Mit ‘tu’ getaggte Artikel

Versuch eines Onlineredaktionspraktikumsfazit

Sonntag, 18. Juli 2010

Nach ziemlich langwierigen Versuchen, die letzten acht Wochen in Prosa zu giessen, ersetze ich das ganze durch eine Liste. Die sind ja schliesslich auch bei swp.de beliebt.

10 Gründe, warum mich das Praktikum frustriert hat

  1. weil das ganze waehrend der Vorlesungszeit zu machen eine saubloede Idee war. Im Endeffekt haben sowohl Anwendungsfach als auch Praktikum darunter gelitten
  2. weil Onlinejournalismus zu einem nicht zu unterschaetzenden Teil aus bisweilen stumpfsinnigen Content-Management-Aktionen besteht, von der Klickstrecke bis hin zur Polizeimeldung
  3. weil swp.de meines Erachtens personell unterbesetzt ist — die, die da sind, machen eh schon Ueberstunden
  4. weil dennoch viel Zeit fuer Besprechungen draufgeht. Manchmal deutlich zu viel Zeit.
  5. weil in der restlichen Zeit viele Produktionen nur Quick and Dirty abgewickelt werden koennen. Um nicht zu sagen “hemdsaermelig”. Mit der Kamera fuenf random Leute zum Thema XY zu befragen, finde ich doof
  6. weil die Aussicht, Themen abzuarbeiten, die ich doof finde, sich auf meine Arbeitsweise niederschlaegt und ich bisweilen in den automatischen Arbeitsvermeidungsmodus umgeschaltet habe
  7. weil ich oft gegen Windmuehlen anzugehen schien. Vom Umgang mit Kommentaren bis zur Frage, ob Videos einen Aufsager brauchen (imo: nein) oder pauschale Laengenbegrenzungen sinnvoll sind (imo: bullshit). Einiges davon findet sich auch hier (inklusive Kommentare) wieder
  8. weil ich am besten arbeite, wenn ich einen Partner habe, mit dem ich rumspinnen kann und der mich ergaenzt, und mir das einige Zeit lang fehlte
  9. weil ich mich irgendwann ertappt habe, mich mit der Mittelmaessigkeit zufrieden zu geben, die ich selber immer bemaengele — mit Zeit, Technik oder Lust als Hinderungsfaktoren
  10. weil ich in den acht Wochen nicht geschafft habe, ein “Meisterstueck” zu produzieren, auf das ich wirklich stolz sein kann — oder irgendetwas anzustossen

10 Gründe, warum mir das Praktikum trotzdem gefallen hat

  1. weil es interessante Einblicke und viele kontroverse, aber horizonterweiternde Unterhaltungen und Diskussionen gab
  2. weil aus Leuten mit teilweise nur wenig greifbaren digitalen Identitaeten “richtige Menschen” wurden, die kennenzulernen mir Spass gemacht hat
  3. weil ich erkennen durfte, dass auch in Verlagshaeusern nur mit Wasser gekocht wird
  4. weil ich zumindest zeitweise wirklich den Eindruck hatte, etwas beitragen zu koennen
  5. weil ich die immensen Freiheiten, die mir die Arbeit bei Team-Ulm bietet, nun umso mehr zu schaetzen gelernt habe
  6. weil ich auch bei den Themen, die mich angeblaeht haben, zumindest versucht habe, etwas anstaendiges daraus zu machen
  7. weil ich mit Visualisierungsmoeglichkeiten herumgespielt und zwar nichts grossartig sinnvolles veroeffentlichen, aber zumindest hoffentlich ein Bewusstsein fuer die Moeglichkeiten wecken konnte
  8. weil ich zu Anfang und Ende mit anderen Praktikanten herumspinnen und Dinge basteln konnte, was mir riesigen Spass gemacht hat.
  9. weil ich herausfinden konnte, warum die Kommunikation zwischen TU und SWP nicht klappt, und sich das vielleicht sogar loesen laesst.
  10. weil ich jetzt hinreichend abgehaertet bin, auch “Zehn Gruende”-Listen als Inhalt betrachten zu koennen

Der rechtsfreie Raum. Teil n+1.

