Bewusstsein bekommen statt verurteilen

Titelbild von NullProzent, cc-by-nc

Ich werde mich nicht einmal ansatzweise aus dem Fenster lehnen, was die Zulaessigkeit der Fluchtwegefuehrung bei der fatalen Loveparade in Duisburg angeht. Erstens, weil ich die Rechtslage in NRW nicht kenne, und zweitens weil ich die Oertlichkeit und das Brandschutzkonzept noch nie gesehen habe.

Was den Tunnel angeht: In manchen Bundeslaendern genehmigen die jeweiligen Versammlungsstaettenverordnungen auch Fluchtwege, die baulich ueberdeckt sind. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass der Tunnel der einzige abgenommene Fluchtweg ist. In BaWue spricht man von 1,20 Metern lichter Weite pro 600 Veranstaltungsgaesten, das muesste dann schon ein 2,3 Kilometer breiter Tunnel sein. Sowas genehmigt keiner, jedenfalls hoffe ich das.

Nicht zuletzt soll ein Besuchermob im Notfall auch aufgeteilt werden — auch dafuer sind in Veranstaltungsbauten „Wellenbrecher“ Pflicht. Niemand hat etwas davon, wenn auf einmal alle durch denselben Ausgang rennen.

Was ich aber aus der Praxis sagen kann: In der Realitaet geht sowas oft nach hinten los. Wenn eine Masse mal rennt, rennt sie. Und nachdem das Aufhaengen von Fluchtwegeschildern von vielen Veranstaltern als laestige Pflicht empfunden wird, sind die — offiziell abgenommenen — Fluchtwege oft nicht so erkennbar, wie auf dem Papier genehmigt.

Ein Bewusstsein dafuer, dass es wichtig sein koennte, schnell die ausgewiesenen Fluchtwege in der ansonsten wegen womoeglich einsteigender „Schwarzgaeste“ hermetisch abgeriegelten Umfriedung zu oeffnen, finde ich ebenfalls selten.

Von Vorverurteilungen irgendwelcher Leute ohne genaue Kenntnis der Genehmigung, Vorschriften und Objektlage halte ich jedenfalls nicht. Das schlimmste fuer mich ist, dass dieser Vorgang „endlich“ mal ein abschreckendes Beispiel waere, das man bei der Abnahme von Veranstaltungen vorbringen kann. Aber ich habe schon die Antwort in den Ohren: „Das waren eineinhalb Millionen Leute, das ist ja ganz was anderes“.

Denkste.

Ein Gedanke zu „Bewusstsein bekommen statt verurteilen

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