Stell dir vor, es ist SoNaFe, und keiner hat Strom

Das internationale SommerNachtsFest kurz vor dem Sommerlernendspurt ist die groesste Party, die auf dem Gelaende der Uni Ulm stattfindet. Waehrend die anderen Parties im Herbst und Fruehling zwangslaeufig im Forum O25 stattfinden muessen (BECI, O27, Physikumsparty, Viva la Wima, FeBo,..), war das SoNaFe bisher immer die einzige Outdoor-Uniparty im Innenhof der Zahnklinik. Wegen Umbauten ging das aber nicht, also beschloss man in diesem Jahr kurzerhand, die Party in den riesigen Innenhof zwischen den Gebaeuden 45 und 47 der Uni West zu verlegen. Nur mal so als Vergleich per Luftbild: Alt (die zwei umschlossenen Innenhoefe) und neu (der gesamte GROSSE Innenhof). Oder, um es kurz zu sagen, dieses SoNaFe war das groesste SoNaFe aller Zeiten. Und vermutlich auch das kritischste 🙂

laaaaaange Schlange schon frueh abends

laaaaaange Schlange schon frueh abends

Die ganze Woche vor dem Fest hatte es geregnet, und selbst am Mittag goss es noch einmal wie aus Kuebeln. Ich hatte mit der Organisation nichts am Hut und war auch ganz froh darueber, als nachmittags ganze Sturzbaeche den James-Franck-Ring heruntergurgelten. Die gesamten Rasenflaechen im Westen scheinen aber wunderbare Drainagen zu haben, denn nur eine Stunde spaeter war nicht nur keine einzige Wolke mehr zu sehen, sondern auch der gesamte Rasen trocken und fest. Erstes merkliches Aufatmen beim Orga-Team, das schon seit dem Vorabend mit dem Aufbau beschaeftigt war, und endlich nicht nur metaphorisch endlich schoenes Wetter sah.

Bis 17 Uhr 45.

Piepsende USV-Geraete bedeuten in der Regel nichts gutes. Ich hatte mir eigentlich nichts weiter gedacht, als der Laptop-Bildschirm auf einmal dunkler wurde, die Kommentare der anderen im FS-ET-Buero liefen auf etwas a la „Klar, werden die halt in der Suedschiene den Strom abgestellt haben, wegen der Party“ hinaus. Also, das Netbook eingepackt und raus aufs Festgelaende, vielleicht braucht man dort ja noch helfende Haende. Erst als ich draussen die verkniffenen Mienen der AStA-Anlagen-Referenten sah, war klar, dass hier etwas nicht so ganz stimmen konnte. Das stellte sich kurze Zeit spaeter als Untertreibung heraus. Nach eiligen Telefonaten ueber die (batteriegepufferte) Haustelefonanlage stellte sich heraus, dass die komplette Uni West vollkommen ohne Strom war. Wer koennte wissen, was Sache ist? Leitwarte? Ein Telefonat spaeter war klar, dass die Leitwarte bereits Bescheid wusste — schliesslich hatten sich bei denen gerade so etwa tausend Fehlermeldungen ausfallender Netzsegmente auf dem Bildschirm angehaeuft.

sonafe_3db

Was danach passierte, fasziniert mich immer noch. Keine Panik, kein Stress — obwohl das gesamte Fest auf der Kippe stand, machte jeder mit seiner Arbeit weiter, waehrend eine Loesung fuer das Stromproblem gesucht wurde. Die Telefonanlage wuerde noch wenigstens drei Stunden funktionieren, wahrscheinlich laenger, soviel stand fest. Strom musste aber auf jeden Fall her, sonst haetten spaeter weder Band noch DJ spielen koennen, die Durchlaufkuehler der Zapfanlagen und die Daiquiri-Mixer waeren stillgestanden, und so ganz ohne elektrisches Licht waere es schon auch etwas dunkel geworden.