Sonntag, 14. März 2010

Es ist offenbar fuer viele Politiker schwierig, das Internet zu benutzen, ohne die dort aufgewachsenen zu vergraetzen. Da schickt das Sekretariat Martin Doermann beispielsweise ausgerechnet eine Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Internet an fachkundige 300 Leute — aber nicht ueber BCC, sondern offen im Adressfeld.

Das ist kein Einzelfall. Die Ulmer Gruenen-Stadtratsfraktion schien fuer mich bisher immer positiv aus der Masse herauszustechen, haben sie zusaetzlich zu ihrer regelmaessig gepflegten Website anscheinend auch eine Facebook-Fansite (die ich aber nicht finde), und sind mit dem etwas irrefuehrenden Namen “RathausUlm” auch bei Team-Ulm und Twitter unterwegs.

Vor diesem Hintergrund war ich dann etwas erstaunt, als ich auf einmal den Rundbrief der Ulmer Rathaus-Gruenen bekam. Im ersten Moment dachte ich, dass der vielleicht ueber eine der Uni-Mailinglisten gekommen war, ein Blick in den Header verriet aber, dass die Mail offenbar direkt an mich adressiert war. Kein Problem, kann ja mal passieren, einfach den Abmeldelink anwaehlen und gut ist — wenn es denn eine Abmeldefunktion gaebe. Und ich dachte immer, das sei abmahnfaehig :)

Ich habe es mir dann nicht verkneifen koennen, eine abgeschwaechte Version des T5F als Auskunftsersuchen an den Absender zu schicken, um herauszufinden, woher denn die Daten kommen, und mitzuteilen, dass ich keine Newsletter mag. Angereichert mit dem dezenten Hinweis, dass der Gruenen-Rundbrief nicht so ganz den rechtlichen Anforderungen genuege und man doch die Hinweise von eco zu Onlinemarketing beachten moege, das Internet sei schliesslich kein rechtsfreier Raum, zwinker zwinker.

Folgende Antwort bekam ich zurueck:

Sehr geehrter Herr Kaufmann,

ein sehr interessanter Aspekt, den Sie ansprechen! Seit mehreren Wochen bekommen wir Ihre E-Mails, die eigentlich an die StuVe der Uni Ulm adressiert sind, in Kopie ungefragt ins Haus. Die Rechtslage ist uns bewusst, gilt für Sie aber ebenfalls, oder?

Daher wählten wir den unkonventionellen Weg, darauf aufmerksam zu machen….

Freundliche Grüße,

[...]

Ich muss zugeben, dass ich im ersten Moment so perplex war, dass ich tatsaechlich meine letzten Mails an die StuVe-Mailingliste durchgesehen habe, nur um sicherzustellen, dass ich nicht im Suff die Gruene Rathausfraktion ins CC genommen habe. Zu meiner Erleichterung war das aber nicht der Fall.

Blieb eigentlich nur die Option, dass die Gruenen sich selber auf die Liste gesetzt haetten und nun der Ansicht waren, einen Gegenschlag im universitaer-stadraetischen Cyberwar zu fuehren. Ich habe also dezent darauf hingewiesen, wie man Mails mit “[StuVe]” im Betreff und dem typischen Mailinglistenheader erkennen und die notwendigen Schritte zur Abmeldung unternehmen kann. (Ganz nebenbei war an dieser Stelle auch meine Geduld am Ende.)

So einfach war es aber dann doch nicht. Der verantwortliche Gruenen-Stadtrat versuchte sich herauszulavieren, nachdem parallel auch die halbe FS-ET dabei war, Auskunftsformulare abzusenden, und nebenbei stellte sich heraus, dass eben dieser Stadtrat zwar seit Jahren mit seiner privaten Mailadresse subskribiert war, nicht aber die Fraktionsadresse. CC an die Adresse der Gruenen Fraktion gab es offenbar genau eine Mail, betreffend die geplante Tiefgarage, versandt am 17. August 2009.

Woher die ganzen privaten Mailadressen kamen, wie es die Gruenen schafften, sich die StuVe-Liste auf eine Dienstadresse zu abonnieren und warum sie den dort Aktiven “als Strafe” ihren Newsletter schickten, anstatt sich einfach abzumelden, bleibt unklar — ein Interesse, herauszufinden, was genau passiert ist, scheint bei den Gruenen nicht gegeben zu sein.

