Mash it up

Ich weiss nicht so genau, warum das so ist, aber die Mashups mit Peter Fox machen mich irgendwie an. Letzten Herbst hatte ich ja schon einen hier gezeigt, und ueber einen Facebook-Link von Michi (oder wer war das?) bin ich jetzt auf eine ganze Seite gestossen, die sich rein solchen Mashups widmet. Bei Mashup-Germany findet man teilweise abstruse, teilweise ganz schoen gelungene Remixe verschiedenster Werke. Da tanzt auch mal Disneys Arielle zu Deichkind, oder die Black Eyed Peas singen zusammen mit The Contours und Get Cape Wear Fly zu — natuerlich — Peter Fox.

Peter Fox vs. Black Eyed Peas – Alles so boom boom pow neu from MashupGermany on Vimeo.

Ich finde das faszinierend. Hier ist eine ganz neue Kultur entstanden, die vor zwanzig Jahren, als Breitbandinternet und Videoschnittplattformen fuer den gewoehnlichen Normalverdiener unbezahlbar waren, vollkommen unvorstellbar war. Heutzutage hat mit seinem ganz normalen Heim-PC jeder das technische Werkzeug in der Hand, so etwas zu fabrizieren — wenn er denn die passende Begabung hat. Man kann unumwunden zugeben, dass das Kunst ist. Und illegal.

Auf Youtube sind die Mashups mit Peter Fox sehr schnell verschwunden. Warner Music Group ist bei der Durchsetzung ihrer Verwertungsrechte gnadenlos. Das ist rechtlich gesehen vollkommen legal, weil das Recht den technischen Neuerungen einfach hinterherhinkt.

Der metaphorische ausserirdische Wissenschaftler, der sich die Entstehung des (europaeischen) Urheberrechts und des (amerikanischen) Copyrights ansieht, kann beide Rechtsstroemungen gleichermassen verstehen. Der Urheber eines Werkes soll fuer seine kreative Leistung auch eine Belohnung bekommen, naemlich die alleinige Entscheidungsfreiheit, wer seine Musik in Platten presst, aus der Druckerpresse wirft und damit Geld verdient. Tut das jemand, muss er den Urheber entlohnen. Die Schutzdauer lassen wir mal aussen vor, das ist ein Thema fuer sich. Schlussendlich moechte man so Kuenstler vor einer Ausbeutung schuetzen, indem z.B. Verlage nicht einfach den grossen Reibach mit einem literarischen Werk machen koennen, ohne dem Urheber einen Anteil zukommen lassen.

Dieses System ist mittlerweile aus zwei Gruenden vollkommen zerstoert.

Erstens, weil heute in der Regel weder Urheberrecht noch Copyright tatsaechlich den Urheber schuetzen. Vielmehr helfen sie den Verwertungsgesellschaften, ein kuenstlerisches Monopol aufzubauen, in dem sie alleine bestimmen, was mit populaerer Kunst geschieht. Auf Youtube steht nicht, dass das Video entfernt wurde, „weil Peter Fox das Video nicht so gut gefaellt und er deswegen nach §14 UrhG die Entfernung beantragt hat“. Dort steht etwas von einem „Copyright claim by Warner Music Group Germany“. Selbst wenn Fox das Video gefallen wuerde, haette er kein Mitspracherecht mehr: Warner entscheidet, was mit diesem Stueck Kultur geschehen kann und was nicht.

Es ist auch nicht so, dass Deichkind oder Peter Fox wegen solcher Mashups auch nur eine Platte weniger verkaufen wuerden — es darf angenommen werden, dass das Gegenteil der Fall ist. Das Urheberrecht wird hier also nicht verwendet, um missbraeuchlichen kommerziellen Gebrauch zu unterbinden, sondern um ein Monopol durchzusetzen: Nur Warner Music darf bestimmen, wo Peter Fox drin sein darf.

Zweitens hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Das wortwoertliche „Copyright“ betraf frueher Druckereien und Presswerke — denn nur dort konnte in massenweiser Auflage ein Werk vervielfaeltigt und somit kommerziell verwertet werden. Heute hat jeder, der diesen Artikel liest, ein maechtiges Vervielfaeltigungswerkzeug in der Hand, das millionenfache perfekte Kopien aller denkbaren Medien herstellen kann. Jede Bearbeitung, jeder Umgang mit einem Werk zieht gleichzeitig eine Vervielfaeltigung mit sich, und wer das Produkt seiner Kreativitaet nicht nur privat im stillen Kaemmerlein betrachten moechte, wird gleichzeitig zum potenziell millionenfachen Verbreiter. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass die geistigen Vaeter des UrhG und des Copyrights diesen Fall nicht einmal ansatzweise fuer moeglich gehalten haben — heute ist das aber unser Alltag.

Wer heute also auf Basis populaerer, kommerziell vermarkteter Werke eigene derivative Werke schafft und diese — vollkommen frei von kommerziellen Absichten — ins Netz stellt, bricht das Gesetz. Immer. Diesen Umstand gilt es zu aendern. Punkt.

Auf der rp09 gab es zu diesem Thema gleich drei Vortraege und Panels, die ich dem geneigten Leser ans Herz legen moechte. Einmal Cory Doctorow — How to survive the Web without embracing it. Und einmal Lawrence Lessig — Society 2.0. Die beiden Vortraege sind lang, aber sehenswert, wenn man einmal einen Einblick in eine der groessten Herausforderungen unserer Zeit haben moechte.

Zum dritten Vortrag von Till Kreutzer kann ich leider nur die Folien zeigen, dabei ist er eigentlich am naechsten am Thema. Kreutzer spricht — auch in seiner Dissertation — offen aus, dass das derzeitige Urheberrecht sich vollkommen von der Realitaet entfernt hat:

Das Urheberrecht unterliegt einer gravierenden Fehlentwicklung, die nur durch grundlegende Reformen aufgehalten werden kann!

Und hier beginnt die Crux. Die Legislative hat kein Interesse an derartigen Aenderungen. Zu maechtig scheint die Musik- und Filmlobby, die der Politik Schreckensvisionen von verhungernden Musikern und Filmschaffenden an die Wand malt — wohl wissend, dass es in beiden Faellen nur wenige ueberdurchschnittlich verdienende Shooting-Stars gibt und die restlichen Kreativen tatsaechlich quasi am Hungertuch nagen muessen. Wir, die Generation C=64/Youtube/Mashup, die durch diese vermeintlich kreativitaetsschuetzende Gesetzgebung an eigener Kreativitaet gehindert wird, haben in dieser politischen Welt keine Lobby.

Dies gilt es zu aendern. Wir muessen uns nach Kraeften bemuehen, dass die nachfolgende Generation nicht in einer Welt aufwaechst, in der es an der Tagesordnung ist, zigfach das Gesetz zu brechen, wenn man sich auf Youtube den Musikmix fuer die Party zusammenstellt, Mashups herstellt oder Freunden eigene Remixes zeigt.

Meinen Nachforschungen (und auch direkten Briefkontakten mit einzelnen MdB) zufolge gibt es offenbar nur eine politische Stroemung, die dieses Ziel ebenfalls vollumfaenglich verfolgt. Aus diesem Grund bleibt fuer mich nur die logische Konsequenz, am Sonntag nichts anderes als die Piratenpartei zu waehlen.

2 thoughts on “Mash it up

  1. Pingback: Dummbratzen, allesamt | stk

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