Mit ‘NERT’ getaggte Artikel

Aktuell: Hosentaschenkamera

Montag, 15. März 2010

Nur so kurz zwischenrein: Ich habe mir ja vor ein paar Wochen die Kodak Zi6 recht guenstig gekauft, um eine immer-dabei-Videokamera mit HD zu haben, und sie hat sich bislang auch beim Poetry Slam relativ gut bewaehrt. Einzige Mankos aus bisherigen Erfahrungen: Nicht schlechtwettertauglich (wie bei dem Schneetreiben neulich festgestellt) und es gibt keine Anschlussmoeglichkeit fuer ein Netzteil.

Beides soll die Zx1, ebenfalls von Kodak, beheben. Das Teil ist spruehwassergeschuetzt (IP 43) und hat auch eine Hohlsteckerbuchse, um das Teil ueber laengere Zeit mit Saft versorgen zu koennen. Das allein waere kein Grund, das hier breitzutreten, aber bei Amazon gibt es die Kamera (samt Fernbedienung!) als “Deal der Woche” fuer 69 EUR, (Partnerlink) was nur ganz wenig mehr ist, als ich fuer die Zi6 bezahlt habe.

Vielleicht ist das ja also etwas fuer den einen oder anderen ;)

Neues vom Poetry Slam

Montag, 25. Januar 2010

In den letzten Wochen konnte ich allen Widrigkeiten zum Trotz endlich die neue Videoschnittmaschine bei team-ulm in Betrieb nehmen — erst hatten wir vier Wochen lang auf die fehlenden Platten, Gehaeuse und Grafikkarte warten muessen, weil letztere nicht lieferbar war, und dann fehlte beim Gehaeuse der komplette Schraubensatz und die Plattenrahmen.

Nun werkelt die Kiste fleissig vor sich hin, und nachdem sie nach Vorlage des DIY7-Systems bei den Videoguys entstanden ist, steckt da auch ordentlich Dampf dahinter: Im Inneren steckt ein Intel Core i7 in einem Asus P6T V2 Deluxe, und 2*3 GB RAM und ein eigenes RAID-0 mit 2*1 TB nur fuer die Videodaten sorgen fuer den richtigen Durchsatz. Auf so einer Kiste kann man nun auch muehelos HD in voller Aufloesung schneiden, das macht richtig Spass :)

Nachdem nun auch die Speicherplatzprobleme endlich behoben sind, konnte ich mich auch endlich der Videos vom Dezember-Slam annehmen, die bis dato nur auf externer Platte lagen. Und weil mir der Text von Bibercap sogar noch besser gefallen hat als die der jeweiligen Rundensieger, habe ich einfach mal beschlossen, ihn zuerst fertig zu machen und hochzuladen. Viel Spass damit ;)

PS: Alle anderen Videos der Ulmer Slams gibts am besten in meinem Vimeo-Stream.

Krisensichere Aufklaerung

Montag, 18. Januar 2010

Und noch einmal so ein Aha-Erlebnis: Freiwillige des Openstreetmap-Projekts haben sich quasi ueber nacht des bislang kaum kartographierten Haiti angenommen und in den vergangenen Tagen in fuenf-Minuten-Intervallen neue Datensaetze bereitgestellt — auch fuer Garmin-Navigationsgeraete, die damit sogar den Weg von A nach B berechnen koennen. Und auch das zu diretto verwandte Ushahidi stellt eine eigene Seite bereit, um Ereignisse verorten zu koennen.

Ushahidi hatte Benni in den letzten Wochen schon schlaflose Naechte bereitet. Bislang war das vollkommen ausserhalb unseres Radars gewesen, seit einigen Wochen taucht es aber immer wieder in irgendwelchen Features auf und war nun auch wieder im Blickpunkt u.a. von Netzpolitik. Der Fokus liegt bei Ushahidi aber immer noch auf Textnachrichten, die hauptsaechlich per SMS abgesetzt werden sollen — mit dem Nebeneffekt, dass man groesstenteils von funktionierenden GSM-Netzwerken abhaengig ist, die auf Haiti natuerlich erst einmal ausgefallen waren. Trotzdem einmal interessant, so etwas in Action zu sehen, vor allem in diesem riesigen Massstab, dem gegenueber das — momentan fuer raeumlich deutlich eingeschraenkterere Lagen gedachte — diretto recht winzig aussieht. Es wird auch sicher interessant werden, das Konzept des ausgelagerten Stabes einmal im KatSchutz-Szenario umzusetzen, beispielsweise bei einer Waldbranduebung mit “echten” Kraeften vor Ort.