Und auch ein Einsehen, dass das eine Scheissaktion war, ist nicht erkennbar:

sieh es als einmalige Übertretung, sachließlich ist Porovkation auch ein Weg…

Addendum: Der Artikel war noch im Entwurfsstadium, als HeBu die Geschichte noch ein wenig erweitert hat — der bekam naemlich schon im November ungefragt E-Mails und auf Anfrage die folgende Antwort:

“[...] wir nehmen jedoch an, dass öffentlich und nicht als “BCC” eingetragene Empfänger von an uns gerichteten E-Mails in der Regel zustimmen, Infos zum selben Thema zu erhalten. Die Annahme ist sicherlich nicht allzu weit hergeholt.”

Manchmal juckt’s mich dann doch in den Fingern, die dunkle Seite zu beschreiten und strafbewehrte Unterlassungserklaerungen einzuholen…

Sehr geehrter Herr Kaufmann,

ein sehr interessanter Aspekt, den Sie ansprechen! Seit mehreren Wochen bekommen wir Ihre E-Mails, die eigentlich an die StuVe der Uni Ulm adressiert sind, in Kopie ungefragt ins Haus. Die Rechtslage ist uns bewusst, gilt für Sie aber ebenfalls, oder?

Daher wählten wir den unkonventionellen Weg, darauf aufmerksam zu machen....

Freundliche Grüße,

Michael Joukov.

Neues vom Poetry Slam

Montag, 25. Januar 2010

In den letzten Wochen konnte ich allen Widrigkeiten zum Trotz endlich die neue Videoschnittmaschine bei team-ulm in Betrieb nehmen — erst hatten wir vier Wochen lang auf die fehlenden Platten, Gehaeuse und Grafikkarte warten muessen, weil letztere nicht lieferbar war, und dann fehlte beim Gehaeuse der komplette Schraubensatz und die Plattenrahmen.

Nun werkelt die Kiste fleissig vor sich hin, und nachdem sie nach Vorlage des DIY7-Systems bei den Videoguys entstanden ist, steckt da auch ordentlich Dampf dahinter: Im Inneren steckt ein Intel Core i7 in einem Asus P6T V2 Deluxe, und 2*3 GB RAM und ein eigenes RAID-0 mit 2*1 TB nur fuer die Videodaten sorgen fuer den richtigen Durchsatz. Auf so einer Kiste kann man nun auch muehelos HD in voller Aufloesung schneiden, das macht richtig Spass :)

Nachdem nun auch die Speicherplatzprobleme endlich behoben sind, konnte ich mich auch endlich der Videos vom Dezember-Slam annehmen, die bis dato nur auf externer Platte lagen. Und weil mir der Text von Bibercap sogar noch besser gefallen hat als die der jeweiligen Rundensieger, habe ich einfach mal beschlossen, ihn zuerst fertig zu machen und hochzuladen. Viel Spass damit ;)

PS: Alle anderen Videos der Ulmer Slams gibts am besten in meinem Vimeo-Stream.

Clubegoismus

Montag, 02. November 2009

Im Rahmen einer sehr amuesant zu lesenden Diskussion ueber die gestrige Party im Theatro, die anscheinend etwas aus dem Ruder lief (die Party, nicht die Diskussion) gibt es einen wunderbaren Kommentar von a-m-b, den ich jetzt einfach einmal in voller Laenge zitieren muss, weil er mir aus der Seele spricht.

Zitat von Skip4three:
Wieso lernt eigentlich niemand aus den Fehlern von anderen? Z.B. Big City Beats im SuCasa?! Genau das gleiche gewesen, zu viele Karten verkauft. Schlechte Planung an der Eingangstür, jeder beschwert sich am nächsten Tag bei Team Ulm im Forum….

