Was ist so toll an Ulm?

Studia lud heute ab 1730 Uhr ein, dem Ulmer Stadtvater Goenner zu lauschen. „Was macht Ulm attraktiv“, das war die Frage — ich die Antworten einmal ein wenig mitprotokolliert.

1730 Uhr — entweder stellt sich fuer die meisten potenziellen Zuhoerer die Frage erst gar nicht, oder es ist anderso besseres Programm geboten. Die Zahl der Zuhoerer haelt sich naemlich (noch) in Grenzen. Aber Ivo ist ja auch noch nicht da.

1740 Uhr — Vorgeplaenkel mit Studia-Vorstellung. Mittlerweile immerhin rund 40 Zuhoerer, bei denen ich aber nicht so recht weiss, ob sie die ideale Zielgruppe fuer die nun mittels zweier Videoclips beworbene Studia-Kulturreise in die Tuerkei sind.

1750 Uhr — Prof. Stadtmüller scheint ebenfalls ein wenig enttaeuscht ueber die relativ kleine Zuhoererschaft, lobt aber das Engagement der Studia-Studis und die Idee, an diesem Abend Goenner einzuladen. Die Uni Ulm sei vor ueber 40 Jahren nicht gegruendet worden, waere nicht auch die Stadt hinter dieser Idee gestanden, und auch heute sei das Bekenntnis der Stadt und ihrer Verwaltung zur Universitaet zu spueren.

1755 Uhr — AStA-Vertreter Marc Grathwohl nutzt die verbleibende Zeit bis zum Goenner-Einmarsch fuer ein Dankeschoen fuer die Ausrichtung der Veranstaltung, derartiges sei ja ansonsten nicht so haeufig an der Uni Ulm (wieso denn eigentlich?). Die meisten HSGs hier seien politisch orientiert, die nicht-politischen rueckten dabei haeufig in den Hintergrund.

Die ueblichen Probleme der Stadtattraktivitaet seien natuerlich Wohnraum und Nahverkehr, Ulm habe aber auch dadurch eine besondere Stellung, dass die UUlm im Gegensatz zu vielen anderen Unistaedten in einer eigenen Wissenschaftsstadt ausgelagert ist. Abschliessende Worte: „Wir haben grosse Hoffnungen an die Stadt“.

1800 Uhr — warten auf Godot Goenner, der 30 Sekunden zu spaet ist. Sein Glueckwunsch an die versammelte Runde, Ulm als Studienort gewaehlt zu haben, wird mit Gelaechter begruesst. Er selbst habe in Heidelberg studiert, fuer Juristen „ein Muss“ — eine Universitaet sei aber nur ein Element des Studienstandorts, deswegen beglueckwuensche er uns auch, nicht in Freiburg oder Tuebingen zu studieren. In Freiburg gebe es zwar Wein, das sei aber quasi schon alles.

Ulm sehe sich seit Jahrhunderten auch als Wirtschaftsstadt. Durch seine Lage zwischen zwei Metropolregionen (Stuttgart und Muenchen) koenne man sich beiden Metropolregionen zuwenden — auch Dank der auszubauenden Bahnstrecke Stuttgart-Muenchen (so sie denn komme). „Sie fahren dann zwischen Stuttgart und Ulm so schnell hin und her, wie zwischen Boefingen und Soeflingen — naemlich in 28 Minuten“

Durch eine derartig hohe Mobilitaet wuerden sich auch ganz andere Moeglichkeiten zur Kooperation mit Muenchener und Stuttgarter Universitaeten bieten (gilt dann der Semesterfahrschein auch fuer den ICE?)

Alle Staedte und Gemeinden werden in einen Wettbewerb um Einwohner geraten. Deutschland schrumpfe, angesichts zu niedriger Geburtenraten (und wo ist die Einwanderungsrate?). Die Infrastruktur muesse natuerlich weiterhin erhalten werden — waehrend die Kosten hierfuer auf immer weniger Einwohner einer Region umgelegt werden muessten. Dies gelte auch fuer Schulen und Hochschuleinrichtungen. Der „Run“ durch den doppelte Jahrgangszug an Abiturienten werde nur ein kurzfristiges Phaenomen sein.

Folglich muessten hochgesuchte und -bezahlte Fachkraefte — nicht nur Akademiker — nicht mehr nach Stellen suchen, sondern aktiv entscheiden, wo sie ihre Arbeit aufnehmen moechten.

Das Problem mit der Geburtenrate sei aber kein Deutsches, sondern ein EU-weites. In Russland sei der Bevoelkerungsrueckgang noch dramatischer. (Und was ist mit Indien?)

Ulm habe insofern eine gute Rolle in diesem Konkurrenzkampf inne, als hier seit Jahrzehnten eine funktionierende Hochschul- und vor allem auch Wirtschaftslandschaft aufgebaut worden sei, so dass Absolventen nach Abschluss ihres Studiums auch hier eine Arbeit finden koennen (nochmal ein Seitenhieb auf Tuebingen)

Wichtig in der Stadtentwicklung sei vor allem, aus neuen Einwohnern auch neue Buerger zu machen, die sich hier heimisch fuehlen. Die Ulmer Hochschulen haetten also einerseits die Aufgabe, dem heimischen Nachwuchs eine Moeglichkeit zur Ausbildung zu bieten, aber auch Studierende aus anderen Regionen aufzunehmen. Ulm sei zudem wirtschaftlich gut aufgestellt, da hier Firmen aus beinahe allen Wirtschaftsbereichen vertreten seien. Einerseits sei man so krisensicher, andererseits muesse keiner wegziehen, weil er hier keine Arbeit finde. (Wie sieht das mit der Medienbranche bzw. neuen Medien aus?)

