Posts Tagged ‘swp’

Auf die Fahrgaeste hoeren kann man aber auch nicht

Tuesday, February 16th, 2010

Interessant: Nachdem sich ein Student bei der SWP ueber die stets ueberfuellten SWU-Busse zur Ulmer Wissenschaftsstadt beschwert hat, zeigt man sich dort so, als mache man alles, was in der eigenen Macht stehe, um ja alle Studenten zeitig befoerdern zu koennen. Tatsaechlich sieht die Lage so aus, dass in den Morgenstunden insbesondere zu Beginn des Wintersemesters trotz Fuenf-Minuten-Takts schon am Theater beinahe kein Zustieg mehr moeglich ist. Anfangs lag das auch daran, dass einige Studenten zu doof waren, eben auch die “Zwischenbusse” zu verwenden, und sicherlich koennte man auch den doppelt so langen Weg ueber den neuen Eselsberg mit der Linie 5 nehmen. Trotzdem ist die Argumentation ein wenig scheinheilig.

Wer beispielsweise frueher aus der Neu- oder Oststadt zum und vom Eselsberg fahren wollte, konnte das mit der Linie 14 tun, die zwar nur stuendlich fuhr, einem aber den Umstieg am Theater ersparte. Seitdem die Linie 1 bis Ulm-Boefingen faehrt, gibt es die 14 aber nicht mehr — nach Argumentation der SWU brauche man die ja nicht mehr, da alle Boefinger nun ueber die Linie 1 und 3/5 zum Science Park fahren koennen. Sich nun darueber zu wundern, dass Studenten aus Mitte/Neustadt und der Oststadt nun auf einmal mit zur Ueberfuellung eben dieser Linien beitragen, zeugt nicht gerade von vorausschauendem Denken — erst recht nicht, da der damalige Semesterticketreferent meines Wissens durchaus auf dem Erhalt der Linie insistierte. Als Ersatz wird einem von der SWU die E-Linie ueber Boefingen in die Oststadt angeboten, mit deutlich weniger Fahrten und einem viel viel laengerem Weg, wenn man denn irgendwo in Richtung des Willy-Brandt-Platzes will.

Mit dem Auto zur Uni fahren zu wollen wird indes auch immer mehr zum Abenteuer. Seitdem das Parkhaus in der Helmholtzstrasse von der PBW bewirtschaftet wird, die dafuer natuerlich Parkgebuehren haben moechte, steht es groesstenteils leer — waehrend nebenan alle Schotterparkplaetze schon fruehmorgens zum bersten voll sind und wild an den Strassenraendern oder in den Gruenflaechen geparkt wird. Aehnlich sieht es an der Klinik aus, wobei diese sich nach Fertigstellung des Klinikneubaus sowieso auf noch viel haertere Parkplatzsituationen vorbereiten muss.

Im Endeffekt werden also all die Autofahrer mehr oder weniger dazu gedraengt, doch mit dem OePNV zur Uni zu fahren, was ja an sich nicht schlecht ist. Alle Studenten dann aber in vollkommen ueberfuellte Busse zu stecken, kann auch keine Loesung sein. Und es ist ja keinesfalls so, dass diese Situation nicht schon vor dem Gespraech mit der SWP bekannt gewesen waere.

Ganz neu: Fernsehen!

Tuesday, February 9th, 2010

Nachdem ich damals die CNN-Zentrale in Atlanta besucht hatte, schwirrte mir der Kopf vor lauter fixen Ideen. Die vielen Newsrooms mit ihrer Betriebsamkeit waren irgendwie ansteckend, und als ich auf den heissen Strassen einen der haesslichen Ami-Linienbusse sah, klickte es. Der Nachrichtenfix im Bus, das waere doch was. Kurz zuvor hatte man bei den SWU Doppelmonitore in einigen Bussen verbaut. Wenn man dort einfach eine Nachrichtenschleife wie die meines damaligen Lieblingssenders Euronews einbauen wuerde, mit groben Untertiteln und einem FM-Transmitter im Bus, so dass man auf Wunsch auch den Ton hoeren koennte… weitergesponnen wurde dann ein eigenes Lokalnachrichtenformat daraus, also etwa so wie bei RegioTV, nur nicht so amateurhaft, vielleicht sogar mit TU koproduziert…