wieso keiner aus den fehlern der anderen lernt, das kann ich dir gerne sagen:

jeder versucht hier in ulm, selber irgendwas zusammenzuwursteln. es gibt hier in ulm einen kleinkindergarten von clubbesitzern und djs, die ALLE meinen, sie hätten die weisheit mit löffeln gefressen, die ALLE meinen, sie wären hier die chefs vom erdbeerfeld.
anstelle mal gemeinsam was auf die reihe zu bekommen, arbeitet man in ulm vehement gegeneinander. das ist bei den bookings so (3 top acts an einem wochenende? schon des öfetern vorgekommen…) , das ist bei den local djs so und deren musikalische qualitäten und bei der auswahl von neuen djs, die eventuell was können, aber von den platzhirschen nicht rangelassen werden.
irgendwann mal wirds kommen, dass das ganze “system” baden geht! aber dann sind die, welche wirklich was können, wahrscheinlich schon längst über alle berge! der rest ist schweigen.

schönen sonntag noch!

(Ich traue mich das jetzt einfach mal, weil a-m-b nicht bei der taz ist)

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Kurz notiert

Mittwoch, 05. August 2009
  • Das (Team-)Ulm-Quiz ist wieder online, mit neuen Fragen, an denen ich auch teilweise zu knabbern hatte. Enjoy :)
  • Ich sehe mich gerade nach Moeglichkeiten um, Livestreams mit mehreren Kameras in HD zu bedienen. Bisher hatten wir das ja in SD mit Hardware-Bildmischern der Medienoperative gemacht, fuer HD ist sowas aber deutlich schwieriger.
    Gefunden habe ich bislang nur Wirecast als Softwareloesung, was mir aber mit 548 USD fuer die HD-Variante gerade etwas teuer vorkommt. Kennt da jemand guenstigere Alternativen?

Liebe Firma R***PILS AG

Samstag, 01. August 2009

“Lasst uns Kumpels sein” schreiben Sie mir in einer Pressemitteilung. Schliesslich haben Sie ja mal vor ueber 100 Jahren ein Bier fuer die Bergbaukumpels gebraut. Schoen fuer Sie!

Das Dumme ist: Wir haben hier in Ulm keinen Bergbau. Jedenfalls keinen, von dem ich aktuell wuesste. Wir haben hier ein Muenster und eine Uni, aber keine Foerdertuerme. Na gut, die Bundesfestung verlaeuft teilweise unterirdisch, und die oertliche Biergrossmarke finde ich manchmal auch unterirdisch, haha, aber Spass beiseite.

Vor allem liegen wir naemlich an der Donau. Und auch das Magazin, an das Sie die Pressemitteilung geschickt haben, wirkt und agiert quasi ausschliesslich im Dunstkreis der Donau, wie man eigentlich schon am Namen erkennen koennte. Von der R*** keine Spur, das wuerde sich sogar reimen.

Da kommt natuerlich schon der Verdacht auf, dass diese PM einfach wild in die Landschaft geballert wurde, in der Hoffnung, dass sie irgendwo kleben bleibt. So werden wir aber keine Kumpels.

Mathias Richling kommt nach Ulm

Freitag, 19. Juni 2009

Mal etwas ganz anderes: Am 4. Juli (Samstag) kommt Mathias Richling im Rahmen seiner “E=m*Richling²”-Tour ins Congress Centrum Ulm. Ich liebe seine Auftritte, weil er es so herrlich schafft, die Macken und Eigenheiten verschiedenster Politiker zu persiflieren — manche zwar etwas weniger gut, andere dafuer genial.

Youtube Direktkoehler

Wer das ganze live sehen will, hat momentan auf Team-Ulm die Moeglichkeit, 2×2 Freikarten zu gewinnen. Geld waere der Abend aber sicher auch wert ;)

Und nochmal Poetry Slam

Dienstag, 02. Juni 2009

Der passende Artikel bei TU duerfte auch in Kuerze online gehen, hier aber nochmal vorab exklusiv die drei Sieger des letzten Poetry Slams im Theater Ulm.

Der Zweitplatzierte kam dieses Mal aus Ulm: Peter Heimlichmueller mit… ja, schwer zu sagen eigentlich :D

Poetry Slam in der PODIUM.bar Ulm: Peter Heimlichmüller from stk on Vimeo.

Erstplatzierte Nummer Eins: Pauline Fueg mit einer ganz besonderen Liebeserklaerung an einen ganz besonderen Jungen. Hrhrhr.

Poetry Slam in der PODIUM.bar Ulm: Pauline Füg from stk on Vimeo.