Wir konzentrieren uns derweil erst einmal auf den Ansatz, unseren Uplink Devices ihr eigenes Netz mitzugeben, egal ob das nun ueber WLAN, TETRA oder WiMAX umgesetzt wird. Wie Simon Columbus naemlich ganz richtig erkennt: So ueberwaeltigend der Einsatz der ueber das Netz organisierten Spender und freiwilligen Helfer ist, so verfrueht sind die Jubelrufe, die hier das “soziale” Netz in den Himmel loben. Letztendlich braucht es immer noch Einsatzkraefte vor Ort, die die zu verarbeitenden Daten sammeln, um eventuell spaeter von einer community-aufgewerteten Fassung profitieren zu koennen. Schauen wir mal, dass wir ihnen ein geeignetes Werkzeug bauen ;)

diretto — Technische Details

Mittwoch, 13. Januar 2010

Da in den Kommentaren schon spekuliert wurde, ein paar Punkte zur diretto-Implementierung, wie wir sie uns derzeit vorstellen:

  • Ein Netbook als Basis fuer das uplink device war auch bei uns die erste Idee. Mittlerweile halten auch die Akkus lang genug, wie wir uns das denken, und natuerlich ist auch gleich ein Bildschirm und eine Tastatur dabei, so dass man auf dem Ding auch mobil direkt am System arbeiten koennte.
    Den Bildschirm muesste man dann aber wieder besonders vor Umwelteinfluessen schuetzen, und beim Wasserschutz steht man ziemlich schnell vor dem Problem, dass man nicht weiss, wohin man mit der Abwaerme soll. Im Idealfall koennte man einen Nettop passiv ueber das Schutzgehaeuse kuehlen. Da muss ich mir aber noch Gedanken machen.
  • Das uplink device soll, wie Flo erkannt hat, regelmaessig seine Position mitloggen. Das ist auch dann interessant, wenn der Rucksacktraeger eine Videokamera verwendet und der Fotograf ein wenig abgesetzt operiert — hinterher kann man so Videobild und Standort synchronisieren, was ja sonst nicht ginge.
  • Benjamin hatte die Tage auch einen netten Einfall, wie man auch mit einem Nettop HCI ueber akustisches Feedback per Headset hinaus machen koennte. Da verrate ich aber noch nix, das muss erst getestet werden, bevor wir Sachen versprechen koennen.

Das Sendestudio, nicht nur im Rucksack

Donnerstag, 07. Januar 2010

Bevor jemand meint, die Idee des direkt uebertragenden Fotografensystems sei bereits wieder gestorben: Ist sie nicht. Wir sind nur gerade noch nicht so ganz sicher, welchen Weg wir einschlagen sollen.

Auf der Zugfahrt nach Koeln und zurueck hatte ich neben der Korrektur von Uebungsaufgaben auch Zeit dafuer, mir die Aufzeichnungen einiger 26C3-Vortraege anzusehen, unter anderem die Nachbereitung der “Ereignisse des 12.9.”, und mir gefiel, was ich da sah. Also natuerlich nicht, nochmal aus unzaehligen Blickwinkeln Polizeigewalt zu sehen, sondern dass die Idee eines direkt uebertragenden Dokumentationssystems gut zu sein scheint. Neben dem FSA-Vortrag klang fuer mich auch im Street-Photography-Vortrag des dpd-Fotografen und dem spassig-peinlichen Unbild-Projektvortrag der Wunsch mit, manchmal auch mal direkt alle Fotos in Sicherheit zu bekommen, ohne eine Beschlagnahme befuerchten zu muessen.

