Rechtfertigungsgrund, nicht ursaechliche Ausloeser. Oder, wie Franz Radermacher einmal in einem Vortrag sagte, wenn sich in Nordirland Katholiken und Protestanten die Koepfe einschlagen, hier an der Bayerisch-Wuerttembergischen Grenze aber nicht, muss die Ursache woanders liegen.

Das Buch schien mir stellenweise etwas holprig uebersetzt, das englische Original kostet aber auch mehr als doppelt so viel.

Der Tuerkei hat sich Koenig auch gewidmet. Naja. An der Oberflaeche gekratzt. Tiefergreifend und trotzdem leicht verstaendlich gibt es das fuer wenig Geld auf 128 Seiten von der bpb.

Last, but not least, hat sich die tagesschau-Redaktion ein Lob fuer dieses kleine Dossier verdient, das inhaltlich auf Sarazzins Behauptungen eingeht.

Wir schliessen mit Pispers. Weil’s passt.

3 Gedanken zu „Der Koenig ist los

  1. Moritz

    Ich wollte eh schon seit längerem mal bei der bpb im Archiv rumwühlen, da passt dein Beitrag ganz gut und „Was Terroristen wollen“ klingt von der Beschreibung her sehr interessant, das werde ich mir wahrscheinlich bestellen.

    Die Ausländer-Nummer von Pispers kenn ich zwar schon, ist aber immer wieder gut 🙂

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  2. Moritz

    Achso, und zu unserem hoch geschätzten Aaron: Vermutlich die größte Lachnummer im Internet in den vergangenen zwei Jahren. Dem Herrn König ist doch alles egal, solange er ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt. Bin gespannt, wie seine Partei Die Freiheit bei irgendwelchen Wahlen abschneidet bzw. ob sie überhaupt irgendwo bei irgendwas antreten darf…

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    1. stk Beitragsautor

      Aufschlussreich war hier eine Unterhaltung im BTW-Wahlkampf 2009 mit einem parteilosen Vertreter. Mir faellt leider der Name nicht mehr ein, und im Blog finde ich das nicht mehr, aber der kannte Koenig bereits — weil der zuvor bei seiner Partei gewesen, auch gleich Fuehrungsaemter uebernommen habe, um dann auch Knall auf Fall wieder zu verschwinden, als das Wahlergebnis dann wohl doch nicht so ausfiel, wie er sich das vorgestellt habe.

      Mir tut nur leid, dass ich den Kerl nicht schon vorher durchschaut habe.

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