Diese Idee hat mich dann tatsaechlich noch bestimmt vier Wochen verfolgt, und ich war schon ein wenig enttaeuscht, als sich die SWU irgendwann nach meiner Rueckkehr nach Ulm dazu entschlossen, “n-tv Der Tag” als Slideshow einzubinden, was nur morgens aktualisiert wurde und abends inhaltlich schon wieder langweilte.

n-tv ist mittlerweile wieder von den Bildschirmen verschwunden, und es gibt hauptsaechlich veraltete Betriebsmeldungen und ein wenig Werbung im Bus zu lesen. Heute lese ich nun, dass die SWP auf den Zug^w Bus aufspringt und ein eigenes Nachrichtenformat in den Bussen auf die Beine stellt, mit ziemlich genau den Inhalten, die frueher von n-tv realisiert wurden. Plus, wie sich schoen zwischen den Zeilen lesen laesst, ordentlich Werbung. Meine Idee mit der immer wieder aktualisierten Nachrichtensendung greift wohl keiner mehr auf. Zugegebenermassen ist die aber auch schon von 2005 — mittlerweile holt man sich den Nachrichtenfix unterwegs schon lange nicht mehr von irgendwelchen zentralen “Nachrichtenanzeigestellen”, sondern per Netbook oder Mobiltelefon, UMTS und always-on sei Dank auch direkt auf die eigenen Interessen zugeschnitten. Die Monitore sind fuer mich jedenfalls inzwischen so interessant wie normales Fernsehen: Gar nicht mehr.

Komplexe Thematik

Friday, February 5th, 2010

Wenn man den typischen Ablauf kennt, nach dem ein Zeitungsartikel entsteht, weiss man natuerlich, dass Person X beinahe nie das gesagt hat, was ihr im Artikel in den Mund gelegt wird. Insbesondere bei komplizierten Zusammenhaengen neigen Redakteure oft zu Verkuerzungen — dem durchschnittlichen Leser faellt das nicht auf, wer sich auskennt, aergert sich aber vielleicht ein wenig.

Im Zusammenhang mit unserer heutigen Trauerfeier zu Ehren des unbekannten Tutoren vor dem medizinischen Hoersaal gibt es im begleitenden SWP-Artikel nun einige verkuerzte Zitate, die unter Umstaenden falsch interpretiert werden koennten.

Unsere Tutoren werden seit dem SoSe 2007 natuerlich nur zum Teil aus Studiengebuehren bezahlt. Richtig ist, dass die Universitaet ihren Beitrag fuer die Einstellung und Bezahlung von Tutoren zurueckgefahren hat, so dass deutlich weniger Tutoren als bislang von der Universitaet selbst bezahlt werden. Was wegfiel, wurde durch Studiengebuehren ersetzt und auch aufgestockt. Dass diese Methode fragwuerdig ist, stimmt natuerlich.

Dass die Zahl der Studierenden zurueckgegangen ist, stimmt natuerlich auch. Das Betreuungsverhaeltnis ist aber, wie gezeigt, im kommenden SoSe 10 trotz der vielen Studiengebuehren wieder etwa auf dem Level von vor Einfuehrung der Studiengebuehren angelangt, woraus Christoph Mayer ein “schlechter geworden als frueher” macht — naja.

Trotzdem bin ich ganz angetan ueber den Bericht, der den Protest im Gegensatz zur offiziellen uulm-PM wenigstens ernst zu nehmen scheint — die Pressestelle der Uni darf sich sicher sein, dass wir auch ohne Einladung sichergestellt haetten, dass moeglichst viel Buffet-Budget wieder uns Studierenden zu Gute gekommen waere :->

PS: Um die doch recht undurchsichtigen Budgetfragen rund um Studiengebuehren und Haushalt ein wenig besser verstaendlich machen zu koennen, haben wir die aktuellen Zahlen angefordert. Mal sehen, was sich da passend visualisieren laesst.