Mit diesen Erkenntnisen begann aber noch einmal das Gruebeln, denn auch bei einem Feuerwehreinsatz neulich fielen mir einige Punkte auf, die ich vorher nicht bedacht hatte, und die die Umsetzung nicht einfacher machen werden:

  • Es ist sehr schwierig, zeitliche und raeumliche Ablaeufe im Nachhinein zu rekonstruieren, wenn nicht sofort mitprotokolliert wird, besonders wenn neue Ereignisse dazukommen, die der Aufmerksamkeit beduerfen.
  • Schriftliche Dokumentation erfordert die volle Aufmerksamkeit und nimmt Zeit in Anspruch.
  • Muendliche Dokumentation funktioniert relativ gut, wenn (mit Zeitcode) mitgeschnitten wird oder die Einsatzbegleitung (der Feuerwehr) die Meldungen mit Zeitstempel sofort ins Einsatztagebuch transkribiert.
  • Ich hatte den Eindruck, dass insbesondere bei der FSA-Aufarbeitung die Videoaufzeichnungen deutlich wertvoller waren, um schnelle Handlungsabfolgen nachvollziehen zu koennen. Bei Fotos waeren hier Serienbilder notwendig, um die Abfolge erkennen zu koennen.
  • Wenn ich Andy Mueller-Maguhn richtig verstanden habe, waren auch die Audiospuren der Filmaufzeichnungen im Nachhinein relativ wertvoll. Hier war man aber offenbar vielfach verleitet, auf die Audiospur die eigene Interpretation der Handlungen aufzusprechen, die mangels Ueberblick ueber die Gesamtsituation quasi immer vorurteilsbehaftet ist.

Da das Ganze nun als diretto im Rahmen unseres Anwendungsfaches umgesetzt werden soll, muessen wir uns jetzt anhand dieser Bedingungen erst einmal gut ueberlegen, was unsere Implementation am Ende koennen soll. Was ich mir so ueberlegt habe:

  • Zeitsynchronisierung, um auf jeden Fall immer korrekte Zeitstempel in allen Medien zu haben
  • Uebertragung beliebiger (vorerst einmal nicht gestreamter) Medien, was die Bandbreite hergibt, an ein Lagezentrum oder externe Speicher (Text, Bild), samt Metainformationen (Ort, Zeit, Ausrichtung, Prioritaet)
  • eventuell auch das Setzen von Cue-Punkten (Kamera ein, Kamera aus)
  • Vorausschauende Unterstuetzung von Smartphones, ohne momentan sonderlich viel Zeit darauf zu verwenden, da die Kameras immer noch zu schlecht sind und die Uebertragungsmoeglichkeit per MMS oder UMTS unkritisch ist
  • Spaetere Verfeinerung von Medien, bei denen Aufnahmeort und -Zeit nicht ganz sicher sind (vor Ereignis X, nach Ereignis Y)
  • Verschlagwortung der einzelnen Medien

…und letztendlich stellt sich nun auch die Frage, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Meine urspruengliche Idee drehte sich ja nur darum, die Daten sicher zu verteilen, entweder per Ad-hoc-WLAN-Meshrouting oder per UMTS — der jetzige Entwurf laesst das konkrete Endgeraet aber erst einmal links liegen und fokussiert sich hauptsaechlich auf die Datenhaltung, um sowohl live als auch in der Nachbereitung Zusammenhaenge feststellen zu koennen.Benni haengt sich nun schon seit Wochen voll rein, um gerade dieses System hinzubekommen und ruft mich auch schon einmal Mitternachts an, weil er fuerchtet, gescoopt worden zu sein — und ich versteife mich dann wieder auf Detailfragen und Ideen, wie das Rucksackgeraet nun aussehen koennte.

Am Montag muessen wir den Projektvorschlag einreichen — mal sehen, was es im Endeffekt wird ;)

HD aus der Hosentasche

Sonntag, 04. Oktober 2009

Gestern war wieder Poetry Slam, und natuerlich waren Micha und ich wieder am Start, um das ganze auch aufzuzeichnen. Bislang haben wir das ganze mit einer 5d Mark II (in HD) und einer XM 2 (in SD) aufgenommen, der Ton kommt vom Line-Ausgang des Mischpults direkt in den Zoom H2.

Die XM2 hat mich schon eine ganze Weile gestoert. Erstens kann sie nur SD, zweitens zeichnet sie auf miniDV auf (das Ueberspielen uebernimmt zum Glueck Michael Sommer vom Theater Ulm) und drittens bringt sie einige Kilogramm auf die Waage und mir tut hinterher der Arm weh. Meh.

Micha hatte gestern nun seine kleine Panasonic TZ7 mitgebracht, und ich kann nur sagen, Scheisse, ist das ein geiles Teil! 720p-Videos koennen wahlweise als MJPEG oder AVCHD gespeichert werden, die Audiospur des Stereomikrofons klingt ueberraschend gut und auch Zoomen und Nachfokussieren ist waehrend der Aufnahme problemlos moeglich. Und das bei einem Preis von knapp 280 EUR fuer eine Hosentaschenkamera.