Also hiess es, eine Notstromversorgung zu organisieren. Waehrend sich Marc bei der SWU und ich mich bei diversen Feuerwehren nach ausleihbaren Stromerzeugern erkundigte, stellten Andy und Harry einen Notfallplan auf, um zumindest Buehne, DJ und eine halbwegs ausreichende Grundbeleuchtung mit Strom versorgen zu koennen. Wenigstens 15 kVA galt es jeweils fuer Buehne und DJ bereitzustellen, fuer die Beleuchtung und die Staende noch einmal rund 6 kVA — das aber als absolutes Notprogramm, „je mehr desto besser“.

Mittlerweile kamen auch die ersten Meldungen ueber die Ursachen des Ausfalls an. Zuerst hiess es, der Stromausfall ruehre von einem Fehler im Umspannwerk her, danach kristallisierte sich heraus, dass in der TVZ der Wissenschaftsstadt offenbar aus ungeklaerten Gruenden beide Schuetze der Hauptversorgung fuer die Uni West abgeworfen wurden. Ob es am selben Abend ueberhaupt noch Netzstrom geben wuerde, war zweifelhaft. Also mussten wir tatsaechlich ernsthaft darueber nachdenken, das SoNaFe 2009 ausschliesslich durch selbstgemachten Strom zu versorgen — und wie sich das auf die Finanzen des Fests auswirken wuerde.

Die SWU hatten gleich zugesichert, uns eine Netzersatzanlage zu vermieten, der Preis war jedoch vollkommen unklar, und zudem haette die komplette Verkabelung so umgebaut werden muessen, dass alle Verbraucher zentral von der Anlage versorgt werden koennen haetten. Ich hatte mittlerweile Zusagen fuer ein auf einem Anhaenger verlastetes 15-kVA-Aggregat und einen tragbaren Stromerzeuger mit 2 kVA erhalten, die zusammen nur etwa 100 EUR Miete gekostet haetten, und wir hatten gegen 1845 Uhr beschlossen, die zwei Geraete auf jeden Fall die 35 km nach Ulm zu karren, um zumindest einmal einen halbwegs kostenneutralen Notansatz zu haben. Es ging nur noch darum, eine geeignete Zugmaschine samt Fahrer zu organisieren, als die wieder anlaufende Gebaeudebelueftung Hoffnung aufkeimen liess. Gegen 1900 Uhr war es dann sicher: Die Netzversorgung laeuft wieder stabil, das Fest kann wie geplant laufen 🙂

Das sind gerade mal zwei Drittel des Partygelaendes. Und die kleinen Bobbel sind Menschen.

Das sind gerade mal zwei Drittel des Partygelaendes. Und die kleinen Bobbel sind Menschen.

Den ganzen Rest aufzuschreiben wuerde jetzt wohl den Rahmen sprengen. Die Location an der Uni West ist bombastisch. Nicht nur, weil sie einige hundert Gaeste mehr erlaubt, auch die Aufteilung hat das Planungsteam riesig hinbekommen. Ich habe es wieder irgendwie geschafft, einen Edelhelferausweis zu bekommen, ohne organisiert zu haben, und ich habe es wieder geschafft, schon einiges zu trinken (Gruss an Corny und die restliche Daiquiri-Zubereitungstruppe hinter der Cocktailbar) und mich am Ende der Party trotzdem vollkommen nuechtern zu fuehlen. Und fuer den Rest lasse ich am besten einfach die Bilder sprechen, die Dominic auch auf sonafe.de anbietet 😀

sonafe_menschen

Zum Schluss noch ein grosses Sorry an die diversen Kommandanten aus dem Landkreis Neu-Ulm, die ich telefonisch belaestigt hatte, und ein herzliches Dankeschoen fuer die Bereitschaft, die Geraete so unkompliziert kurzfristig zu vermieten — und natuerlich an die SoNaFe-Orgs fuer die Party 🙂

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