PPS: Wer einmal @gruenzeug, @mab12, @d33r und mich auf einem Bild sehen will: Klick :)

Sonst aendert sich nix

Sunday, November 8th, 2009

Ich bin jetzt Besitzer eines hochexklusiven Raider-Riegels. Und zwar der Jubilaeumsedition, von der es nur 250.000 Stueck gibt.

Und jetzt traue ich mich nicht, den aufzumachen.

raider(Ich kann uebrigens bezeugen, dass die SWP noch eine Dreiviertelkiste davon hat)

Wer richtet bitte was an?

Friday, October 30th, 2009

Die Geschichte ist an sich tragisch, und ausserdem wie geschaffen fuer eine Schlagzeile: Waschmaschine reisst vierjaehrigem Buben den Arm ab. Dramatisch. Raetselhaft. Und dadurch auch nachvollziehbar, dass die Behoerden erst einmal ermitteln wollen, bevor sie genauere Informationen zum Tathergang veroeffentlichen.

Das ist natuerlich Gift fuer eine Nachrichtenwelt, in der jede Information so schnell wie moeglich verbreitet, jedes Thema intensiv ausgeschlachtet werden muss.  Man moechte recherchieren, befragt Unfallchirurgen, wie der Bub so lange ueberleben konnte, will mehr Informationen — die haben aber momentan nur die Polizei und die Klinik. Und die schweigen.

Hans-Uli Thierer von der SWP bemaengelt deshalb:

Wenn aber die Bilanz amtlicher Nachrichten so ausfällt, dass mehr Fragen stehen als Antworten gegeben werden, dann liegt rechnerisch eine Nullinformation vor. Sie führt uns in journalistische Grenzbereiche, die den Nährboden bilden für Spekulation, Phantasie, Verdächtigung. Die Ermittler sollten sich im Klaren sein, was sie damit unter Umständen anrichten können.

Ist es nicht seltsam, moegliche Spekulationen angesichts der duerren Informationslage ausgerechnet den Behoerden zuzuschreiben, die keine dieser Spekulationen in die Welt gesetzt haben? Was erwartet Thierer? Oder ist das ein duenn kaschierter Erpressungs- (oder besser Trotzigkeits-)Versuch nach dem Motto “entweder ihr gebt uns die Informationen oder wir erfinden einfach irgendeinen Scheiss”? Diejenigen, die auf Basis von Nullinformation gemeinhin Spekulation, Phantasie und Verdaechtigung verbreiten, sind meistens Journalisten, nicht amtliche Ermittler. Und dass sie sich ueber die Folgen in der Regel im Klaren sind, hindert sie selten an ihrem tun.

Anders als Ärzte unterliegen Polizei und Staatsanwaltschaft keiner Schweigepflicht. Eine stereotype Antwort, warum keine habhaften Auskünfte zu erhalten sind, lautet: ermittlungstaktische Gründe. Welche ermittlungstaktischen Hinderungsgründe anfangs vorlagen, Aussagen zu verweigern, in welchem Milieu und unter welchen familiären Bedingungen sich der tragische Fall ereignete, bleibt das Geheimnis der Ermittler.

Natuerlich unterliegen Polizei und Staatsanwaltschaft keiner Schweigepflicht. Sie sollten aber sorgfaeltig abwaegen, welche Informationen wann an die Oeffentlichkeit gelangen, gerade um Vorverurteilungen, Fehlinterpretationen und Spekulationen zu vermeiden. Und manchmal kann es sinnvoller sein, erst einmal gar nichts zu sagen.

Welche Bedeutung das “Milieu” (allein das Wort schon!) und die familiaeren Bedingungen der Betroffenen fuer die oeffentliche Berichterstattung spielen, bleibt indes das Geheimnis des Hans-Uli Thierer.

Seltsame Strassenbahnwaegen

Tuesday, August 25th, 2009

Verdammt, jetzt hat mich doch glatt die SWP gescoopt — das kommt davon, wenn man Artikel wochenweise in der Warteschlange haengen laesst :D

Dass ab und zu in Ulm ein Bierbaehnle auf den Strassenbahngleisen herumrollt, ist ja nichts neues. Ab und zu sieht man auch noch einen der alten gelben GT4 aus Esslingen herumfahren, die bis zur Einfuehrung der neuen Combinos polternd Passagiere durch Ulm fuhren, und gaaaanz ganz selten begegnet einem auch mal ein richtig alter Wagen, weiss gestrichen mit der Aufschrift “Staedtische Eisenbahn”.

