Befreit die Daten!

Ich habe mich schon vor zwei Jahren sehr ueber die Stadtwerke Ulm (SWU) aufgeregt, und gerade war mir danach, es wieder zu tun. Und zwar aus demselben Grund.

Von 2001 bis 2004 haben die SWU naemlich an einem Foerderprojekt des BMWI namens “RUDY” teilgenommen. Ich kann mich noch gut an die Busbeklebung zu RUDY erinnern, und dass ich keine Ahnung hatte, was das sollte. Irgendwie lief es wohl auf die MobilSAM-Sammeltaxen hinaus, die abends in den Vororten die Busse ersetzen, die man aber vorbestellen muss und die nach 2000 Uhr 50 Cent extra kosten, auch wenn man schon eine Fahrkarte hat. Eine Sammeltaxe habe ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal benutzt, und so schnell werde ich das wohl auch nicht mehr tun, weil ich wegen der 50 Cent eingeschnappt war, von denen am Telefon niemand etwas gesagt hatte. (Manchmal bin ich nachtragend.)

Eine herausragende RUDY-Innovation ist aber wirklich toll,  naemlich die Fahrgastinformationssysteme, die an mittlerweile ziemlich vielen oft bedienten Haltestellen anzufinden sind, und die einem verraten, wann der naechste Bus oder die naechste Tram kommt. Und zur WM und EM kamen abends auch immer die Fussballergebnisse in einem Ticker ganz unten.

Jetzt bringt einem diese Anzeige nur etwas, wenn man tatsaechlich an der Haltestelle steht. Vorausgesetzt, die Haltestelle hat so eine Anzeige. Alternativ gab es ein furchtbares AJAX-Applet auf der SWU-Verkehr-Website, mit dem man durch lediglich 25 Mausklicks die GPS-gestuetzten Live-Abfahrtzeiten genau einer Linie an genau einer Haltestelle anzeigen lassen konnte. Imperfekt, wohlgemerkt, denn dieses Dings gibt es nicht mehr nur noch ueber Umwege bei ding.eu, mittlerweile offenbar sogar fuer mehrere Linien. Es gibt aber nach wie vor keine einzige Moeglichkeit, diese Daten irgendwie offiziell extern auszuwerten, obwohl die Moeglichkeiten so vielfaeltig waeren. Ein Browserplugin beispielsweise, das mir an der Uni die Abfahrtzeiten der Linie 3 anzeigt, und mich bei Bedarf fuenf Minuten vorher auf den naechsten Bus Richtung Mitte aufmerksam macht. Eine Mobilapplikation, die mir GPS-gestuetzt die naechste Haltestelle mit allen Daten anzeigt, oder meine “Lieblingshaltestellen”. Oder einfach die Emulation der FIS-Anzeigen einer bestimmten Haltestelle in der Naehe, die man dann auf einem Bildschirm in der Lobby eines Buerogebaeudes oder in der Uni-Cafete anzeigt.

Die SWU muessten dazu nichts selber entwickeln. Sie muessten nur eine Schnittstelle anbieten, ueber die man auf die Livedaten zugreifen kann, und dann die Schwarmintelligenz arbeiten lassen. Das wollen die SWU aber nicht. Betriebsdaten stelle man Dritten grundsaetzlich nicht zur Verfuegung, hiess es schon 2007. Stattdessen moege man doch einfach die Fahrplaene bemuehen, oder die Fahrplanauskunft des Handyticket.

Ich halte das fuer eine bodenlose Arroganz und Frechheit. RUDY wurde vom BMWI mit ueber 3,6 Millionen EUR aus oeffentlichen Mitteln gefoerdert. Und nur, weil man den Kunden zur Nutzung des eigenen Produkts “Handyticket” zwingen will, weigert man sich, die vorhandenen Echtzeitdaten so aufzubereiten, dass man daraus etwas basteln kann. Das darf nicht sein.

Ich habe heute wieder ein wenig recherchiert, ob es irgendein bundesweites Buendnis zur Befreiung von Daten und Einrichtung von APIs gibt. Bislang bin ich nicht fuendig geworden. Aber irgendwie wurde heute der Querulant in mir wieder geweckt und ich habe beschlossen, gegenueber den SWU und der Stadt Ulm mal so eine richtige Nervensaege zu sein, bis ich eine zufriedenstellende Antwort habe. Wer sich anschliessen moechte, melde sich in den Kommentaren.

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