Ich bin mal gespannt, wie sich AVCHD auf den Workflow beim Schneiden auswirkt, und auch auf das Endergebnis. Da ich nur das Finale mit der TZ7 gefilmt habe (und komisch angesehen wurde, als ich den Henkelmann gegen eine P&S getauscht habe), wird nur ein einzelnes Video durchgehend in HD sein — der Rest lohnt sich jedoch auch, es war ein tolles Lineup am Start ;)

//edit: Hier mal ein Video, das den Zoomumfang der TZ7 verdeutlicht:

Das Sendestudio im Rucksack

Dienstag, 15. September 2009

Die Idee fuer dieses Konzept entstand erstmals, als Claus und ich die Geschehnisse im Rahmen der NPD-Demonstration am 1. Mai in Ulm und die dazugehoerigen Gegendemonstrationen per Kamera mehr oder weniger live dokumentieren wollten. Im Endeffekt war es ein abwechselndes Fotografieren und Hochladen der Bilder, was aber nicht wirklich befriedigend war.

So kam also zunaechst die Idee auf, die Bilder direkt nach ihrem Entstehen auf das Netbook im Rucksack zu uebertragen und von dort aus samt Geotag zur Redaktion weiterzuleiten. Langsam reifte diese Idee weiter und fuehrte schliesslich zu einem Konzept, Journalisten in moeglicherweise feindlich gesinntem Umfeld (Stichwort Iran) die Moeglichkeit zu bieten, Bilddokumentation direkt und sicher weiterzuleiten, sich eventuell mit anderen Reportern zu koordinieren und dabei moeglichst wenig aufzufallen. Ein weiteres Anwendungsfeld waere beispielsweise eine verteilte mobile Bestandsaufnahme nach Grossschadenslagen, bei denen Katastrophenschutzeinheiten und Feuerwehr auch nach Ausfall der normalen Fernmeldeinfrastruktur eine schnelle und flaechendeckende Erkundung des betroffenen Gebiets durchfuehren koennen.

Scr300

An solch ein System werden harte Anforderungen gestellt. Es muss vor allem in jeder Hinsicht robust sein: Gegen mechanische Belastung wie Schlaege, fallende Gegenstaende sowie Hitze- und Feuchtigkeitseinwirkung muss es ebenso geschuetzt sein wie vor elektromagnetischen Stoerquellen, wie sie beispielsweise durch beschaedigte Hochspannungs- oder Sendeanlagen in Erdbebengebieten prinzipiell vorkommen koennen. Der Uebertragungsweg muss ebenso robust sein: Einerseits muss er den Ausfall beispielsweise des UMTS-Netzes verkraften koennen und alternative Uebertragungswege beispielsweise ueber WLAN- oder Bluetooth-Meshing mit anderen solchen Rucksaecken ermoeglichen und eine sichere Uebertragung garantieren, andererseits muss auch gewaehrleistet sein, dass Dritte die Informationen auf dem Weg nicht abfangen, einsehen oder aendern koennen. Da gerade in Krisengebieten eine Stromversorgung nicht staendig gesichert ist, sollten die uebertragenen Daten stets auf mehrere Standorte verteilt gesichert werden, um bei Ausfall eines Speicherortes die Daten noch an den anderen Orten zur Verfuegung zu haben. Eine lange Einsatzdauer ist Pflichtvoraussetzung, ohne dabei den Benutzer durch furchtbar schwere Akkupacks unnoetig koerperlich zu belasten. Schlussendlich muss der Benutzer Probleme wie zur Neige gehende Akkukapazitaet, Uebertragungsfehler oder dergleichen sicher angezeigt bekommen, eventuell ist auch ein Rueckkanal von der Leitstelle zum Benutzer denkbar.

Da hier mehrere klassische Ubicomp-Themengebiete zum Tragen kommen (Trust, Security etc.) sieht es derzeit so aus, als koennte ich eine Beispielumsetzung in meinem Anwendungsfach realisieren. Natuerlich laesst sich jedes Problem einfach loesen, indem man es mit ausreichend Geld bewirft (alte Ingenieursweisheit), in diesem Fall steht aber natuerlich auch ein guenstiger Preis im Pflichtenheft. Fuer Feedback und Input bin ich auf jeden Fall immer offen :)

Dass solch ein System prinzipiell auch in der Lage waere, polizeiliche Uebergriffe auf Demonstrationen zu dokumentieren und sicher an mehrere unabhaengige Orte zur spaeteren gerichtlichen Verwertung zu uebertragen, ist tatsaechlich reiner Zufall, aber nicht unwillkommen.