Vor ein paar Monaten sah ich dann zum ersten Mal diesen seltsamen Wagen beim Theater fahren:

straba

Ich hatte mich zwar darueber gewundert, aber nicht weiter darueber nachgedacht, und so schlief dieses Foto auf meinem Handy vor sich hin. Bis ich kuerzlich einmal auf der Suche nach Preisen fuer eine Fahrt mit dem Bierbaehnle war. Die habe ich zwar nicht gefunden, dafuer aber einen ausfuehrlichen Artikel ueber die Ulmer Strassenbahn. Und dort wurde auch erklaert, dass es sich bei dem seltsamen neuen Strassenbahnwagen um zwei ehemalige GT8 der VAG Freiburg handelt, die zusammen ein Zweirichtungsfahrzeug ergeben (kurz gesagt: Nimm zwei Einrichtungszuege mit nur einem Steuerstand, tausche den Endwagen eines Zugs mit dem Steuerwagen des anderen, und man hat einen Zug, der in beide Richtungen fahren kann, ohne wenden zu muessen).

Das Ganze ist als Abloesung fuer den oben angesprochenen alten weissen Tw13 gedacht, den man manchmal durch Ulm quietschen sieht. Das war mal ein normales Linienfahrzeug, Baujahr 1920, das nach dem Krieg zum Schleifwagen umgebaut wurde, mit dem man waehrend der Fahrt Rost und Dreck von den Schienenkoepfen abschleift. Und der ist zweifelsfrei ein Schmuckstueck, vor allem seitdem er 2005 von orange in die klassische weisse Lackierung zuruecklackiert wurde — nur hat er mit dem Anstieg nach Boefingen so seine Probleme.

Da die SWU-Leute aber offenbar schwaebisch-sparsame Bastler sind — zum Fuhrpark gehoert auch ein selbstgebauter Schmierwagen — hatte man sich dazu entschlossen, die “alten” nicht mehr benoetigten GT8 selbst umzubauen und mit einer Schleifeinrichtung zu versehen. Da der “neue” Schleifwagen nicht rechtzeitig zur Streckeneroeffnung fertig wurde und der “alte” Tw13 keine Steilstreckenzulassung hatte, wurde der Tw13 kurzerhand von einem Combino nach Boefingen und zurueck gezogen, um die Strecke einzuschleifen. Schade, dass es davon offenbar keine Bilder gibt :)

Neutral Point of View und so.

Saturday, August 22nd, 2009

Ein Journalist kann nicht entscheiden, wen ich aus welchen Gruenden nicht waehle. So.

Diesen Montag sassen wir in kleiner Runde bei einem Bierchen im Zentral. “Wir”, das waren @mmap mit zwei Kollegen seitens @SWPde, sowie @Nitek, zwei Kollegen und ich seitens Team-Ulm, und wir haben uns ueber diverse Aktionen unterhalten, die wir gemeinsam in Zukunft basteln koennten, und uns auch gegenseitig Anregungen gegeben. Ein bestimmendes Thema dieses Sommers ist natuerlich die Bundestagswahl, und die SWP will ja genauso wie wir mit Video herumexperimentieren — irgendwann fanden wir die Idee ganz nett, alle Direktwahlkandidaten a la politik.de-Videoduell gegeneinander antreten zu lassen. Jeder mit Kurzvorstellung wie gehabt, aber dann muessen sie alle zusammen eine Reihe von Fragen beantworten, die aus der Leserschaft gesammelt wurden. Natuerlich dieselben Fragen, damit das auch vergleichbar ist.

Das gefiel allen, und so skizzierte der Kollege von der SWP das schnell auf dem Block und meinte beilaeufig, dass sie dann alle befragen wuerden. Alle, “bis auf die Rechten. Natuerlich.”

