Runter von den Elfenbeintuermen!

Ich muss nochmal den Artikel von (der?) ennomane aufgreifen, in dem er dazu auffordert, endlich auch mal tatsaechlichen Kontakt zu „den Menschen da draussen“ aufzunehmen:

Der zentrale Gedanke: Wir bloggen und twittern im Elfenbeinturm und sind dabei ganz mit uns selbst beschäftigt . Wir müssten Begegnungen mit den Menschen da draußen herbeiführen, und genau das geschieht momentan nicht.

Die Sache mit dem Elfenbeinturm duerfte spaetestens seit dem Wahlsonntag bewiesen sein. Ginge es nach der deutschen Twittersphere, haetten die Piraten ueber 50% der Stimmen eingefahren — ein Ergebnis, nach dem sich selbst die scheinbar uebermaechtige CSU heutzutage die Finger lecken wuerde.

Das Problem ist: Wir fuehlen uns in diesem Elfenbeinturm scheinbar so wohl, dass wir lieber unsere Gedanken in Tweets und Blogeintraegen ausdruecken und davon ausgehen, dass unsere Nachbarn sie denn schon finden werden, sofern sie sich dafuer interessieren sollten.

Das ist schlichtweg falsch.

Vor ein paar Jahren bin ich mit Kollegen nach einigen Bierchen ins Sinnieren gekommen. „Politik wird am Stammtisch gemacht“ war eine der Aussagen, die dort fielen, und es duerfte mit die kluegste des Abends gewesen sein. (Die restlichen sind ueberwiegend nicht jugendfrei und werden deswegen hier nicht wiedergegeben.)

Politik wird am Stammtisch gemacht. Dort, wo die Leute sitzen. Ihr wisst schon. Das Volk. Das ist natuerlich Unsinn. Das Volk geht nicht zum Kartenspielen in der „Sonne“. Aber Herrn P., Herrn G. und Herrn L. trifft man dort.

Und so habe ich Herrn und Frau P. getroffen. Und Herrn L., Herrn und Frau M., und einige andere. Bei Familie P. sass ich abends im lockeren Plausch im Garten. Es ging um den glaesernen Buerger, wo wir doch viel besser einen glaesernen Staat haben sollten. Um Netzneutralitaet. Und Urheberrechte.

Zwei Tage spaeter habe ich das noch einmal wiederholt. Mittlerweile habe ich 27 Unterstuetzerunterschriften fuer die Zulassung der bayerischen Piratenliste fuer die Bundestagswahlen in der Mappe, das feste Versprechen fuer mindestens neun weitere Unterschriften, und einige Ueberraschungen erlebt. Einige, von denen ich fest mit Unterstuetzung gerechnet hatte, wollten sich nicht fuer eine weitere Partei auf dem Stimmzettel einsetzen. Bei anderen rannte ich schon beim „glaesernen Buerger“ offene Tueren ein — die wollten gleich noch ein weiteres Wahlprogramm und zwei Unterstuetzerformblaetter zum Weitergeben dazu. Vielen war die Piratenpartei durch den Einzug der Schweden ins EU-Parlament bereits ein Begriff, wenngleich die meisten konkret mit den Piraten wenig anfangen konnten.

Und so konnte ich erzaehlen. Unterstuetzerunterschriften sammeln. Und beim einen oder anderen vielleicht sogar Interesse fuer diese mitunter etwas seltsam klingenden Netzthemen wecken. Gesamter Arbeitsaufwand: Weniger als 12 Arbeitsstunden. Finanzieller Aufwand: Weit unter 5 EUR.

Man kann etwas bewegen. Wenn man sich nur heraustraut, aus den Elfenbeintuermen.

4 Gedanken zu „Runter von den Elfenbeintuermen!

  1. pb

    passend dazu kam ja vorhin über den Piraten-Twitter-Account (ka wie man das auf klug sagt…) die Aufforderung einen Stammtisch zu gründen

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  2. pb

    In anbetracht der Tatsache, dass wohl an der Uni eine Piraten-Hochschulgruppe im Entstehen ist, wird es wohl denke ich auch bald einen in Ulm geben

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