Custodiamus ipsos custodes (II)

Sonntag, 13. September 2009

Mittags fand ich es noch amuesant, dass ausgerechnet eine Datenschutzdemo die wohl bestdokumentierte Demonstration aller Zeiten werden duerfte. Auf dem Heimweg vom Potsdamer Platz nach Kreuzberg las ich dann auf Twitter, wie sich ein Video von einer Festnahme verbreitete, die ich selbst gesehen hatte. Und irgendwie habe ich das Gefuehl, dass das Demonstrationen und vor allem die Polizeiarbeit dort nachhaltig veraendern koennte. Aber von Anfang an.

Gestern morgen fuhr ich im vollbesetzten Kleinbus von Ulm nach Berlin, um an der „Freiheit statt Angst“ teilzunehmen. Auf der Hinfahrt bekam ich dann eher zufaellig mit, dass meine Anfrage von letzter Woche, ob noch Helfer gebraucht werden, als Freiwilligmeldung interpretiert und ich als Helfer im Wiki eingetragen worden war. Also schon wieder ein demobezogenes „first“ dieses Jahr.

Der Job war anfangs furchtbar unspektakulaer: Als einfacher Demoteilnehmer mitlaufen, versuchen die Teilnehmer zu zaehlen und die Ordner zu bestellen, falls sich irgendwo Aerger zusammenbrauen sollte. Den gab es aber nun wirklich nicht, selbst die Antifas waren ungewohnt unprovokativ und machten soweit ich das ueberblicken kann ueberhaupt keinen Aerger, so dass ich auch eine ganze Weile lang vom Holocaust-Stelenfeld aus in Ruhe zaehlen und die Waegen ansehen konnte.

Spektakulaerer wurde das ganze dann, als eine ganze Gruppe Demoteilnehmer zurueck am Potsdamer Platz den groessten dortigen Grunflaechenhuegel „eingenommen“ hat. Dieser Huegel ist anscheinend polizeitaktisch von so entscheidender Bedeutung, dass er mit gleich mehreren behelmten Polizeihundertschaften verteidigt werden musste, was die besetzende Fraktion natuerlich nur umso mehr sportlich herausgefordert hat (hier mit Bildern). Bis dahin also die ueblichen Spielchen, wie man sie von beinahe jeder Demo kennt, und ich war gerade im Gehen begriffen, als sich nur ein paar Schritte von mir entfernt die „unschoenen Szenen“ abspielten, wie sie anderswo genannt wurden. Und ich bin nach wie vor beeindruckt, was danach passierte. Schon bei den ersten Festnahmen klickten staendig die Kameras und wurde gefilmt, sobald sich Polizei und Teilnehmer nahe kamen – und zwar dieses Mal mit deutlicher „Waffenueberlegenheit“ der einfachen Buerger gegenueber den BFE-Trupps. Und auch jetzt wurde staendig draufgehalten, Namen der Festgenommenen zugerufen und der Ermittlungsausschuss informiert. Wie so oft waren die Zuschauer sichtlich verstoert (einer zitterte am ganzen Koerper, ein anderer schimpfte mindestens eine halbe Stunde lang, was das fuer eine Sauerei sei), aber sofort wurde die Kontaktadresse des AK Vorrat verbreitet, Zeugen meldeten sich am Koordinationszelt, und das HD-Video der brutalsten der Festnahmen machte ja bekanntermassen in rasender Geschwindigkeit die Runde im Netz.