Ich finde das nicht “natuerlich”, ich finde das befremdlich absolute ueberhebliche Oberscheisse. Ich halte die NPD fuer ein Sammelbecken fuer Schlaegertypen und Ewiggestrige, aber wie ich schon einmal hier schrieb, werden extremistische Parteien erst dann zu einer Gefahr fuer unsere Demokratie, wenn die etablierten Parteien auf ganzer Linie so sehr versagt haben, dass die radikalen Parteien fuer eine Mehrheit als Wahlalternative erscheinen. Und dann duerften die Nazis unsere geringste Sorge sein.

Viel schlimmer finde ich aber, dass man sich als Journalist anmasst, zu entscheiden, wer sich meinen Fragen nicht stellen darf. Und mehr noch, wen ich nicht waehlen soll — denn darum geht es ja letztendlich.

Man kann das nun alles irgendwie begruenden. Man hoert oft, dass man radikalen Parteien ja kein Forum geben moechte. Aber warum denn nicht? Haelt man seine Leser fuer so dumm, dass sie die Inhaltsleere hinter den tumben Parolen nicht erkennen? Oder traut man ihnen nicht zu, den Politikern die passenden unangenehmen Fragen zu stellen, mit denen man die Ewiggestrigen im Videointerview entlarven koennte?

Man koennte ja den NPD-Kandidaten mit einem Warnhinweis versehen. So eine Aufschrift, “Vorsicht, ist fuer Auslaenderhass!”. Nur muesste man dann auch bei der SPD auf Hartz IV hinweisen, bei der CDU auf die Vorratsdatenspeicherung und bei der Linkspartei auf die SED. Nein, auch so wird das nichts.

Die Wahlen zum deutschen Bundestag sind frei und gleich. Beinahe jeder kann kandidieren, und wenn er die Waehler ueberzeugen kann, dann bekommt er ein Mandat. Die freie Presse kann die Aufgabe uebernehmen, dem Waehler bei seiner Entscheidung zu helfen, indem sie stellvertretend fuer ihn recherchiert und analysiert. Vollkommen neutral wird sie das niemals hinbekommen, denn selbst der integerste Journalist, der ein Parteibuch niemals anruehren wuerde, hat tief im Inneren Ueberzeugungen, zu denen er steht. Aber einen mentalen Filter zu installieren, um dem Leser die Kandidaten einzelner Parteien nach eigenem Gutduenken vorzuenthalten, gehoert sich einfach nicht. Auch dann nicht, wenn es um die NPD geht.

Achso, bevor ich das vergesse: Ich glaube jetzt einfach mal daran, dass mein erster, ausfuehrlicherer Kommentar unter dem dazugehoerigen Artikel (der uebrigens von @nullsummenspiel ist — Huhu :) ) einfach gar nicht abgeschickt wurde, so schwer das vorzustellen ist. Die Alternative waere naemlich, dass er geloescht wurde. Und das wuerde mir so ganz und gar nicht gefallen, auch wenn das offenbar ab und zu vorkommt.

Dann lieber gar keine Kommentare

Thursday, July 16th, 2009

Eine Demonstration zu organisieren, ist nicht einfach. Eine Demonstration an der Uni Ulm zu organisieren, schier unmoeglich und auch frustrierend: Die Haelfte der Studenten sind Mediziner, und die haben traditionell wenig Zeit oder Lust, fuer oder gegen irgendetwas aktiv zu werden — man muss ja schliesslich viel Fleissarbeit verrichten, wenn man im sechsten Semester nebenher promovieren will. Kein Wunder, dass die meisten ehemaligen Demo-Orgs mittlerweile etwas frustriert sind und so etwas nur ungern noch einmal in die Hand nehmen moechten.

Bissige Kommentare zu schreiben ist hingegen sehr einfach. Als Student kann man sich einfach berieseln lassen, und wenn dann irgendwelche Mails kommen, schickt man einfach boese Repliken zurueck, wie unorganisiert und grundsaetzlich schlecht die ganze Aktion ist (uebrigens hauptsaechlich von Leuten, die sich noch nie selbst irgendwo eingebracht haben. Das scheint eine Gesetzmaessigkeit zu sein). Als Journalist hat man es noch einfacher: Man sitzt in seinem Elfenbeinturm, versucht taegliche Geschehnisse in sein Weltbild zu integrieren und schreibt dann hauptsaechlich ueber Dinge Artikel, von denen man fachlich nur wenig Ahnung hat.