Und Erstplatzierte Nummer Zwei: Franziska Holzheimer mit einem Text, der mir persoenlich ganz besonders gut gefallen hat — ueber Freundschaften, die zu Ende gehen.

Poetry Slam in der PODIUM.bar Ulm: Franziska Holzheimer from stk on Vimeo.

Embedding, Weiterverbreitung und Herunterladung[tm] der Videos, die einem gefallen, ist ausdruecklich erlaubt und erwuenscht (Herunterladen geht glaub ich nur, wenn man bei vimeo eingeloggt ist).

Ergaenzung

Freitag, 24. April 2009

Mittlerweile ist klar, was hinter der nicht ganz so durchdachten Aktion von ver.di steckte.

Ein “Designer” aus Ulm hatte offenbar beanstandenswertes Material auf Team-Ulm gesammelt, auf CD gebrannt und neben ver.di/DGB auch an den Oberbuergermeister, alle Stadtratsfraktionen, den Kinderschutzbund und weiss Gott noch wen alles geschickt.

Ohne auf weitere Details eingehen zu wollen: ver.di war zum Glueck die einzige Organisation, die sich von dem betreffenden Brandbriefschreiber derart vor den Karren spannen lassen hat — im Rathaus kennt man uns ja mittlerweile, und die mir bekannten Reaktionen in anderen Gremien, deren Mitglieder angeschrieben wurden, haben mich sehr positiv ueberrascht. Es freut natuerlich, wenn die Vertreter offizieller Stellen in solchen Runden unsere Massnahmen zum Jugendschutz ausdruecklich loben.

Nach wie vor unklar ist fuer mich die Motivation des Herren Briefeschreibers. Angesichts dessen, was ich ueber den Herrn bislang herausgefunden habe, wundert es mich schon ein wenig arg, warum er Eintraege teilweise auf Seite 200(!) einzelner Gaestebuecher ausgegraben hat, um sie dann anschliessend auf CD zu brennen, anstatt sie einfach fuer die Moderation zur Loeschung zu markieren.

Ich bin ja sehr versucht, ihn einmal anzurufen und ihn zu fragen.

Wer solche Freunde hat…

Dienstag, 21. April 2009

Man kann von Gewerkschaften halten, was man will.

Ich zum Beispiel habe frueher mit Gewerkschaften den Kampf fuer bessere Arbeitsbedingungen, angemessene Loehne und Gleichberechtigung verbunden. Dieses Bild habe ich auch heute noch im Kopf — aber mit Dampfmaschinen im Hintergrund.

In juengster Zeit scheinen sie den Anschluss verloren zu haben, die Gewerkschaften. “IG Metall”, “IG Bergbau, Chemie, Energie”, das klingt so nach Mitte des 20. Jahrhunderts. “ver.di” als Dienstleistungsgesellschaft, das hoert sich schon moderner an. Theoretisch.

Ich war ja schon ein wenig irritiert, als ich auf der rp09 im Panel “Die Rolle des Staates in der digitalen Gesellschaft” sass. Vorne, auf dem Podium, sass Annette Muehlberg vom ver.di-Bundesvorstand, die das Thema wohl ganz anders verstanden hatte als die meisten Zuhoerer. Die wollten naemlich, so jedenfalls mein Eindruck, ueber Netzneutralitaet, Datenschutz und den Netzanalphabetismus vieler Regierungsmitglieder diskutieren, waehrend Muehlberg auf e-Government herumritt. Das muss man ihr nicht uebel nehmen, das Thema ist ja ihr Fachgebiet. Ich habe aber einige rollende Augen gezaehlt, als sie zum wiederholten Mal auf den Einsatz von Open-Source-Software in der Regierung zurueckkam, obwohl die Diskussion laengst in eine andere Richtung gewandert war.

“Gegen Nazis” ist immer gut. Fast.