So schizophren es anmuten mag: Ich sehe hier eine gewaltige Chance fuer eine, sagen wir mal, „transparentere“ Nachbereitung derartiger Vorfaelle auf Demonstrationen. Es ist ja keineswegs so, dass Gewalt seitens der Polizei bei Demonstrationen jetzt eine besondere Ausnahme sei — das war wohl nur fuer die vielen “buergerlichen” Demoteilnehmer nun ein wenig erschreckend, das einmal zu erleben. Die „Beweissicherung“ ist jetzt aber nicht mehr nur in der Hand einer einzigen Seite, die bisweilen unter Verdacht steht, das gemachte Bild- und Filmmaterial recht voreingenommen auszuwerten und sich im Gegenzug unter Kollegen nicht gegenseitig belasten zu wollen. Stattdessen ist jeder Teilnehmer auch ein potenzieller Zeuge, und zwar nicht nur mit Gedaechtnisprotokollen, sondern unter Umstaenden auch mit Fotos oder Videos – gemacht mit der Hosentaschenkamera oder dem Handy, ins Netz gestellt und verbreitet.

Die Polizei wird sich vermutlich auch darauf einstellen. Es ist ja jetzt schon sehr beliebt, die Loeschung von Bildern fotografierter Polizisten unter Androhung der Beschlagnahme der Kamera zu verlangen, auch gestern passierte das wieder, und das wird nicht weniger werden. Ein Bild oder Video einer illegalen Polizeiaktion ist eben nur dann etwas wert, wenn man es auch aus der Demonstration heraus und verbreitet bekommt. Man wird sich auch weiterhin gegen die Einfuehrung einer Identifikationskennzeichnung fuer Polizisten wehren und zukuenftig wohl noch seltener ohne Helm auftreten, um nicht so einfach zu identifizieren sein. Aber auch hier wird sich etwas finden – Direktuebertragung der Bilder per UMTS oder angepasste Kamerafirmwares, die Bilder zwar augenscheinlich loeschen, in Wirklichkeit aber nur verstecken, beispielsweise. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt.

Ich fuer meinen Teil bin gestern offensichtlich auch mal wieder auf diversen BFE-Videoaufzeichnungen gelandet, und dieses Mal kann ich mich nicht damit herausreden, nur journalistisch unterwegs gewesen zu sein. Aber manche Ziele und Anliegen sind eben doch noch wichtig genug, das in Kauf zu nehmen.

Abschliessend: Ich muss an dieser Stelle auch den Kritikern Recht geben, die sowohl den zunehmenden Love-Parade-Charakter als auch die Parteifarbigkeit (linksrot, gruen, gelb, orange) der fsa09 kritisiert haben. Es ist zwar respektabel, wenn allein mehrere tausend Leute im Piratenblock mitmarschieren – im Gegensatz zu Transpis und Bannern besticht eine Sammlung von 200 Piratenparteiflaggen jetzt aber nicht unbedingt durch knackige Sprueche oder intelligente Einfaelle. Das ist schade und frustrierend – ein wenig mehr Farbe, ein wenig mehr nette Sprechchoere und ein wenig mehr Vielfalt waeren schoener gewesen als einfach nur schafherdenartig hinter dem Partytruck trottende Fahnenschwenker. Und ein wenig mehr Teilnehmer haettens auch sein duerfen. Ein Grund mehr, warum ich zu Parteien allgemein und den Piraten speziell bei aller Sympathie und Unterstuetzung weiter ein wenig gesunde Distanz aufrechterhalte.

Zu der Sache mit der UMTS-Direktuebertragung hatte ich schon seit dem UMTS-Versuch bei der Demo am 1. Mai eine kleine Ideensammlung in der Schublade, die ich eben wieder ausgepackt habe und daran weiterschreibe. Mehr in Kuerze hier.

Kurz notiert

Mittwoch, 05. August 2009
  • Das (Team-)Ulm-Quiz ist wieder online, mit neuen Fragen, an denen ich auch teilweise zu knabbern hatte. Enjoy :)
  • Ich sehe mich gerade nach Moeglichkeiten um, Livestreams mit mehreren Kameras in HD zu bedienen. Bisher hatten wir das ja in SD mit Hardware-Bildmischern der Medienoperative gemacht, fuer HD ist sowas aber deutlich schwieriger.
    Gefunden habe ich bislang nur Wirecast als Softwareloesung, was mir aber mit 548 USD fuer die HD-Variante gerade etwas teuer vorkommt. Kennt da jemand guenstigere Alternativen?

Potenzielle Ulmer Freifunker gesucht

Montag, 13. April 2009

Wer auf der unten stehenden Karte sein Haus entdeckt, Zugang zum Dach hat und bereit ist, einen der hier herumstehenden Router samt Antenne auf selbigem zu montieren, melde sich doch mal bei stefan.bloggt.es at shutterworks punkt org. Danke :)


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