Nicht nur die Medien muessen mit der Zeit gehen: Einem ehemaligen Babywindelhersteller brach aufgrund des Alterswandels der Markt weg. Die Firma gibt es heute noch. Als Produzent von Inkontinenzprodukten. Klasse.

1830 Uhr — Rede zu Ende. Rueckfrage Stadtmueller: Warum ist Ulm gerade fuer internationale Studierende attraktiv? Standardantwort: Einstein (Gaehn). Hier seien aber vor allem Firmen angesiedelt, die viele internationale Kontakte haben. Auch durch Kooperationen, beispielsweise die GUC in Kairo, habe man Kontakt zu internationalen Studierenden, und nicht zuletzt baue man gerade auch Kontakt zu den vielen Staedten entlang der Donau auf. Einmal im Jahr duerfe er ausserdem die Teilnehmer einer internationalen juristischen Konferenz begruessen, die eben nicht nach Tuebingen oder andere „klassische“ Jura-Standorte gehen, sondern hier den Kontakt zur Wirtschaft suchen.

Rueckfrage Grathwohl: Wirtschaft sei fuer Studierende ja erst einmal in weiter Ferne, was biete die Stadt denn an Freizeitangeboten? Goenner: Hier sei so wenig los, da koenne man sich ganz aufs Studium konzentrieren (Gelaechter). Die Grundbeduerfnisse koennen hier bedient werden, und hier koenne sicher jeder nach seiner Facon gluecklich werden.

Rueckfrage aus dem Publikum: Man lebt hier, man kenne aber in der Regel nur einige wenige hier ansaessige Unternehmen. Es sei doch wuenschenswert, wenn diese Unternehmen an die Studierenden herantreten, damit jeder Studierender die Moeglichkeit hat, im Rahmen seines Studiums einmal in einem Unternehmen praktiziert zu haben. (Die weitergehenden Ueberlegungen, wie Unternehmen quasi „Patenschaften“ uebernehmen koennen, habe ich nicht nachvollziehen koennen).
Goenner: Einige Unternehmen stiften einen Professor, so wie Siemens das getan hat. Man koenne gerne gezielt Firmen anschreiben — der Fragesteller solle doch gerne eine Wunschliste an Unternehmen zusammenstellen, so dass die Stadt zusammen mit der IHK „den Deckel zum Topf bringen“ koenne.

Rueckfrage, Universitaet als Arbeitgeber? Goenner: Klinik und Uni seien mittlerweile mit die groessten Arbeitgeber in Ulm. Das sei nicht immer so gewesen, sondern ueber Jahre hinweg gewachsen.

1850 — Goenner muss weiter. Ich auch. Ende ^^

6 Gedanken zu „Was ist so toll an Ulm?

  1. Michi

    Das mit den Patenschaften gibt es bei uns an der FAU. Am Anfang des Semester wird es groß beworben, ich glaube die Uni übernimmt ne Vorselektierung und leitet die Bewerbungen dann an die Unternehmen weiter.
    An einem „Kennenlernabend“ kommen dann (natürlich nur die „Besten“) in Kontakt mit den Unternehmen und können so Werksstudentenstellen ausmachen etc.

    War da zwar nicht anwesende, weil ich meine Siemens Stelle schon hatte, finde das aber an sich ne gute Sache.

    Achja, insgesamt war der Vortrag ja recht mager besucht 🙂

    Antworten
  2. marcus

    Nun,

    zunächst bin ich enttäuscht, dass Herr Gönner scheinbar erst um 18 Uhr da war und somit Marcs einleitende Worte nicht mal gehört hat. Ich hätte erwartet, dass diese Veranstaltung eher Dialogcharakter hat. Deiner Beschreibung nach war die Kommunikation aber abgesehen der Fragen nur einseitig von Gönner an die Hörer. Das Interessante wäre jedoch, wenn Gönner zuhört anstatt irgendwelche Appelle zu äußern.

    Gruß Marcus

    Antworten
  3. stk Beitragsautor

    Das ist aber normal in so einem Zusammenhang. Goenner hoert durchaus zu, wenn man ihn etwas fragt oder ein Anliegen an ihn hat, der Mann hat aber einen gefuellten Terminkalender — wenn man ihn fuer 1800 Uhr einlaedt, kommt er eben um 1800 Uhr.

    Antworten
  4. marcus

    Das mag ich gar nicht bestreiten. Sicherlich hat Gönner einen sehr gefüllten Terminkalender und wenn jemand einen Dialog mit ihm wünscht, dann muss nicht Gönner die Kristallkugel bemühen sondern eben jene Person muss sich melden. Und wenn das einfach nur als Vortrag geplant war, dann hat das wohl schon seine Richtigkeit.

    Ich habe nur gedacht, dass es eben nicht nur als Vortrag mit abschließender Fragerunde konzipiert ist sondern vielleicht interaktiver oder was weiß ich. Ich hab mich auch nicht genau informiert, da ich schon vorher wusste, dass ich da keine Zeit habe. Ich war jetzt nach deinem Bericht nur überrascht, weil mir der Nutzen der Veranstaltung nicht klar ist.

    Gruß Marcus

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.