Anders kann ich mir den Kommentar “Dann lieber gar keinen Streik” in der SWP nicht erklaeren. Schon im ersten Absatz hat man sich offenbar keine grossen Gedanken gemacht, die Hintergruende der Verspaetung in Erfahrung zu bringen, ueber die ich ja schon hier gebloggt hatte.

“Brav: Klausuren und Abi-Vorbereitung gingen vor.” heisst es dort. Die Realitaet sah anders aus: In der StuVe hatte sich keiner verantwortlich fuer eine Ulmer Beteiligung am bundesweiten Bildungsstreik gezeigt. Bene war davon entsetzt, hat alle Hebel in Bewegung gesetzt und wollte gemeinsam mit Schuelern und Studenten doch noch etwas in Ulm auf die Beine stellen.

Alleine die Schueler kamen nicht. Lediglich Sprecher des Anna-Essinger-Gymnasiums und des TG waren mit Feuereifer dabei, den restlichen Schuelervertretungen schien die ganze Angelegenheit — mit Verlaub — am Arsch vorbeizugehen. Sehr aufschlussreich war hierbei ein Treffen am Kepler-Gymnasium, wo sich ein Kepler-Sprecher (und immerhin der Verbindungslehrer) interessiert zeigte, die zwei anderen Kepler-Sprecherinnen schienen das nicht fuer ihre Angelegenheit zu halten. Andere Schuelervertretungen waren gar nicht erst zu einem Treffen zu bekommen.

Also wurde — hauptsaechlich auf mein Draengen — die Reissleine gezogen, um das ganze einen Monat spaeter ordentlich aufziehen zu koennen. Das war wohl ein Fehler, denn alleine schon die Berichte der Aktionen aus anderen Staedten haetten wohl sicher den einen oder anderen mobilisiert. Aber gut.

Das Ende vom Lied waren nun rund 70 Demonstranten, davon etwa 20 Schueler. Und das noetigt den SWP-Kommentatoren zu folgender Aussage:

Der „Ulmer Bildungsstreik“ lässt deshalb nur vier Schlüsse zu. Entweder die Jugend interessiert sich kein bisschen für Bildungspolitik; oder sie besteht überwiegend aus angepassten Strebern; oder sie ist mit dem gegenwärtigen Bildungssystem vollauf zufrieden; oder sie hat schon resigniert. Alle Varianten sind gleichermaßen trostlos.

Wenn man nun den Elfenbeinturm verlaesst und sich die Realitaet ansieht, hat das noch andere Gruende. So weiss ich von Schulleitungen, die jegliche aktive Werbung fuer diese Demonstration untersagt hatten. Von einigen Schuelern hatte ich auch gehoert, dass das Fernbleiben vom Unterricht (trotz beendeter Schulpflicht) nicht gestattet werden wuerde. Und nicht zuletzt scheinen nur wenige Schueler auch nur ansatzweise politisiert zu sein — vielleicht schwingt da Resignation mit, ich weiss es nicht.

Dass die Pruefungsphase fuer die Schueler nun vorbei ist, ist ebenfalls zweischneidig. Das heisst naemlich auch, dass die 13er nicht mehr greifbar sind, entweder schon den Pflichtdienst beginnen oder irgendwo jobben. Zudem bedeutet das Semesterende auch den Beginn der Pruefungsphase fuer die Bachelor, diejenigen also, die die ganze Angelegenheit mit am meisten betrifft, und die am meisten zu leiden haben — und die sich aus genau diesen Gruenden ueberlegen muessen, ob sie nun an Podiumsdiskussionen teilnehmen, oder sich den Pruefungsstoff ins Hirn quetschen, um eine Pruefung nach der anderen zu schreiben und hoffentlich die Punktegrenze erreichen, um weiter studieren zu koennen.