Mehr als nur irritiert war ich aber gestern nach einer Unterhaltung mit Andy B., seines Zeichens Geschaeftsfuehrer von team-ulm. Wie ja bekannt sein duerfte, plant die NPD-Jugendorganisation am 1. Mai eine Demonstration in Ulm, was erstens fuer Wirbel und zweitens fuer ein Grossaufgebot an demonstrativer multikultureller Integration sorgt. Verschiedenste Organisationen uebertreffen sich gegenseitig mit mehr oder weniger tollen Ideen, wie man den Braunen die Stirn bieten oder zumindest demonstrieren kann, wie weltoffen selbst eine kleine schwaebische Grossstadt sein kann.

Die groesste derartige Aktion ist das Buendnis “Ulm gegen Rechts”, getragen unter anderem von den Staedten Ulm/NU und den lokalen DGB-Ablegern. Eine weitere Aktion ist “Zeig Gesicht gegen Rechts”, ausgedacht von ScanPlus und mitgetragen von team-ulm, Radio7, der Suedwest-Presse und dem Stadtjugendring Ulm.

Von ZGRR kann man nun ebenfalls halten, was man will. Ich selber halte nicht viel davon, die Gruende dafuer erklaere ich vielleicht einmal in einem separaten Artikel, wenn ich ausreichend schlecht gelaunt ist. Maria Winkler vom ver.di-Regionalverband hat den Vogel aber ohne Zweifel abgeschossen. So schreibt sie in einer E-Mail an alle beteiligten Verantwortlichen von ZGRR, sie habe in der vorigen Nacht erfahren, dass “auf der home-page von team-ulm pornografische, sexistische, faschistische und rassistische Einträge vorhanden” seien. Sie sei dem Hinweis nachgegangen und habe feststellen muessen, dass “das Gaestebuch” (sic) eine Vielzahl von “pronographischen” (usw.) enthalte. Die Verantwortlichen bei TU gingen anscheinend sorglos “mit den gespeicherten Profilen im Gaestebuch um” (sic). Das Buendnis Ulm gegen Rechts distanziere sich gegen die Inhalte, fordere die ZGRR-Verantwortlichen auf, den Link zu TU zu “sperren, solange diese Seiten mit pronographischen [...]“ aufweise und werde sonst den Link auf ZGRR von der Ulm-gegen-Rechts-Seite entfernen.

Ja, Frau Maria Winkler, es gibt Nutzer auf TU, die in Gaestebuecher anderer Nutzer Bilder mit zuweilen pornographischen, sexistischen und manchmal auch rassistischen Inhalten einbetten. Tut mir leid, ich wuerd’s gerne verhindern, ich wuesste nur nicht, wie das funktionieren soll. Wenn man, so wie ver.di, nur statische Seiten ohne nennenswerten Nutzerinput betreibt, mag das Netz wie ein ausdruckbares Bluemchenwieseninternet scheinen. Wenn man aber zeitweise ueber 12.000 User gleichzeitig online hat, gestaltet sich das etwas schwieriger.

Das soll nicht heissen, dass nichts gegen solche Inhalte unternommen wird — dazu hat Frau Winkler ja auch schon Stellungnahmen von Team-Ulm und ScanPlus erhalten. Die Moderatoren sind aber mit darauf angewiesen, diese Inhalte von den Nutzern auch gemeldet zu bekommen. So haette Frau Winkler beispielsweise saemtliche von ihr erkannten “pronographischen” (&c) Eintraege mittels des “Spam”-Buttons markieren koennen. Dann waeren sie bei den passenden Moderatoren gelandet und vermutlich schon lange nicht mehr in den betreffenden Gaestebuechern zu sehen. Stattdessen schreibt Frau Winkler boese E-Mails, mit denen der TU-Moderation nicht geholfen ist, und entfernt Links — weil sie offenbar nicht begriffen hat, dass sich in einem sozialen Netzwerk ein Querschnitt durch die Bevoelkerung tummelt, und dementsprechend dort leider auch ein paar Idioten unterwegs sind.

Wenn man boese ist, liest man noch viel mehr aus der E-Mail. “Homepage”. “Das Gaestebuch”. “Profile im Gaestebuch”. Klasse. So liefert man sich untereinander Grabenkaempfe, anstatt sich gegenseitig zu unterstuetzen — entweder aus schierer Berufsbetroffenheit, oder weil man einfach keine Ahnung vom Netz hat und offenbar auch erklaerungsresistent ist. Wer solche Freunde hat, braucht keine Nazis mehr.