Der Bildungsstreik 2009 in Ulm war ein Anfang, nachdem die Studierenden jahrelang nichts von sich hoeren lassen hatten. Die ersten Demonstrationen sind quasi immer die am schlechtesten besuchten, das duerfte eigentlich jeder wissen, und in diesem Fall gab es in der Tat auch viele gute Gruende fuer die schlechte Resonanz. Aber die haetten halt nicht in einen aetzenden Kurzkommentar gepasst.

“Dann lieber gar keine Kommentare” scheint man indes auch bei der SWP zu glauben: Gestern abend gab es acht Kommentare von zwei Kommentatoren, die sich inhaltlich mit dem Artikel auseinandersetzten. Diese wurden mittlerweile kommentarlos geloescht. Einen Vergleich zu vorher habe ich von Simon L als PDF bekommen, danke.

PS: Die vielen Maekler sind aufgerufen, sich gerne beim naechsten Mal zu beteiligen. Und das ist kein Sarkasmus, sondern ernst gemeint. Fuenf erfahrene Helfer mehr haetten viel bewirkt.

Also doch Staatshilfen fuer Zeitungen?

Thursday, June 25th, 2009

Heutzutage muss man als Unternehmer nicht einmal mehr ein attraktives Produkt anbieten, um Umsatz zu machen — im Zweifelsfall faehrt man den Laden einfach gegen die Wand und laesst sich auf Kosten des Steuerzahlers gesundfinanzieren. Staatshilfen fuer Opel, ein Katalog fuer Offlineversandhaendler, alles scheint moeglich heutzutage, solange nur das Geschaeftsmodell antiquiert genug ist, um im Wettbewerb mit neuen Ideen langsam aber Sicher ausser Puste zu geraten. Nun ist unabhaengiger und guter Journalismus weder antiquiert noch verstaubt, sondern in der Tat unglaublich wichtig fuer eine funktionierende Demokratie. Ob dieser Journalismus aber zwingend auf bedrucktem Papier ausgeliefert werden muss, ja das ist natuerlich so eine Frage.

Um es anders zu sagen, den Verlagen laufen die jungen Leser ins Netz weg, und anstatt ihnen dorthin zu folgen, will man sich mit Gratiszeitungen anbiedern. Natuerlich mit staatlicher Unterstuetzung. “Staatshilfe fuer NRW-Verleger” titelte Thomas Knuewer am Dienstag ueber die Plaene in Nordrhein-Westfalen und erklaert auch ganz anschaulich, warum das, mit Verlaub, bescheuert ist. Man muss sich das einmal vor Augen halten: Entweder kommt die Zeitung in die Schule und treibt die Lehrer in den Wahnsinn (*raschelraschel*). Oder sie wird nach Hause geliefert — was die Eltern freuen wird, die ihr regulaeres Abo dann abbestellen koennen.

Nun will man diese Idee auch in Baden-Wuerttemberg durchziehen. Natuerlich auch mit staatlichen Mitteln kofinanziert. Interessantestes Zitat:

“Leider ist es nicht hip, Zeitung zu lesen”, sagt Bourauel, “das muss sich ändern.”

Zeitung lesen ist nicht mehr “hip”, und es wird sich so schnell wohl auch nicht mehr aendern. Ich selbst bin Newsjunkie. Ich habe mit unserer Tageszeitung das Lesen gelernt, und ohne taeglichen Zeitungskonsum ging frueher gar nichts. Das hat sich geaendert, seitdem ich Zugriff auf Onlinenachrichten habe, die ich selbst verifizieren kann, bei denen ich gegebenenfalls mit wenigen Klicks die Quellen lesen und mein Wissen vertiefen kann, und bei denen auch Feedback moeglich und erwuenscht — und vor allem auch von den Autoren gelesen und beantwortet wird. Das ist nicht hip, das ist Alltag. Nur eben nicht immer in allen Printredaktionen. Das muss sich aendern.

Jetzt ist es amtlich

Wednesday, June 17th, 2009

Die Blogosphere ist doch nicht die Elite der Bundesrepublik. Mist.

elite

Festgestellt hat das Gunther Hartwig fuer die SWP. Online gibts den Artikel (natuerlich) nicht. bei suedwest-aktiv.de statt swp.de — Rod hat aufgepasst ;)